Was lehrt uns die Coronakrise? Wie gestalten wir unsere Städte? OBM Jutta Steinruck plädiert für einen gesellschaftlichen Diskurs darüber.

OBM Jutta Steinruck aus Ludwigshafen regt eine Debatte um stadtgesellschaftliche Herausforderungen im Spiegel der Coronakrise an. „Wenn man die vergangenen Wochen und Monate mit etwas Abstand betrachtet, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Pandemie Probleme, die bereits davor bestanden, noch einmal in ein sehr grelles Licht gerückt hat“, sagt Steinruck in einer am vergangenen Mittwoch verbreiteten Pressemeldung der Stadt.

Corona rückt Probleme der Stadtgesellschaften in „grelles Licht“

Konkret nennt sie dabei vier Themenfelder. Darunter zählt sie erstens die sozialpolitischen, baulichen, infrastrukturellen Auswirkungen globalen Wirtschaftens. Zweitens verweist sie auf „das massive Missverhältnis, das entsteht, wenn Kommunen staatliche Aufgaben wie beim Kommunalen Vollzugsdienst übernehmen müssen, ohne dafür ausgestattet zu werden – Stichwort: Konnexität und Nachhaltigkeit im politischen Handeln über alle Ebenen“.

Drittens veranschauliche die Coronakrise „die schwierige Herausforderung gelingender sozialer Integration in sich wandelnden Städten“. Viertens spricht Steinruck „die Fragmentierung unserer Kommunikation“ an. „Ich denke, das sind alles Themen, die wir bei der Aufarbeitung der Pandemie unbedingt diskutieren müssen.“

Beispiel Ludwigshafen: Sozialräumliche Aspekte in der Coronakrise

Exemplarisch beschreibt Steinruck die Lage in ihrer Stadt. Lokale Besonderheiten, die das Pandemiegeschehen negativ beeinflusst haben, sieht die Oberbürgermeisterin vor allem in der Sozialstruktur Ludwigshafens. Bei der Bewältigung der Pandemie offenbarten sich sozialräumliche Faktoren und verlangten nach Berücksichtigung.

Ludwigshafen ist ein bedeutender Standort der Chemieindustrie. Die Stadt zeichnet sich durch eine dichte Wohnbebauung und teils enge innerstädtische Sozialräume aus. Zudem prägt der Bedarf der verarbeitenden Industrie an Arbeitskräften die Sozialstruktur. Hinzu komme, dass die hohe Mobilität der Berufspendler sowie die teils hohe Fluktuation von Mitarbeitern in diversen Unternehmen das Pandemiegeschehen für die Verwaltung nur schwer steuerbar mache, so Steinruck.

Zudem spielten die Kommunikation und Informationsvermittlung beim Kampf gegen die Virusverbreitung eine Rolle. Einerseits bestehe mancherorts die Herausforderung, Sprachbarrieren zu überwinden. Andererseits stoße die Verwaltung an ihre Grenzen, wenn Menschen nur in engen Communities oder Social-Media-Blasen kommunizierten.

Steinruck fordert gesellschaftlichen Diskus über die Stadt von morgen

Angesichts dessen bräuchten Städte zur Bewältigung von Herausforderungen, die sich aus solchen individuellen oder lokalen Besonderheiten ergeben, einen angemessenen Spielraum. „Insofern sollte auf allen politischen Ebenen noch einmal darüber diskutiert werden, welche Möglichkeiten man Kommunen in solchen besonderen Lagen einräumt, und diese natürlich auch entsprechend mit allen notwendigen Ressourcen dafür ausstatten“, sagt Steinruck hinsichtlich der Coronamaßnahmen.

Darüber hinaus bedürfe es eines selbstkritischen, zukunftsgewandten gesellschaftlichen Dialogs. Es müsse nun darum gehen, als Gesellschaft Lehren hinsichtlich des zukünftigen Zusammenlebens aus der Coronakrise zu ziehen. Es seien soziale und wirtschaftliche Folgen der Pandemie zu meistern – etwa für Kinder und Jugendliche, für Familien, für die Arbeitswelt oder für das Gesundheitssystem.

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