Tübingen legt einen Abschlussbericht zum Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ vor. Es sei „erfolgreich verlaufen“ und empfehlenswert.

Das in der bundesweiten Coronadebatte nicht unumstrittene Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ ist „erfolgreich verlaufen“. Zu diesem Fazit kommt die Stadt Tübingen, die heute bezüglich ihres Modellprojekts einen vorläufigen Abschlussbericht vorgelegt hat. „Im Ergebnis kann empfohlen werden, die anstehenden Öffnungen im Abklingen der dritten Welle nach dem in Tübingen erprobten Modell durchzuführen“, heißt es darin.

Modellversuch: Lokale Teststrategie statt Lockdown

Von Mitte März bis Ende April hatte die Stadt in Abstimmung mit dem Land Baden-Württemberg als Alternative zum Lockdown diverse Lockerungen vorgenommen. Basis dafür war der Aufbau eines lokalen Testsystems mit neun Teststationen. Wer negativ auf das Coronavirus getestet wurde, konnte mit dem sogenannten Tübinger Tagesticket den lokalen Einzelhandel, Dienstleister, Kultureinrichtungen und zeitweise auch die Außengastronomie aufsuchen. Zudem wurde an Schulen, Kitas und in Betrieben getestet.

Die zusätzlichen Öffnungen haben laut Abschlussbericht, der von Oberbürgermeister Boris Palmer sowie von den Versuch begleitenden Medizinern und Wissenschaftlern unterzeichnet ist, nicht zu einem messbaren Anstieg der Infektionen geführt. „Der Kontrolleffekt intensiven Testens kompensiert die zusätzlichen Risiken einer geöffneten Stadt.“

Auf dieser Basis kommt der Abschlussbericht zu der These, dass „Handel, Außengastronomie und Kultur bei einer Inzidenz von unter 100 gleichzeitig geöffnet werden können, wenn diese an eine Testpflicht gebunden sind“. In Verbindung mit Betriebstestungen, allgemeinen Hygieneregeln und den Effekten der voranschreitenden Impfungen sei „nicht zu erwarten, dass darauf ein Rückschlag in Form eines erneuten Anstiegs der Inzidenz resultiert“.

Hohe Testdichte hat Kontrollwirkung aufs Infektionsgeschehen

Was das Infektionsgeschehen betrifft, gab es in der Stadt Tübingen im Laufe des Modellversuchs zwar zwischenzeitlich einen Anstieg der Inzidenzzahl. Vergleichen mit der Statistik des Landkreises und der des Landes sei dieser aber nicht überdurchschnittlich ausgefallen. Die hohe Testintensität habe außerdem zur „Ausleuchtung des Dunkelfeldes“ in Tübingen beigetragen.

„Die vorliegenden Daten erlauben den Schluss, dass die hohe Testdichte in Tübingen eine Kontrollwirkung auf die Ausbreitung des Virus entwickelt hat, die den negativen Effekt der zusätzlichen Kontakte in Handel, Gastronomie und Kultur kompensiert.“ Der Abschlussbericht verzeichnet ein „relativ stabiles Infektionsgeschehen“.

Tübinger Testmodell ein „volkswirtschaftlicher Gewinn“

Die Öffnungsschritte hätten sich für die betroffenen Unternehmen – von Einzelfällen wie Kinos abgesehen – als wirtschaftlich tragfähig erwiesen. Die Erfahrungen seien „überwiegend gut“. Ebenso treffe der Modellversuch in der Bevölkerung auf eine hohe Akzeptanz. Bis zu 7.500 Tests seien in der 90.000-Einwohner-Stadt täglich im Zeitraum des Modellprojekts vorgenommen worden. „Die Testrate sank nach dem Ende des Versuchs auf 1.500 pro Tag ab. Ohne die Anreize der an Testpflichten gebundenen Angebote ist die Testbereitschaft erheblich geringer“, heißt es im Abschlussbericht.

Dabei sei das System „volkswirtschaftlich gerechnet ein Gewinn“. Insgesamt wurden an den Teststationen 165.000 Tests durchgeführt. In gleicher Größenordnung wurde in Betrieben, Kitas und Schulen getestet. Laut Abschlussbericht vergütet der Bund an Teststationen pro Test 15 Euro. Die Kosten sonstiger Testkits betragen 5,50 Euro. Insgesamt liegen die Testkosten bei etwa 3,5 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 2,5 Millionen Euro. „Der Umsatz in der Tübinger Innenstadt, der nur durch die zusätzlichen Öffnungen möglich war, dürfte den Wert von 15 Millionen Euro überschreiten. Schon die zusätzliche Mehrwertsteuer dürfte daher die Kosten der Testungen gedeckt haben.“

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