Gelsenkirchen unterstützt den Mittelstand beim Umschwung zu grünem Wasserstoff. So will die Stadt ihr Profil als Industriestandort sichern.

Die Stadt Gelsenkirchen arbeitet daran, die Voraussetzungen für die Versorgung der örtlichen Industrie mit grünem Wasserstoff zu schaffen. Damit möchte sie die lokale Wirtschaft wettbewerbsfähig halten. Vor wenigen Tagen startete die Initiative „H2GE – Wasserstoffstandort Gelsenkirchen“. Darin vereinen sich verschiedene Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und dem Stadtkonzern in Gelsenkirchen. Sie zielt darauf ab, die Transformation der Energieversorgung zu grünem Wasserstoff konzertiert voranzutreiben. Das Beispiel hat Vorbildcharakter und weist überdies auf die besonderen Bedürfnisse des industriellen Mittelstands hin, was die Energiesicherheit betrifft.

Kommunale Gesellschaft koordiniert Wasserstoffaktivitäten

Die Initiative „H2GE“ versteht sich als Dach verschiedener Akteure und Projekte. Die kommunale Gesellschaft „Wissenschaftspark Gelsenkirchen GmbH“ koordiniert die Aktivitäten von H2GE. Die Gesellschaft verwaltet unter anderem ein Technologiezentrum, wirkt wirtschaftsfördernd im Strukturwandel der Region und pflegt technologiebezogene Netzwerke. Die neuen Aktivitäten zum Thema Wasserstoff hätten zum „Ziel, die Industrie in Gelsenkirchen nachhaltig zu machen und die Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu unterstützen“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Jung.

Dabei geht es insbesondere um energie- und wärmeintensive Branchen, die in ihren Prozessen hohe Temperaturen benötigen, beispielsweise bei der Metallverarbeitung. „Der Klimawandel und der Krieg des russischen Präsidenten in der Ukraine erfordern einen beschleunigten Umbau unserer Energieversorgung – weg von den fossilen und hin zu den grünen Energien“, sagt Oberbürgermeisterin Karin Welge. „Für viele Industriebranchen ist Wasserstoff dabei die Schlüsseltechnologie. Zum Erhalt und Ausbau unserer Industriearbeitsplätze treiben wir deshalb den Wandel gemeinsam voran.“

Klimahafen: Mittelstand strebt nach grünem Wasserstoff

Das in der Praxis augenfälligste Projekt im Kontext der Initiative H2GE ist der sogenannte Klimahafen. Daran beteiligt sind mittelständische Unternehmen unterschiedlichster Branchen aus dem Stadthafen. Der Klimahafen ist ein Cluster von 17 Betrieben. Deren jährlicher Wärmebedarf liegt bei rund 500.000 Megawattstunden. Das Firmenensemble macht die gigantischen Energie- und Transformationsbedarfe deutlich, die nicht nur in Gelsenkirchen gedeckt werden müssen, um die mittelständische Wirtschaft am Laufen zu halten und die Klimaneutralität zu erreichen.

Um ihre Energieversorgung auf grünen Wasserstoff umstellen zu können, fordern die Unternehmen im Klimahafen zweierlei. Erstens: eine Anbindung an die leitungsgebundene Wasserstoffversorgung, etwa durch eine Verlängerung der 2024 in einem Gelsenkirchener Kraftwerk ankommenden Wasserstoffpipeline GetH2 in den Stadthafen. Zweitens prüft das Unternehmensensemble den Bau eines eigenen Großelektrolyseurs zur lokalen Wasserstoffproduktion.

Zu den weiteren Projekten der Initiative H2GE gehört das „H2Solution Lab“ an der Westfälischen Hochschule, das Forschung und Lehre zur Wasserstofftechnologie bündelt und einen diesbezüglichen Wissenstransfer in die regionale Wirtschaft sichern soll. Mit dem „Hydrogen Industrial Research and Training Center“ (H2iRTC) soll zudem ein Testareal entstehen, auf dem im industriellen Maßstab innovative Wasserstoffanwendungen erprobt werden.

Transformation zu grünem Wasserstoff: Die Rolle der Stadt

Die Stadt übernimmt für die Vorhaben mit ihrer Wissenschaftspark Gelsenkirchen GmbH eine koordinierende Funktion. Sie moderiert die Abstimmung zwischen den Akteuren und unterstützt sie etwa beim Eintritt in Förderkulissen. Zudem formuliert sie die wasserstoffbezogenen Anliegen des Mittelstands in Richtung Bundes- und Landespolitik.

Konkret ins Spiel kommt sie, wenn es um Genehmigungs- und Planungsverfahren geht. Beim nötigen Ausbau der Infrastruktur könnten außerdem kommunale Beteiligungsgesellschaften wie der örtliche Energieversorger eine Rolle übernehmen. Dies gilt auch für die Einbindung der Industrieeinheiten, beispielsweise eines Elektrolyseurs und seiner überschüssigen Abwärme, ins lokale System der Fernwärme- oder Energieversorgung.

Info

Weitere Infos zur Gelsenkirchener Wasserstoffinitiative gibt es unter www.wasserstoff-gelsenkirchen.de, der Klimahafen ist hier zu finden: www.klimahafen-gelsenkirchen.de.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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