Zweifel an Klimawirkungen des 9-Euro-Tickets. Vorschläge für Nachfolgelösungen bedrohen Finanzierungsgrundlagen des ÖPNV.

In der Diskussion um eine Nachfolgeregelung für das auslaufende 9-Euro-Ticket schaltet sich der Deutsche Landkreistag mit einer Pressemitteilung ein. Er unterstützt die Ablehnung weiterer Finanzhilfen durch Bundesfinanzminister Christian Lindner. Präsident Reinhard Sager, Landrat des Kreises Ostholstein, weist auf erste Untersuchungen zur Wirkung des Tickets auf das Mobilitätsverhalten hin. Es komme vor allem der Bevölkerung in Großstädten zugute und würde eher für zusätzliche Fahrten genutzt. „Wir brauchen vielmehr jeden zusätzlichen Euro für Ausbau und Verbesserung des Angebots“, sagte er. Gerade in der Fläche und in ländlichen Räumen müsse der ÖPNV zu einer alltagstauglichen Mobilitätsalternative werden.

Sager: „Keine nachhaltige Investition“

Stärker noch als die Frage nach der Lenkungswirkung treibt den Landkreistag die Auswirkungen auf die Finanzierung des ÖPNV um. Sager vergleicht die Tarife des ÖPNV mit den Gesamtkosten für die Nutzung des eigenen Pkw. Sie seien nicht zu teuer und eine weitere Subventionierung sei nicht notwendig. „Dies wäre keine nachhaltige Investition“, fasst Sager die Ergebnisse zusammen. Vorschläge in Richtung eines „Klimatickets“ würden an den Interesse der Bürgerinnen und Bürger vorbeigehen. Die bundesweite Gültigkeit würde zu Verwerfungen bei den Einnahmen der Anbieter führen. Die Finanzierung des Angebots wäre gefährdet.

Der Vorschlag eines „Klimatickets“ geht zurück auf einen Vorschlag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der ein bundesweit gültiges Nahverkehrsticket für monatlich 69 Euro vorsieht. Im Jahr läge der Preis bei 828 Euro. Ein ähnliches Angebot gibt es in Österreich, wo das „Klimaticket“ 1.095 Euro im Jahr kostet. Von Politikern der Grünen werden zudem ein regional gültiges Ticket für 29 Euro im Monat sowie ein bundesweit gültiges Ticket für monatlich 49 Euro vorgeschlagen.

Ausgleichsmechanismus läuft aus

„Die Einnahmen aus den Tickets und Abos müssen bei den für den ÖPNV verantwortlichen Kommunen und Verkehrsunternehmen ankommen, die das Angebot vor Ort organisieren und vorhalten, und nicht bei demjenigen, der ein bundesweit gültiges Ticket am effektivsten digital über eine Plattform verkauft“, macht Sager deutlich. Derzeit würden Einnahmeverluste durch den ÖPNV-Rettungsschirm ausgeglichen. „Dieser Ausgleichsmechanismus steht in Zukunft nicht mehr zur Verfügung.“

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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