Im Oktober wollte der Bund die Impfzentren noch schließen. Nun fahren Kommunen die Kapazitäten wieder hoch. Wie geht das? Beispiel Erlangen.

„Wir werden das selbst dann schaffen, wenn wir weiterhin mit Gesundheitsministern zu tun haben sollten, die Ende September die Impfzentren schließen und sich Ende Oktober wundern, dass sie geschlossen sind.“ Kämpferisch gab sich Helmut Dedy, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, vor wenigen Tagen bei der Hauptversammlung des kommunalen Spitzenverbands in Erfurt. Die Städte bildeten eine Speerspitze im Kampf gegen die Coronakrise, sagte Dedy in seiner Rede. Sie organisierten die notwendigen Maßnahmen vor Ort wie den Aufbau von Impfzentren. Und sie täten das, obwohl die Bundespolitik bisweilen für Verwirrung sorge.

Doch wie ist diesbezüglich der konkrete Stand in den Städten? Beispiel Erlangen: Das dortige Impfzentrum musste im Oktober seine Kapazitäten reduzieren, nun baut es diese wieder auf. Es ist ein Auf und Zu und wieder ein Auf. Florian Janik, Oberbürgermeister der Stadt, und Alexander Tritthart, Landrat des Kreises Erlangen-Höchstadt, sprachen heute in einer digitalen Pressekonferenz über die Anstrengungen, die beide Kommunen für das Impfen unternehmen, und den Betrieb des gemeinsamen Impfzentrums.

Impfzentrum in Erlangen wieder voll aufgebaut

Dessen Wiedereröffnung sei in „sensationell“ kurzer Zeit vonstattengegangen, so Janik. Die Kapazitäten des Impfzentrums seien nun wieder voll aufgebaut. „Wir impfen mittlerweile in einem Ausmaß, wie wir es vorher noch nie geschafft haben in der Pandemie.“ Demgegenüber sei man erst im Oktober von der bayerischen Staatsregierung dazu aufgefordert worden, die Aktivitäten des Impfzentrums massiv zu reduzieren, auf nur etwa 100 bis 150 Impfungen pro 100.000 Einwohner täglich. Für Erlangen bedeutete dies 1.500 bis 2.000 Impfungen pro Woche.

Anfang November hingegen sei angesichts des dynamischer verlaufenden Infektionsgeschehens die Ansage bezüglich des Impfens dann wiederum eine ganz andere gewesen: „Alles, was geht, und so schnell wie irgendwie möglich“, bringt es Janik auf den Punkt. Jetzt sei man in der Lage, „über 20.000 Impfungen pro Woche in Stadt und Landkreis an den Mann und an die Frau zu bringen“, so Janik. Dies betreffe sowohl das Impfzentrum als auch die Angebote der niedergelassenen Ärzte. Bis Ende Januar wolle man alle Personen, die Anspruch auf eine sogenannte Boosterimpfung haben, mit einem entsprechenden Impfangebot abdecken.

Dass Bossterimpfungen nötig werden, war im Sommer schon klar

Derzeit bereite man sich außerdem auf die Impfung von Kindern vor. Insgesamt gehe es um potentiell 16.000 Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren. Wie groß deren Andrang tatsächlich sein wird, sei im Augenblick nur „schwer abschätzbar“. Denn die diesbezüglichen Rückmeldungen aus den Kinderarztpraxen divergierten.

Die Rückkehr zur Höchstlast des Impfzentrums und der schnelle Aufbau dieser neuen Kapazitäten seien nur deswegen möglich gewesen, weil der Freistaat Bayern das Impfzentrum nie ganz geschlossen habe. Zwar will Janik nach vorne schauen und sich auf die neuen Aufgaben konzentrieren. Doch auf Nachfrage zeigt er immer noch ein Unverständnis für die „nicht weise“ Ansage des Bundes im vergangenen Oktober, die Impfzentren zu schließen. „Dass Boosterimpfungen notwendig werden, war im Sommer schon klar“, meint der Oberbürgermeister.

Erlangen mit überdurchschnittlich hoher Impfquote

Die Relevanz des Impfzentrums zeigt sich in Zahlen. Seit etwa einem Jahr engagieren sich Stadt und Landkreis für das Impfen. Janik verzeichnet 420.000 Impfungen in der Region, davon 216.000 im Impfzentrum. Die Impfquote, die sich für Stadt und Landkreis im Detail nur schätzen lasse, betrage über 75 Prozent. Das liege „deutlich über dem, was bundesweit verimpft wurde, und gewaltig über dem bayerischen Schnitt“, so Janik. Bundesweit liegt die Impfquote nach aktuellen Angaben unter 70 Prozent.

Auch hinsichtlich der Siebentageinzidenz stehen die Stadt mit 300 und der Landkreis mit 373 aktuell besser da als der Bundesdurchschnitt von 413. Gleichwohl sei eine Impfquote von zwischen 85 und 90 Prozent erstrebenswert, so Janik.

Drei Gründe für die hohe Impfquote in Erlangen

Den Erfolg der lokalen Impfaktivitäten und die im Bundesvergleich hohe Impfquote führt Janik auf drei Faktoren zurück.

  • Erstens auf die Bevölkerungsstruktur: In Erlangen lebe eine „wissenschaftsaffine Bevölkerung“. Neben der örtlichen Wissenschaftslandschaft befänden sich in der Stadt auch stark auf Wissenschaft und Forschung ausgerichtete Unternehmen. Dies sei ein „struktureller Vorteil“ für die Akzeptanz von Impfungen.
  • Zweitens habe die Stadt das Thema von Beginn an offensiv vorangetrieben. Man sei mit Impfangeboten auf die Menschen zugegangen, habe verschiedene Zielgruppen kontaktiert, auch mehrsprachig.
  • Und drittens hätten Stadt und Landkreis das Impfzentrum in Eigenregie organisiert und dadurch den kommunalen Einfluss auf das Impfgeschehen vor Ort größtmöglich erhalten.

Impfzentrum: „gewaltige Kraftanstrengung“ für die Stadt

Etwa eine Million Euro kostet laut Janik der Betrieb des Impfzentrums pro Monat. Der Oberbürgermeister zeigt sich nach ersten Abrechnungen optimistisch, dass der Freistaat Bayern „die allermeisten Posten ersetzt“. Gleichwohl bedeute der Betrieb des Impfzentrums eine „gewaltige Kraftanstrengung“ für die Verwaltung und deren Mitarbeiter.

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