Auf Basis einer hohen Testintensität versucht Tübingen, Lockerungen zu gewähren. Die Inzidenz steigt aber wieder. Die Stadt steuert dagegen.

Das bundesweit vielbeachtete Modellprojekt in Tübingen, mit dem die Stadt auf Basis eines intensiven Testens einige Coronaregeln gelockert hatte, hat bislang keinen durchschlagenden Erfolg gezeigt. Zuletzt ist die Inzidenzzahl in der Stadt von unter 30 auf über 110 angestiegen. Dennoch wird das Modellprojekt in modifizierter Form zunächst fortgesetzt. OBM Boris Palmer will die Testintensität als Alternative zum kompletten Lockdown hochhalten. Darin sieht er eine wichtige Erkenntnis des Projekts.

Tübingen: „Gegen Lockdown und Virus antesten“

In einem offenen Brief erklärte Palmer heute sein Vorgehen und rief die Bürger dazu auf, seinem Kurs weiter zu folgen. Sie sollten „mithelfen, damit Tübingen offen bleibt“. Man wolle weiter gezielt „gegen den Lockdown und den Virus antesten, soviel wir nur können“. Dennoch verschärft die Stadt angesichts steigender Infektionszahlen die Coronamaßnahmen wieder.

Bislang sah der Modellversuch auf Basis eines intensiven Testens die Öffnung unter anderem von Außengastronomie, Handel und Kultureinrichtungen vor. Dafür vergab die Stadt an mehreren Teststationen in der City an negativ Getestete ein sogenanntes Tübinger Tagesticket. Das Ziel, auf diese Weise das Infektionsgeschehen zu kontrollieren, trotz der Lockerungen unter einer Inzidenzzahl von 50 zu bleiben und „die Pandemie mindestens so gut zu beherrschen wie durch einen Lockdown“, hat die Stadt allerdings damit nicht erreicht.

Palmer: „Lockdown durch intensives Testen unnötig machen“

Zwar halte man an der „Grundidee, den Lockdown durch intensives Testen unnötig zu machen“, weiter fest, so Palmer in seinem offenen Brief. Doch in Abstimmung mit dem Land Baden-Württemberg setze man nun ein verändertes Konzept um. Dies bedeutet unter anderem, dass Auswärtige kein Tagesticket mehr erhalten. Auch muss die Außengastronomie wieder schließen.

Zudem steigert die Stadt die Testintensität: Testungen in Einzelhandel, Betrieben, Schulen und Kitas sind verpflichtend. Auf diese Weise möchte sie einige der Lockerungen – wie die Öffnung von Kultureinrichtungen oder dem Handel – aufrechthalten und hofft, einen kompletten Lockdown vermeiden zu können.

Modellversuch sucht nach einer Alternative zum Lockdown

„Wir waren wirklich gut, aber leider nicht gut genug“, resümiert Palmer den bisherigen Modellversuch. Unter anderem leide er darunter, dass die mutierte, sogenannte britische Coronavariante ansteckender sei. Zudem habe das Modellprojekt viele Menschen von außerhalb nach Tübingen gelockt, was zu zusätzlichen Kontakten geführt habe. Mit dem neuen Konzept wolle man diesen Phänomenen begegnen.

Ziel des Modellprojekts sei, eine Alternative zum Lockdown zu entwickeln – nicht zuletzt hinsichtlich der innerstädtischen Betriebe, die aufgrund der Schließungen um ihre Existenz ringen. Dabei steht das Testen im Fokus: „Wir glauben, dass wir mit dem, was wir bereits über das verpflichtende Testen gelernt haben, die dritte Welle ohne Lockdown brechen können“, meint Palmer.

Dass der Tübinger Versuch nicht unumstritten ist, weiß der Oberbürgermeister: „Die Stimmen, die den Abbruch des ganzen Projekts und die Rückkehr zur Notbremse forderten, waren deutlich zu hören.“

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