Ein Energiemodell der Universität Kiel zeigt den Wärmebedarf aller Wohngebäude. Ziel ist eine Wärmeplanung für die gesamte Stadt.

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat ein Modell mit räumlichen Daten und Szenarien zum Wärmebedarf erstellt, meldet sie auf ihrer Website. Dafür nutzt sie ein digitales 3D-Modell des gesamten Kieler Gebäudebestands, das ihr die Stadt zur Verfügung gestellt hat. Zusammen mit hochaufgelösten, lokalen Wetterdaten und Parametern für die thermischen Eigenschaften des klassischen Gebäudebestands entsteht daraus ein Bild des Wärmebedarfs der Stadt.

Software aus den USA

Entwickelt wurde die dafür verwendete Software „Urban Building Energy Modeling“ (UBEM) vom Sustainable Design Lab (SDL) des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston (USA) in einer Kooperation mit dem Energiekonzern Shell. Unterstützt wurde das Projekt vom Klimaschutzmanagement und der Stabsstelle Digitalisierung der Landeshauptstadt Kiel.

„Wir können mit der Software Datensätze und Fachwissen, welche bereits an unterschiedlichen Stellen in der Stadtverwaltung vorliegen, neuartig kombinieren“, sagt Malte Schwanebeck vom Kompetenzzentrums Geo-Energie (KGE) der Uni Kiel. Dadurch erhalte man einen Gesamtüberblick über den derzeitigen Bedarf an Raumwärme und Warmwasser im Wohngebäudebestand einer ganzen Stadt.

Ausgangspunkt für die Wärmeplanung

Jens-Peter Koopmann, Klimaschutzkoordinator der Landeshauptstadt Kiel, ergänzt: „Die Stadt Kiel erarbeitet Quartierskonzepte, die eine effiziente und klimaschonende Wärmeversorgung mit energetischen Sanierungsmaßnahmen kombinieren. Die Erfahrungen aus den Quartieren sollen helfen, eine Wärmeplanung für die gesamte Stadt zu erarbeiten.“

Der dafür verwendete digitale Zwilling der Stadt erlaube die Anwendung von „Was-Wäre-Wenn-Szenarien“, erläutert Benjamin Ditel, Data & Tech Enabler der Landeshauptstadt Kiel. „Dadurch können wir mögliche Auswirkungen simulieren, indem wir an unterschiedlichen Stellschrauben drehen“, sagt er .

Übertragung erwünscht

Prof. Dr. Andreas Dahmke, Leiter und Sprecher des KGE, sieht in der Anwendung des UBEM-Tools in Kiel ein Leuchtturmprojekt: „Es wäre in unserem Sinne, dass die Methodik auch anderen Großstädten, Gemeinden oder kleinen Kommunen zur Verfügung gestellt werden könnte, denn bislang verfügen diese nicht über eine derartige unverzichtbare Datenbasis für eine effektive Wärmewende. Gerade im Kontext der Thematik ‚Klimaanpassung‘ ist so eine Datenbasis wichtig, um perspektivisch andere Wetter- bzw. Klimasituationen zu simulieren, um Ideen für die thermischen Sanierungsnotwendigkeiten einer Stadt zu überprüfen.“

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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