Im April bangte die Stadt Dinkelsbühl aufgrund der Coronakrise noch um ihren Tourismus. Im August floriert er mehr denn je. Wie kommt’s?

Majestätische Torbögen, hohe Türme und Fachwerkhäuser in engen Gassen: Eine idyllische Altstadt mit historischem Ambiente prägt nicht nur das Bild der Stadt Dinkelsbühl, sondern ist auch maßgeblich für die örtliche Tourismusbranche und damit ein Wirtschaftsfaktor der Stadt. In der Coronakrise drohte dem allerdings ein Einbruch. Mit dem Lockdown befürchtete die stark touristisch geprägte Stadt dramatische Auswirkungen auf die Branche. Nun verzeichnet sie allerdings nicht nur eine Entlastung, sondern sogar eine Steigerung der Übernachtungszahlen im Monat August – und das, obwohl ein großes Festival abgesagt werden musste.

Anderes Reiseverhalten wegen Corona: Dinkelsbühl profitiert

Auf Nachfrage der OBM-Zeitung führt OBM Christoph Hammer den positiven Trend vorwiegend auf die Aufwertung der Dinkelsbühler Altstadt sowie den entsprechenden touristischen Zuspruch darauf zurück. Zudem profitiere die Stadt als innerdeutsches, ländliches Reiseziel vom geänderten Reiseverhalten in der Coronakrise.

Zwar müsse der Tourismus in der Stadt seit dem Lockdown durchaus gravierende Einschnitte hinnehmen. Davon scheine er sich nun allerdings zu erholen. Die Übernachtungszahlen der Monate Juni und Juli liegen noch hinter denen des Vorjahres. Doch im August 2020 zählt die Stadt noch mal 8,2 Prozent mehr Übernachtungen als im August 2019, der Dinkelsbühl bereits einen Spitzenwert bescherte. „Das ist der Wahnsinn“, lässt sich Hammer in einer Pressemeldung zitieren.

Rekordwerte im August trotz Festivalabsage

Trotz der coronabedingten Absage des Open-Air-Festivals „Summer Breeze“, das jährlich für eine starke Frequenz zehntausender, meist campender Rockfans in Dinkelsbühl sorgt, habe man zumindest im Monat August 2020 das „stärkste touristische Jahr aller Zeiten“ 2019 noch einmal übertroffen. Im August verzeichnet die Stadt 24.072 Übernachtungen. Zudem erhöht sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste von 2 auf 2,3 Tage. Die Stadt wertet dies auch als „gutes Zeichen für den Einzelhandel“. Die touristische Nachfrage kommt vor allem aus Deutschland.

Stadt und Tourismusbranche fokussieren Qualität

Grundlagen für den aktuellen touristischen Erfolg habe die Stadt bereits vor der Coronakrise gelegt, erklärt Hammer. Gastronomie und Hotellerie hätten zuletzt „extrem aufgerüstet“. Einige Häuser seien modernisiert, ein neues Hotel sei gebaut worden. Die Bettenkapazität sei von rund 1.000 im Jahr 2019 auf knapp 1.400 gewachsen. Hammers Erkenntnis: Touristische Qualität zieht.

Die Stadt habe diesen Prozess flankiert. In der Altstadt habe man eine Fußgängerzone geschaffen, um den Flaniercharakter und damit die Außengastronomie zu stärken. Zudem profitiere Dinkelsbühl vom Label der „schönsten Altstadt Deutschlands“, das ein Magazin der Stadt einmal vergeben hatte. Dieses Image pflege man weiter.

Einsatz für eine lebendige Altstadt trägt Früchte

OBM Christoph Hammer aus Dinkelsbühl (Quelle: Stadt Dinkelsbühl/privat)

OBM Christoph Hammer aus Dinkelsbühl (Quelle: Stadt Dinkelsbühl/privat)

Darüber hinaus trage der Einsatz für eine lebendige Altstadt Früchte. Dazu gehörten neben der Gastronomie auch innerstädtische Kulturveranstaltungen und Wochenmärkte. Im Sommer spielte das örtliche Theater auf einer Freilichtbühne in der Altstadt. Zum Jahresende plane man den bewährten Weihnachtsmarkt. Darüber hinaus forciere man etwa die Infrastruktur für Wandern, Radfahren oder Wohnmobilstellplätze sowie das Programm an Stadtführungen.

Die touristischen Gäste der Stadt kämen vorwiegend aus Deutschland und europäischen Nachbarländern wie den Niederlanden, Österreich oder Italien. Daher leide die Stadt weniger am Einbruch des Flugreiseverkehrs in der Coronazeit. Im Gegenteil komme ihr zugute, dass Touristen aus Deutschland derzeit verstärkt nach Urlaubszielen in Mittel- und kleineren Oberzentren jenseits der Ballungsräume suchten, schätzt Hammer.

Zudem hänge die Frequenz in der Stadt nicht an einzelnen Messen oder Kongressen. Die sich abzeichnende Entlastung im wichtigen Tourismussegment lasse ihn in der bewegten Coronazeit ein wenig entspannter in die Zukunft der Stadt blicken, so Hammer.

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