Das digitale Deutschlandticket soll im Frühjahr kommen. Über die Ausweitung des Angebots gehen die Meinungen auseinander.

Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben sich auf ihrer Konferenz am 29. November im Grundsatz auf das Deutschlandticket als Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket geeinigt. Das digitale, bundesweit gültige Nahverkehrsticket soll ab dem 1. April 2023 verfügbar sein und 49 Euro im Monat kosten. Auf der F.A.Z.-Konferenz Mobilität in Deutschland, die am 1. Dezember in Berlin stattfand, sagte Verkehrsminister Volker Wissing: „Das wird die größte ÖPNV-Tarifreform in unserem Land. Mit dem Deutschlandticket denken wir Mobilität neu.“

Paradigmenwechsel im Tarifsystem

Von Seiten der Verkehrsbetriebe wird die Einführung des Tickets zwar begrüßt. Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, wies auf der Veranstaltung aber auch auf einige Herausforderungen hin: „Man muss sich vergegenwärtigen, dass mit dem Deutschlandticket ein völliger Paradigmenwechsel stattfindet. Die klassische Struktur von Fahrgeldeinnahmen verändert sich.“

Die daraus entstehenden Finanzierungsfragen sind nach Ansicht der Länder noch nicht geklärt. Bund und Länder übernehmen jährlich jeweils 1,5 Milliarden Euro. Die Länder rechnen jedoch mit höheren Kosten, an denen sie den Bund zur Hälfte beteiligen wollen. Wissing sagte dazu in Berlin: „Wenn tatsächlich neue Herausforderungen auftreten, dann werden wir auch diese gemeinsam lösen.“

Ausbau der Infrastruktur umstritten

Wolff nannte als größte Herausforderung der Mobilität in Deutschland die Planungsbeschleunigung und die Baukosten. Die Infrastruktur sei in einem schlechten Zustand, und zwar nicht nur bei der Bahn sondern auch bei zahlreichen städtischen Unternehmen. Daher müsse man bei dem Ausbau der Infrastruktur innehalten. „Wir haben im Bestand genug zu tun“, stellte er fest. „Der Bestand muss nicht nur erhalten werden, er muss ertüchtigt werden.“

Karsten Schulze, Technikpräsident des ADAC, beklagte in der Diskussionsrunde den Fachkräftemangel im ÖPNV. Es müssten Verkehre vom Netz genommen werden, weil nicht genug Fahrer da seien. „Da helfen auch Infrastrukturinvestitionen nicht“, gab er zu bedenken. Tim Lorenz, Vizepräsident Verkehr des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, bemängelte den fehlenden Ausgleich der Preissteigerungen bei den Investitionsbudgets im Bundeshaushalt. Planungsbeschleunigung werde nicht helfen, wenn die Mittel zur Umsetzung fehlten.

Bessere Steuerung des Angebots

Wissing verwies auf die guten Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket. Man müsse nicht das Angebot ausweiten, um mehr Gäste in den ÖPNV zu bringen. „Hier ging es mit einer Veränderung der Tarifstruktur auch. 20 Prozent mehr Fahrgäste ohne einen Kilometer mehr Schiene gebaut zu haben, ohne einen zusätzlichen Zug oder Bus fahren zu lassen“, sagte er.

Allerdings müsse das Angebot angepasst werden, wenn dauerhaft mehr Menschen für Bus und Bahn begeistert werden sollten. Das Ziel sei eine Verdoppelung der Zahl der Fahrgäste bis 2030. Mit den Ländern und den Kommunen habe der Bund einen Ausbau- und Modernisierungspakt geschlossen. Dieser werde durch eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel durch den Bund mitfinanziert, sagte Wissing.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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