Das Beratungsunternehmen PwC veröffentlicht das aktuelle E-Bus-Radar. Es markiert eine Zunahme von E-Bussen im ÖPNV.

Die Umstellung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf emissionsfreie Antreibe bewegt sich zwar weiterhin auf niedrigem Niveau, gewinnt aber deutlich an Dynamik. Dies zeigt das neue E-Bus-Radar des Beratungsunternehmens PwC. Seit 2018 bildet das E-Bus-Radar, basierend auf öffentlich zugänglichen Datensätzen, jährlich den Einsatz von Bussen mit elektrifiziertem Antrieb in Deutschland ab. Dafür stellt die Publikation einen Durchbruch in Aussicht: Das „Jahrzehnt des E-Busses“ habe begonnen.

Fast die Hälfte aller E-Busse 2021 in Betrieb genommen

Bei insgesamt rund 54.000 Bussen im deutschen ÖPNV sind laut aktuellem E-Bus-Radar rund 1.300 mit elektrifiziertem Antrieb unterwegs – Tendenz deutlich steigend. Fast die Hälfte dieser Fahrzeuge wurde 2021 in Betrieb genommen. Unter den eingesetzten Fahrzeugen ist der Batteriebus mit insgesamt rund 1.100 Exemplaren die am stärksten verbreitete Variante.

Vor allem die Metropolen zeigen sich in Sachen Elektromobilität investitionsfreudig. So sind in den Städten Hamburg mit 159 und Berlin mit 137 die meisten rein elektrisch betriebenen Busse unterwegs. Auch bei der geplanten Anschaffung liegen beide Städte an der Spitze: Berlin will seine Flotte um 1.530 neue E-Busse erweitern. In Hamburg sollen 1.066 neue E-Busse hinzukommen.

Metropolen vorne – auch kleinere Städte unter Vorreitern

Dass insbesondere große Städte beim Thema vornestehen, hänge unter anderem mit zwei Faktoren zusammen. Zum einen zählten deren Verkehrsunternehmen zu den größten der Republik. Ihnen ließen sich folglich größere Kapazitäten für die Umstellung der Antriebsform zuschreiben. Zum anderen herrsche in den verdichteten Metropolen beispielsweise aus Gründen der Luftreinheit ein höherer Handlungsdruck, Emissionen im Verkehr zu reduzieren, erklärt Maximilian Rohs, Infrastruktur- und Mobilitätsexperte bei PwC.

In den Fällen der Stadtstaaten Hamburg und Berlin kommt außerdem die strukturelle Besonderheit hinzu, dass entsprechende Klima- und Verkehrsziele auf Landesebene formuliert sind und unmittelbar umgesetzt werden. Gleichwohl relativiere der Blick auf die Einwohnerzahl die Dominanz großer Städte im E-Bus-Ranking, sagt Rohs. So schneide eine Stadt wie Osnabrück mit rund 170.000 Einwohnern und 62 E-Bussen gegenüber den Millionenstädten in Sachen E-Bus-Quote keineswegs schlechter ab. „Auch kleinere Städte mit kleineren Flotten können als Vorreiter bezeichnet werden.“

Investitionen: E-Bus kostet das Zweieinhalbfache

Dabei zeigt das E-Bus-Radar auch Entwicklungsprozesse der Branche auf. Hemmten in den Jahren 2017 und 2018 noch beispielsweise die mangelhafte Verfügbarkeit von serienreifen E-Bussen und deren geringe Reichweite entsprechende Investitionen, rücken diese Faktoren angesichts der technischen Entwicklung nun zusehends in den Hintergrund. Vielmehr beschreibt das E-Bus-Radar derzeit das Setzen von übergreifenden Standards für Fahrzeuge und für die Ladeinfrastruktur sowie das Recycling von Altbatterien als strategisch wichtige Themen für eine zunehmende Verbreitung von E-Bussen in Deutschland.

Was die Investitionskosten für einen E-Bus betrifft, sind diese laut PwC-Publikation durchschnittlich zweieinhalb Mal so hoch wie für einen gängigen Dieselbus. Hinzu kommen weitere Investitionen in die nötige Infrastruktur. Gleichwohl näherten sich beide – der E-Bus und der Dieselbus – je nach Energiepreisentwicklung sowie unter Berücksichtigung von Fördermöglichkeiten und Entlastungen in einer Gesamtkostenbetrachtung ihres jeweiligen Lebenszyklus einander an, meint Rohs.

Klimaziele und Verkehrswende: E-Bus als Instrument

Mit seinem E-Bus-Radar bringt das Beratungsunternehmen PwC Transparenz in ein vieldiskutiertes Thema und schafft damit eine Diskussionsgrundlage. Allerdings dürfe man die Verbreitung von E-Bussen in deutschen Kommunen „nicht isoliert betrachten“, unterstreicht Rohs. Der Einsatz von E-Bussen sei ein Instrument der Verkehrswende und der kommunalen Klimaarbeit. Lokal müsse er sich demnach einordnen in eine übergeordnete Strategie, den öffentlichen Verkehr zu stärken und das örtliche Verkehrssystem nachhaltig, verlässlich, effizient und finanzierbar auszugestalten. Dazu gehöre ein „bestmöglicher Mobilitätsmix“.

Der E-Bus könne zum einen dazu beitragen, in den Städten CO2 einzusparen und trage so Klimaschutzzielen Rechnung. Zum anderen sei er auch Imageträger für einen nachhaltigen und innovativen ÖPNV. In diesem Sinne animiere er dazu, auf den Bus als umweltschonendes Verkehrsmittel umzusteigen. „Elektromobilität trägt zur positiven Wahrnehmung des ÖPNV bei“, sagt Rohs. Auf diese Weise leiste der E-Bus ebenfalls einen Beitrag dazu, die Verkehrswende zu gestalten und den Umstieg auf den Umweltverbund zu fördern.

Info

Das E-Bus-Radar ist auf der Webseite von PwC hier zu finden: www.pwc.de/e-bus-radar.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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