Die Relevanz der Städte im globalen Kontext wächst, sagt Berlins Bürgermeister Michael Müller. Er resümiert seine Metropolis-Präsidentschaft.

„Es reicht uns nicht, zuzuhören, wir wollen aktiver Gesprächspartner sein“: So formuliert Michael Müller, der Regierende Bürgermeister von Berlin, den Anspruch des Städtenetzwerks Metropolis. Bis vor wenigen Tagen war Müller Präsident des globalen Netzwerks, dem 141 Städte aus 61 Nationen angehören. Bei einer Pressekonferenz resümierte der Bürgermeister gestern seine zweijährige Amtszeit, die im August 2018 begann und turnusgemäß am 30. November 2020 endete. Bereits im Jahr zuvor führte er das Netzwerk kommissarisch an.

Urbane Wachstumsprozesse als Kernthema der Metropolen

Als wichtigste globale Herausforderung für Städte, die das Netzwerk Metropolis als „Kernthema“ begreife, sei „alles, was mit urbanen Wachstumsprozessen zu tun hat“, so Müller. Das Aufgabenspektrum der Städte reiche dabei von der Entwicklung der urbanen Infrastruktur über den Umgang mit Flächen, die Wohnraumsituation, das Mietniveau bis hin zur Gesundheitsversorgung und der urbanen Mobilität. Dazu gehörten nicht zuletzt Aspekte der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes.

Die Wachstumsdynamik im globalen Kontext sei immens. Wachsende europäische Metropolen wie Berlin verzeichneten eine Zunahme von 30.000 bis 50.000 Menschen pro Jahr. Manche Städte in Asien, Afrika oder Südamerika verzeichneten einen solchen Zuwachs allerdings pro Monat.

Im Augenblick lebten 55 Prozent der Weltbevölkerung in den Städten, bis 2050 wachse die Zahl voraussichtlich auf 70 Prozent an. Damit einhergehe ein Bedeutungszuwachs der Städte und Metropolen. Müller: „Es ist wichtig, dass die Meinungen und Erfahrungen der Städte auch auf der nationalen Ebene gehört werden.“

Bedeutungszuwachs der Städte für Lösung globaler Fragen

Hierfür habe sich das Netzwerk in den vergangenen Jahren starkgemacht. Müller bezeichnet es als einen richtungsweisenden Erfolg, „dass wir in dem Habitat-Prozess ein aktiver Partner geworden sind“. Es sei gelungen, in der Debatte um das UN-Siedlungsprogramm die Position der Städte zu artikulieren.

Zuvor hätten die Städte „nicht mal am Katzentisch“ gesessen, wenn über urbane Strukturen auf UN-Ebene diskutiert worden sei. Man habe sich in einer Situation befunden, „dass über uns geredet wurde, aber nicht mit den Städten geredet wurde“.

Durch die zunehmende Wahrnehmung der Städte und Metropolen entstünden „Bausteine, die die Bedeutung der Städte in dieser sich verändernden Welt unterstreichen und Meinungsbildung vorantreiben“, so Müller. Angesichts globaler Herausforderungen wachse die Relevanz der Städte und Metropolen zur Lösung dieser Fragen.

Denn viele der Maßnahmen, die auf globaler Ebene vereinbart würden, müssten vor Ort umgesetzt werden. Exemplarisch nennt Müller die Sustainable Development Goals, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Diese adressieren explizit die lokale Ebene.

Netzwerkarbeit: Beteiligungsformate und Coronakrise

Was das Städtenetzwerk Metropolis betrifft, sei die vernetzende Arbeit der wesentliche Faktor. Während seiner Präsidentschaft sei etwa eine Plattform entstanden, über die die gemeinsame Arbeit verschiedener Städte an Fachthemen intensiviert werden kann. Diese Plattform ziele darauf ab, auch jenseits der regelmäßigen Konferenzen den Austausch untereinander zu verstetigen und zu vertiefen.

Als Beispiel für den Austausch zwischen den Metropolen erinnert Müller an die Bürgerbeteiligung 2014 hinsichtlich der baulichen Entwicklung im Berliner Stadtteil Tempelhof. Hierfür seien Ideen für Beteiligungsformate aus dem internationalen Dialog der Städte entstanden.

In der Coronakrise habe er die Bürgermeister des Städtenetzwerks zu Videokonferenzen eingeladen – auch hier habe man in ähnlicher Weise Gedanken zur Bewältigung der Krise geteilt. Die Stadt Berlin habe ihren Netzwerkpartnern dabei ihr Konzept zur Verfügung gestellt, mit dem sie innerhalb weniger Wochen eine Messehalle zu einem Notfallkrankenhaus umfunktionierte.

Nach Ende seiner Amtszeit als Präsident bleibt Müller Co-Präsident bei Metropolis. Seine Nachfolge als Präsident tritt Bürgermeister Guohi Wen aus dem chinesischen Guangzhou an. Guangzhou teilt sich die Präsidentschaft mit der südamerikanischen Stadt Bogota.

Die komplette Pressekonferenz zur Metropolis-Präsidentschaft ist hier auf dem Youtube-Kanal des Regierenden Bürgermeisters zu finden.

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