Die Bundesstadt Bonn plant den Bau einer Seilbahn. Ihre Integration in den ÖPNV soll bundesweit Vorbildcharakter haben.

Die Bundesstadt Bonn stellte heute eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für den Bau einer Seilbahn vor. Demnach erweist sich das Vorhaben, das bereits seit etwa zehn Jahren in der Stadt diskutiert wird, als volkswirtschaftlich rentabel und damit für Bund und Land als förderwürdig. Sollte die Seilbahn realisiert werden, hätte sie eine „Vorreiterrolle in Deutschland“, so Oberbürgermeisterin Katja Dörner. Denn erstmals würde eine Seilbahn in den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einer Stadt integriert.

Mobilitätswende: Seilbahn als Element des ÖPNV

Am 9. Dezember beschäftigt sich der Bonner Stadtrat mit dem Thema, um weitere für das Projekte wegweisende Entscheidungen zu treffen. Die Planungs- und Bauzeit für die Seilbahn beträgt etwa sechs Jahre, sofern keine gravierenden Störungen auftreten. Die Seilbahn soll, eingebunden in das lokale Netz von Bus und Bahn, auf einer 4,3 Kilometer langen Strecke markante Orte der Stadt miteinander verknüpfen. Sie soll an fünf Stationen halten.

„Bonn hat die Mobilitätswende als eine der wichtigsten strategischen Ziele in der Stadtpolitik“, so Dörner. „Wir wollen die Straßen entlasten und das Klima schützen.“ Eine Seilbahn im Kontext des ÖPNV wäre dafür „ein Meilenstein für nachhaltige Mobilität“. Auf einer „Ost-West-Achse“ könnte sie zentrale Orte und wichtige Arbeitsstellen wie das Bundesviertel mit UN Campus, den Post Tower, den Hauptsitz der Deutschen Telekom oder die Uniklinik miteinander verbinden. Die Kessellage Bonns am Rhein biete topografische Voraussetzungen für die Seilbahn.

Seilbahn in Bonn: Nutzen übersteigt Kosten

Laut Prognosen der Stadt und des Ingenieurbüros Spiekermann kann die Seilbahn täglich mit knapp 15.000 Fahrgästen rechnen. Zwar seien Verlagerungen innerhalb des ÖPNV zu erwarten. Doch insgesamt vermeide dies über zwölf Millionen Pkw-Kilometer. Das vorläufige Ergebnis eines Nutzen-Kosten-Vergleichs geht davon aus, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der Seilbahn ihre Kosten mit dem Faktor 1,6 übersteigt. Dieses positive Ergebnis in der sogenannten standardisierten Bewertung führt dazu, dass sich das Vorhaben für Land und Bund grundsätzlich als förderfähig darstellt.

Auf Basis der aktuellen Kostenermittlung würde der Seilbahnbau etwa 66 Millionen Euro netto kosten. Im Zusammenhang mit einer möglichen Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz kämen davon elf Millionen Euro auf die Stadt zu. Die jährlichen Betriebskosten lägen bei rund 3,4 Millionen Euro. Davon müsste der Betreiber, wohl die Stadtwerke Bonn, – abzüglich der Einnahmen etwa durch den Ticketverkauf – 800.000 Euro pro Jahr zuschießen. Dieser Betrag könnte mittel- bis langfristig auf 1,2 bis 2,1 Millionen Euro ansteigen.

Dörner: „Positive Stimmung“ für die Seilbahn

In der Stadtgesellschaft sieht OBM Dörner eine „überwiegend positive“ Stimmung für das Projekt. Dessen „verkehrspolitischer Nutzen“ werden erkannt und geschätzt. Sie zeigt sich „optimistisch“, dass diese Stimmung das Vorhaben weiter trägt.

Als größter Arbeitgeber Bonns begrüßt auf der städtischen Webseite Telekom-Personalvorstand Brigit Bohle den Seilbahnbau und bezeichnet ihn als „mutiges Projekt“. Als Arbeitgeber sei es auch der Telekom wichtig, dass die Mobilität der Mitarbeiter „zuverlässig, komfortabel und angesichts der Klimakrise so umweltfreundlich wie möglich“ vonstattengehe. Die Seilbahn könne die urbane Infrastruktur dahingehend bereichern. Insofern sei sie eine „überaus sinnvolle Ergänzung des ÖPNV-Angebots in Bonn“ sowie ein Attraktivitätsfaktor für Stadt und ansässige Unternehmen.

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