Steigende Infektionszahlen wecken in Städten neue Besorgnis bezüglich eines Lockdowns. In Offenbach gilt eine Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten.

Die Stadt Offenbach am Main verschärft ihre Maßnahmen gegen die Coronakrise wieder. Während auf Bundesebene noch um eine Testpflicht für Rückkehrer oder Einreisende aus Risikogebieten diskutiert wird, gilt eine solche ab sofort in Offenbach. Zudem setzt die Stadt beschlossene Lockerungen des Landes Hessen aus. Darüber sowie über weitere Maßnahmen informierte der Krisenstab der Stadt gestern.

Zuvor hatte das städtische Gesundheitsamt mitgeteilt, dass die Zahl der Neuinfektionen gestiegen sei. Mit 35,6 Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen habe die Stadt die „Warnstufe Drei“ des hessischen Eskalationskonzepts erreicht. Damit ist Offenbach verpflichtet, weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu erwägen.

Reiseverhalten spielt bei der Virusverbreitung eine Rolle

Trotz der sich häufenden Fälle von Neuinfektionen sei das Infektionsgeschehen in der Stadt überschaubar, sagte OBM Felix Schwenke. Nur bei 6 von 46 in der letzten Woche positiv getesteten Personen wisse man nicht, wo es zur Ansteckung kam. Ein Einzelereignis spielt für die Steigerung der Zahlen eine wesentliche Rolle. Acht Menschen hatten sich bei einer Busfahrt nach Holland angesteckt. Diese wiederum infizierten sieben Angehörige. Zudem trugen 19 Reiserückkehrer aus dem Ausland zu den hohen Zahlen bei.

Mit ihren aktuellen Maßnahmen reagiert die Stadt vor allem auf das Reiseverhalten der Menschen. Daher habe man die Pläne der Bundesregierung vorweggenommen: Für alle Bürger und Besucher, die aus einem Risikogebiet nach Offenbach kommen, gilt eine Testpflicht. Zudem ist die Informationspflicht für die Reiserückkehrer bezüglich der Personen, mit denen sie zusammenleben, erweitert.

Offenbach verschärft Coronaregeln wieder

Steigende Infektionszahlen in Offenbach machen eine Verschärfung der Coronaregeln vor Ort nötig: OBM Felix Schwenke. (Quelle: Stadt Offenbach am Main/Thomas Lemnitzer)

Steigende Infektionszahlen in Offenbach machen eine Verschärfung der Coronaregeln vor Ort nötig: OBM Felix Schwenke. (Quelle: Stadt Offenbach am Main/Thomas Lemnitzer)

Darüber hinaus verschärft die Stadt ihre Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Ab sofort ist wieder Grillen und Picknicken im öffentlichen Raum verboten. Damit sollen Menschenansammlungen unterbunden werden. Kontaktsport in der Freizeit darf nur noch mit bis zu zehn Personen oder den Angehörigen des eigenen Hausstandes ausgeübt werden. Diese Regeln galten bereits bis zum 31. Juli.

Zudem bleibt in Offenbach die Fünf-Quadratmeter-Regelung – eine Person pro fünf Quadratmeter – bei städtischen Veranstaltungen und in städtischen Räumen in Kraft. Gäste in Lokalen müssen wieder einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie nicht am Tisch sitzen. „Die Zahlen der letzten Woche sind für Offenbach der falsche Zeitpunkt, dies jetzt wie sonst überall in Hessen zu lockern“, sagt Schwenke. „Die Lockerung wird deshalb zunächst für 14 Tage verschoben.“

Ausgesetzt bleibt auch die zuletzt vom Land Hessen beschlossene Lockerung für Bildungsangebote. Hier gilt nach wie vor ein Mindestabstand von 1,5 Metern und eine auf 15 Personen begrenzte Gruppengröße.

Mit Informationen und Sanktionen gegen zweiten Lockdown

Außerdem möchte die Stadt mit einer Informationskampagne die Bürger für die Einhaltung der Coronaregeln sensibilisieren. Ordnungsamt und Polizei unterstützen das Gesundheitsamt in Zweifelsfällen bei der Ermittlung von Kontaktpersonen. Zudem kontrollieren sie die Einhaltung der Coronaregeln. „Wir werden keine Verwarnungen mehr aussprechen“, sagt Ordnungsdezernent Peter Freier, „sondern sofort Bußgelder verhängen.“ Diese könnten je nach Fall mehrere tausend Euro betragen.

Zwar sei das Infektionsgeschehen in Offenbach unter Kontrolle. Schwenke schließt einen zweiten Lockdown aber nicht aus. „Für Arbeitsplätze, Wirtschaft, Sport und Kultur wäre das schlimm.“ Insbesondere die vergangene Woche habe gezeigt, wie rasch die Zahl an Infektionen ansteigen könne. „Deshalb hilft uns jetzt die Landespolizei verstärkt, die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln zu kontrollieren.“

Der Krisenstab kommt heute erneut zusammen. „Die Zahlen sind jetzt so hoch, dass wir wieder ganz eng an der Entwicklung dranbleiben“, so Schwenke.

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