Grenzregionen sind in der Coronakrise besonders belastet. Gleichzeitig zeigt sich in der grenzüberschreitenden Kooperation die Kraft Europas.

Interkommunale Kooperationen und die Lebensrealitäten in Grenzregionen erweisen sich in der Coronakrise als Motoren des europäischen Gedankens. Nun haben die Oberbürgermeister der QuattroPole-Städte Saarbrücken, Trier, Metz und Luxemburg im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzland angesichts steigender Coronazahlen eine intensivere Zusammenarbeit auf lokaler Ebene verabredet.

Bei ihrem Treffen am vergangenen Mittwoch legten sie eine Vernetzung ihrer Krisenstäbe fest. Die gegenseitige, nun institutionalisierte Hilfe in der Krise und die damit verbundene neue Organisationsform zur regionalen Abstimmung könnte den Städten auch ein weiteres Argument gegen mögliche Grenzschließungen liefern.

Städte kooperieren gegen Corona: „Zeichen der Solidarität“

Die Kooperation im Kampf gegen die Pandemie sei „ein bewusstes Zeichen grenzüberschreitender Solidarität zwischen den Städten in der Phase einer globalen Gesundheitskrise“, teilen die Städte heute in einer Pressemeldung mit. Damit knüpfen sie an ihr Zusammenwirken im Frühjahr an. Damals konnten durch persönliche Impulse der Oberbürgermeister und durch direkte Vermittlung zwischen den Stadtverwaltungen Krankentransporte und medizinische Hilfsleistungen gesichert werden, um die Krankenhauskapazitäten in Metz zur Behandlung von besonders schweren Covid-19-Fällen zu entlasten.

Die interkommunale Kooperation zielt darauf ab, die Intensivstationen in der Region zu unterstützen. Das Städtenetz QuattroPole dient hierbei als gemeinsame Informations- und Austauschplattform. „Covid 19 macht vor keiner Grenze halt, und daher ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gerade jetzt elementar wichtig“, sagt OBM Wolfram Leibe aus Trier, Präsident des Netzwerks QuattroPole. „Das ist Europa konkret.“

Grenzüberschreitende Verflechtungen essentiell in der Grenzregion

Über die Coronakrise hinaus sieht der Saarbrücker OBM Uwe Conradt das QuattroPole-Netzwerk vor strukturellen Aufgaben: „Eine noch bessere Vernetzung beim Gesundheitsschutz, der Katastrophenschutz und die Weiterentwicklung des grenzüberschreitenden Personennahverkehrs sind Themen, die wir im Herzen Europas weiterentwickeln sollten.“ Die grenzüberschreitenden Verflechtungen seien essentiell für die regionale Lebenswelt.

Während des Lockdowns im Frühjahr litten zahlreiche Grenzregionen unter Grenzschließungen. Dies betraf auch Saarbrücken. Im OBM-Videointerview sprach Conradt zuletzt von einem „Totalausfall in Brüssel: Gerade im Kampf gegen die globale Pandemie vermisse er die Sichtbarkeit einer europäischen Koordination anstelle nationaler Strategien. Zudem seien Grenzschließungen kein adäquates Mittel, um ein Virus an seiner Verbreitung in Europa zu hindern. Vielmehr belasteten sie Grenzregionen unverhältnismäßig.

Das Foto oben zeigt OBM Leibe, OBM François Grosdidier aus Metz, OBM Lydie Polfer aus Luxemburg und QuattroPole-Geschäftsführer Michael Sohn (von links).

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