Die UEFA drängt die EM-Städte dazu, trotz Corona Zuschauer in den Stadien zuzulassen. München sollte sich das Gebaren nicht gefallen lassen.

König Fußball regiert – und will seine Regentschaft offenbar auch auf die Verbreitung eines Virus ausdehnen. Das ist bizarr, realitätsfern und unsolidarisch.

UEFA nährt das Bild eines egoistischen Milliardenbusiness

Dass die Spitzen des europäischen Fußballverbands UEFA in Zeiten einer Pandemie die Städte, in denen die Spiele der im Juni anstehenden Europameisterschaft stattfinden, dazu drängen, in ihren Stadien Zuschauer zuzulassen, ist eine unverhohlene Anmaßung.

Der Profifußball hat sich in den vergangenen Monaten durchaus vorbildlich an die Coronakrise angepasst. Er hat sich das Privileg, seinen Spielbetrieb – im Gegensatz zu dem der vielen Amateurvereine oder zum Betrieb vergleichbarer Unternehmungen der Event- und Unterhaltungsindustrie – mit Hygienekonzepten und im Format von sogenannten Geisterspielen ohne Zuschauer aufrechterhalten zu dürfen, erarbeitet.

Dass die UEFA nun aber Druck auf die EM-Städte ausübt, bereits jetzt für die Spiele im Juni Zuschauergarantien abzugeben, konterkariert dieses Engagement. Es nährt das Bild des Profifußballs als ein abgehobenes Milliardengeschäft, das egoistisch und rücksichtslos seine Interessen durchzusetzen versucht. Denn wer kann das Pandemiegeschehen seriös voraussagen?

München könnte den Status als EM-Standort verlieren

Von zwölf EM-Standorten haben sich neun Städte bereits zu Versprechungen hinreißen lassen. Drei zögern noch. Darunter sind Bilbao, Dublin und die deutsche Stadt München. Der spanischen Stadt Bilbao hat die UEFA jüngst eine Absage erteilt. In den nächsten Tagen möchte sie über Dublin und München entscheiden.

Bislang lässt sich Münchens OBM Dieter Reiter nicht zu Garantien bezüglich einer Zuschauerzahl drängen. Die deutsche Stadt hat, abhängig vom Infektionsgeschehen, drei Szenarien vorgeschlagen. Eines sieht den Fall vor, dass keine Zuschauer zugelassen werden. Zudem verweist Reiter auf die entsprechenden Rahmenbedingungen, die das Land setzt.

Das ist vernünftig. Die Stadt darf sich nicht erpressen lassen. Erst recht nicht von Regent Fußball. Es geht letztlich auch um Solidarität mit der Gesellschaft: Wie würde ein Fußballevent mit Zuschauern auf diejenigen wirken, die sich seit nunmehr über einem Jahr an die Coronaregeln halten und ihren Alltag empfindlich einschränken?

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