Der Delitzscher OBM schreibt an den sächsischen Ministerpräsidenten. Der Brief zeigt: In Sachen Coronaregeln mangelt es an Einheitlichkeit.

Auch zwei Jahre nach Beginn der Coronakrise hakt es in Grenzregionen zwischen den Bundesländern innerhalb Deutschlands, was Coronaregeln betrifft. Dies macht nun ein Brief von Manfred Wilde, Oberbürgermeister der sächsischen Stadt Delitzsch, deutlich. Gemeinsam mit dem Vorstand der örtlichen Werbegemeinschaft schreibt er an die sächsische Landesregierung um Ministerpräsident Michael Kretschmer. Das Schreiben, das an Kretschmer sowie Wirtschaftsminister Martin Dulig und Sozialministerin Petra Köpping adressiert ist, macht auf unterschiedliche Coronaregeln in der Region zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie die damit verbundenen „Ungleichbehandlungen“ aufmerksam.

„Verständlich, einheitlich, länderübergreifend“

Grundsätzlich bestehe ein breites Verständnis für Coronamaßnahmen. „Ein übereiltes und nicht durchdachtes Lockern wäre fatal“, heißt es in dem Brief. „Dennoch sprechen wir uns für verständliche, einheitliche und länderübergreifende Regelungen aus.“ So sorgten die Coronaregeln für immer neue Irritationen – insbesondere für die Wirtschaft.

„Dabei spielt in Delitzsch auch die Grenzlage zu Sachsen-Anhalt eine bedeutende Rolle, denn für Handel, Gastronomie und Dienstleistungen gibt es im Nachbarbundesland immer wieder andere Infektionsschutzregeln.“ Die fielen bisweilen liberaler aus als in Sachsen. Insofern sei „in den letzten Monaten vermehrt ein Einkaufstourismus aus Delitzsch“ auf die andere Seite der Landesgrenze etwa nach Bitterfeld zu verzeichnen gewesen.

Coronaregeln: Wilde fordert „Gleichbehandlung“

Wilde fordert, „dass die sächsische Staatsregierung für eine Gleichbehandlung sorgt“. Beispielsweise erhielten in Bayern auch Ungeimpfte mit negativem Test wieder Zugang zu Geschäften. In Sachsen sei dies so nicht der Fall. Zudem dürften vor Ort „hochfrequentierte großflächige Vollsortimenter weiterhin in großem Stil und ohne Sonderregelungen ihren Geschäften nachgehen“, wohingegen Spezialgeschäfte und der innerstädtische Fachhandel strengen 2G-Zugangsregeln unterlägen. Das passe nicht zusammen.

Zwar sei ein neues Hilfsprogramm der Landesregierung für Kleinstunternehmen zu begrüßen. Ebenso komme dem Standort zugute, „dass es keine Monostrukturen gibt und die Wirtschaft breit aufgestellt ist“. Manche sähen in dem „erzwungenen Wandel“ sogar Chancen. Gleichwohl fehle es in vielen Bereichen an einer klaren Orientierung und „an einer langfristigen Perspektive“. Stattdessen müsse sich „die Wirtschaft Monat für Monat mit neuen und teilweise unverständlichen, unlogischen Regeln auseinandersetzen“, so Wilde.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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