Die Verkehrsminister von Bund und Ländern einigen sich auf ein günstiges Sparticket. Die Ministerpräsidentenkonferenz muss noch zustimmen.

Die Weichen für ein neues Sparticket wurden auf der Sondersitzung der Verkehrsminister am 19. September gestellt. Gestern hat sich die Verkehrsministerkonferenz in Bremerhaven auf die konkrete Ausgestaltung geeinigt. Das im Nah- und Regionalverkehr bundesweit gültige Angebot soll 49 Euro im Monat kosten. Es soll ausschließlich als digitales Ticket im monatlich kündbaren Abonnement angeboten werden. Damit ist es Nachfolger des sogenannten Neun-Euro-Tickets, das in den Sommermonaten pilothaft bundesweit für den Regionalverkehr galt. Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Vorstellung des neuen Konzepts: „Der spontane Einstieg in den ÖPNV soll damit möglich sein.“

Finanzierung weiterhin offen

Als Starttermin für das neue Ticket ist der 1. Januar 2023 geplant. Zuvor müssen aber noch die Finanzierung des Tickets und des ÖPNV-Angebots geklärt werden. Das soll in der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz geschehen, an der auch Finanzminister Christian Lindner und Bundeskanzler Olaf Scholz teilnehmen.

Der Bundeszuschuss zum Ticket wird mit 1,5 Milliarden Euro veranschlagt und dürfte die Hälfte der Kosten abdecken. Von den Ländern soll der gleiche Betrag kommen. Sie fordern jedoch zudem eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel, die der Bund an die Länder zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs zahlt. Der Verkehrsminister von Brandenburg, Guido Beermann, erinnerte noch einmal an diese aus Sicht der Länder „zwingende Bedingung für ein deutschlandweites Ticket“.

Mit Blick auf die Finanzierungsdiskussion warnt der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) Oliver Wolff in einer Pressemitteilung: „Wir laufen Gefahr, dass wir massiv und flächendeckend Angebote im ÖPNV einstellen müssen, weil sie wegen der Kostensteigerungen nicht mehr finanzierbar sind. Das darf nicht passieren, und deshalb müssen die entsprechenden politischen Beschlüsse nun sehr schnell gefasst werden.“

Städtische Angebote werden ersetzt

In Berlin wird bis Jahresende bereits ein Sparticket für 29 Euro im Monat angeboten. Es ist jedoch nur in bestimmten Tarifzonen gültig. Dieses und weitere lokale Monatstickets würden durch das neue bundesweite Angebot hinfällig.

Mit dem neuen, einheitlichen 49-Euro-Ticketangebot ändern sich nicht nur die Tarifstruktur, sondern auch die Einnahmen der oft kommunalen Verkehrsanbieter. Etwa weist eine Begleitforschung zum Neun-Euro-Ticket darauf hin, dass das günstige Ticketangebot in den Sommermonaten zu einer stärkeren Nutzung des ÖPNV und zu einem Ersatz von Autofahrten vor allem in den Städten führte. Darauf müssen sich die Städte nun auch in ihren Mobilitätskonzepten einstellen.

Gleichwohl fielen in den ländlicheren Regionen und in Städten abseits großer Metropolen, wo die ÖPNV-Taktung insgesamt weniger dicht ist, die Fahrgasteffekte des Neun-Euro-Tickets geringer aus. Dies lässt hier insbesondere die Forderung nach einer Angebotserweiterung des ÖPNV anstelle von Tarifvergünstigungen aufkommen.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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