Angesichts des Ukrainekriegs müsse man neu über die Energieversorgung nachdenken: OBM Holger Kelch aus Cottbus thematisiert den Kohleausstieg.

Mit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine am 24. Februar wies Holger Kelch, Oberbürgermeister von Cottbus, in einem Pressestatement auf die deutsche Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen hin. Der Ukrainekonflikt und die Spannungen zwischen Russland und dem Westen gäben Anlass, über den Zeitpunkt des Kohleausstiegs nachzudenken. Dabei blicke er speziell auf die Lausitz und Cottbus. Aber was meint er damit konkret in Sachen Versorgungssicherheit und Kohleausstieg? #stadtvonmorgen fragt nach.

„Gedanken über die Stabilität der Energieversorgung machen“

#stadtvonmorgen: Herr Kelch, Wie sehen Sie die Energiesicherheit in Ihrer Region hinsichtlich der russischen Aggression? Sind im Zusammenhang mit der deutschen Abhängigkeit von „russischer Energie“ angesichts des Konflikts zwischen dem Westen und Russland Lücken in der Daseinsvorsorge zu befürchten?

Holger Kelch: Aktuell eher nicht. Langfristig müssen wir uns jedoch Gedanken machen über die Stabilität der Energieversorgung beziehungsweise eine deutlich geringere Abhängigkeit von russischen Rohstoffen.

#stadtvonmorgen: Wie gehen Sie damit um?

Holger Kelch: Zumindest sollte neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht vorschnell der Kohleabbau samt -verstromung aufgegeben werden. Hinzu kommt, dass wir die Stadtwerke gerade auf ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk umgerüstet haben und hier Gas als Brückentechnologie verstehen. Das gilt es, zu sichern – aber aus Quellen, die uns nicht letztlich politisch erpressbar machen.

„Braunkohle ein verlässlicher Teil des Energiemixes“

#stadtvonmorgen: Wie könnte der Kohlabbau möglichen Engpässen im Energiebereich entgegensteuern?

Holger Kelch: Derzeit ist die Braunkohle ein verlässlicher und heimischer Teil des Energiemixes, auch zu verlässlichen Preisen.

#stadtvonmorgen: Was schlagen sie also konkret vor?

Holger Kelch: Zumindest den Kohleausstieg wie im Kohlekompromiss vereinbart bei 2038 zu belassen und nicht „idealerweise“ auf 2030 vorzuziehen. Das entbindet uns nicht von den Bemühungen, den Strukturwandel zügig voranzutreiben. Darunter sind auch verschiedene Wasserstoffprojekte sowie ein Wärmepumpeneinsatz am Cottbuser Ostsee.

Info

Intensiv begleitet #stadtvonmorgen die Reaktionen der deutschen Städte auf den Ukrainekonflikt. Hier geht es zu den neuesten Entwicklungen aus kommunaler Perspektive.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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