Der Münchener Stadtrat möchte das Stadion zum morgigen EM-Spiel in Regenbogenfarben beleuchten. Die UEFA lehnt das ab.

Nachdem sich der Stadtrat in einem fraktionsübergreifenden Antrag dafür ausgesprochen hatte, die EM-Arena in München zur morgigen Partie in Regenbogenfarben zu beleuchten, hat OBM Dieter Reiter dieses Anliegen an den UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin und den Vizepräsidenten des Deutschen Fußball-Bunds Rainer Koch herangetragen. Hintergrund ist das Spiel der deutschen Nationalmannschaft in München gegen Ungarn. Die Beleuchtung des Stadions mit Regenbogenfarben soll als Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz gelten. Ungarn hatte zuletzt diskriminierende Gesetze gegen Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender (LGTB) erlassen. Der europäische Fußballverband UEFA lehnte das Ansinnen heute ab.

München fordert UEFA zum Einsatz für Toleranz auf

In seinem Schreiben verweist Reiter auf die „Einschränkungen, die in Ungarn zu Lasten der Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender gegeben sind“. Dabei bezieht er sich auf mehrere Gesetze, die das ungarische Parlament am 15. Juni erlassen beziehungsweise geändert hat. Sie verbieten Informationen über Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit, die für Kinder und Jugendliche zugänglich sein könnten. „Damit folgt Ungarn dem Vorbild der homo- und transphoben Gesetzgebung Russlands“, schreibt Reiter.

Das Gesetz verstoße überdies gegen die EU-Grundrechtecharta, die UN-Kinderrechtskonvention und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Daher habe der Stadtrat ihn gebeten, die Beleuchtung des Stadions in Regenbogenfarben – eines Symbols der LGTB – beim DFB und der UEFA „im Sinne der Weltoffenheit und Toleranz“ als „weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis“ anzuregen.

Zudem appelliert Reiter an die UEFA, „sich auch darüber hinaus gerade aus Anlass der Europameisterschaft mit deren medialer Reichweite nachdrücklich und sichtbar für Toleranz und Gleichstellung einzusetzen“.

Politisch neutral: UEFA lehnt Ansinnen ab

In einer heute medial verbreiteten Mitteilung lehnt die UEFA das Ansinnen des Münchener Stadtrats ab. Der Fußball sei politisch und religiös neutral. Eine Initiative, die in einem konkreten politischen Kontext stehe und sich speziell auf die Entscheidung eines nationalen Parlaments, hier des ungarischen, beziehe, widerspreche dieser Neutralität.

Zuletzt hatte die UEFA ermittelt, da Torwart Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, bei den bisherigen EM-Spielen eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben trug. Die Überprüfung stellte der Verband allerdings wieder ein, da Neuers Armbinde als „Zeichen für Vielfalt“ und „good cause“ zu bewerten sei. Sie steht im Kontext eines allgemeinen Aktionszeitraums, des „Pride Month“, in dem auch der Sport ein Zeichen für Vielfalt setzt. Sie bezieht sich nicht auf eine konkrete politische Entscheidung.

Derweil haben andere Stadionbetreiber in Deutschland, konkret in Frankfurt und Köln, angekündigt, ihre Arenen morgen in Regenbogenfarben zu beleuchten.

Reiter: UEFA „beschämend“ – Aktionen zum Spiel geplant

[Update vom 23. Juni: Auf die Ablehnung der UEFA, das Münchener Stadion in Regenbogenfarben zu beleuchten, reagiert OBM Reiter mit scharfer Kritik an dem Verband. Es sei „beschämend“, dass die UEFA es der Stadt verbiete, ein „Zeichen für Weltoffenheit, Toleranz, Respekt und Solidarität mit der LGBT-Community zu setzen“, schreibt Reiter auf seiner Facebook-Seite. Der Alternativvorschlag der UEFA, an einem anderen Tag das Stadion in Regenbogenfarben zu beleuchten, konterkariere die Botschaft, die man damit habe aussenden wollen.

Die Stadt wolle am Spieltag „trotzdem ein deutliches Zeichen unserer Solidarität und unseres Respekts für sexuelle Gleichberechtigung nach Ungarn schicken“, so Reiter. München wolle nicht nur das Rathaus mit Regenbogenfahnen beflaggen, sondern auch markante Bauten im Umfeld des Stadion entsprechend beleuchten. „Es geht uns um ein Signal für ein nicht verhandelbares Grundrecht aller Menschen: um Gleichberechtigung und Toleranz.“

Derweil schlägt der UEFA heftige Kritik entgegen. Zahlreiche Politiker, Prominiente und Sportler kritisieren den Verband für sein Verbot der Beleuchtung des Stadions. Der Fall erregt internationale Aufmerksamkeit. Bundesweit sind zahlreiche Aktionen geplant, die am Spieltag für Gleichberechtigung werben wollen. Unter anderem hat der DFB mitgeteilt, die Organisation einer Verteilung von 10.000 Regenbogenfahnen am Stadion unterstützen zu wollen. Medienberichten zufolge hat der ungarische Ministerpräsident Victor Orban seinen Stadionbesuch in München abgesagt.]

Aktuelle Beiträge

Aktuelle News, Debattenbeiträge und urbane Zukunftsthemen. Zweiwöchentlich und kostenlos.
JETZT ANMELDEN »
Der Newsletter für die Transformation der Stadt.
Der Newsletter für die Transformation der Stadt:
News, Debattenbeiträge und urbane Zukunftsthemen. Zweiwöchentlich und kostenlos.
NEWSLETTER ABONNIEREN »