Die Kitas öffnen schrittweise wieder. Jedoch können die Kommunen die Erwartungen der Eltern teilweise nicht erfüllen. Oberbürgermeister in Baden-Württemberg melden sich zu Wort.

Seit dieser Woche bieten Kindertagesstätten eine erweiterte Notbetreuung an. Damit wurde vielerorts der zweite Schritt des Vier-Phasen-Modells von den Familienministern eingeleitet, mit dem in der Coronakrise die Kitas wieder öffnen sollen.

Nach der bisherigen Notbetreuung und deren Erweiterung sieht das Modell einen eingeschränkten Regelbetrieb und schließlich die Rückkehr zum Normalbetrieb vor. Allerdings gibt es keinen bundesweiten, detaillierten Fahrplan zur Kita-Öffnung.

Während andere Bundesländer nun Phase zwei des Plans umsetzen, ist die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann bereits einen Schritt weiter gegangen. Seit Anfang dieser Woche soll in Baden-Württemberg die Betreuung schrittweise auf bis zu 50 Prozent der Kinder ausgeweitet werden.

OBM kritisieren schnelle Öffnung

Doch die Umsetzung des eingeschränkten Regelbetriebs funktioniert in vielen Kommunen noch nicht. „Viele Betreuungswünsche können auch auf absehbare Zeit noch nicht erfüllt werden“, erklärte etwa Oberbürgermeister Martin Horn aus Freiburg gegenüber der Deutschen Presseagentur. Eine Vielzahl der Plätze, die nun wieder zur Verfügung stehen, sei bereits durch die erweiterte Notbetreuung besetzt.

Als Ding der Unmöglichkeit bezeichnete auch Frank Schneider, OBM in Mühlacker, die geplante Öffnung der Kitas in einem Brief an die Stadträte. Der schwarze Peter werde nun den Kommunen zugespielt, da sie einzelne Kinder abweisen müssten, so Schneider. Deshalb schlug der OBM vor, die Kita-Öffnung in Mühlacker um eine Woche zu verschieben.

Fachkräftemangel in Kitas

Boris Palmer, OBM in Tübingen, kritisierte, dass bei Eltern Hoffnungen geweckt worden seien, die die Kommunen als Kitaträger nun enttäuschen müssten. Den Fahrplan zur weiteren Öffnung der Kitas bezeichnete auch Palmer als nicht durchführbar. In den Einrichtungen seiner Stadt stehe kein Personal zur Verfügung, um neue Gruppen zu schaffen.

Auch Björn Köhler, Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht große personelle Probleme. „Der Fachkräftemangel war schon vor Corona groß“, so Köhler. Zudem würden viele Erzieherinnen zur Risikogruppe gehören. Fast ein Drittel ist demnach über 50 Jahre alt.

Konzepte vor Ort gefragt

Zudem gebe es viele Kitas, die mit offenen Konzepten darauf ausgelegt seien, dass Kinder sich begegnen, so Köhler. Die Räume müssten also neu aufgeteilt und die Wege, etwa ins Bad, anders organisiert werden. Wenn die Kinder abgeholt werden, sei dafür zu sorgen, dass sich nicht zu viele Eltern begegnen.

Aus Sicht der GEW muss es für die Öffnung der Kitas vor Ort Konzepte geben. „Die Träger brauchen Unterstützung von den Kommunen“, sagt Köhler. Er rät Kreisen, Städten und Gemeinden, auf die Kitaträger zuzugehen, und dann mit den Gesundheitsämtern zu prüfen, welche Maßnahmen nötig seien und wie viel Zeit diese in Anspruch nehmen.

Kommunen sollen Dialoge schaffen

„Im nächsten Schritt sollten die Kommunen entscheiden, wie viele Kinder jeweils sinnvoll betreut werden können und wer Zugriff auf die Plätze hat.“ Das müsse dann wieder mit den Landesregierungen besprochen werden. Mit dieser Entscheidung dürfen die Kitaleitungen laut dem Leiter des Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit nicht allein gelassen werden.

Eine weitere kommunale Aufgabe ist für Köhler, die Familien zu schützen. „Die Städte sollten mit den Familien in einen Dialog treten. Den Eltern muss klar sein, dass sie ihre Kinder nicht krank in die Kita schicken können.“ Auch sollte einheitlich und umfänglich in den jeweiligen Sprachen der Familien kommuniziert werden, dass es in Kitas keinen absoluten Schutz vor Corona gibt.

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