Anonymisierte Mobilfunkdaten zeigen kleinräumiges Mobilitätsverhalten. In Hannover und Köln nimmt die Mobilität gegenüber 2019 am stärksten zu.

Auch wenn die Infektionszahlen gerade wieder stark ansteigen – die Mobilität in den Städten liegt inzwischen wieder deutlich über dem Vergleichsniveau von 2019. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt, das anonymisierte und aggregierte Mobilfunkdaten zur Analyse des Mobilitätsverhaltens nutzt. Sie stammen aus dem Netz des Telekommunikationsunternehmens Telefónica und werden von Teralytics aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Kurzfristige Reaktion, langfristige Konzeption

In den Großstädten über 500.000 Einwohnern ist die Veränderung klar erkennbar. So lag die Aktivitätszunahme gegenüber 2019, gemessen in Anteilen, Anfang Juli 2022 zwischen 0,1 in Düsseldorf und 0,34 in Hannover. Besonders auffällig ist in Hannover die starke Erhöhung im südlichen Messestadtteil Laatzen und die ebenso starke Verringerung im nördlichen gelegenen Gebiets des Flughafens. Die aktuellen Daten könnten der Stadt kurzfristig die Möglichkeit bieten, auf die unterschiedliche Aktivität zu reagieren.

Doch auch langfristig bieten Mobilitätsdaten eine gute Grundlage für die Verkehrspolitik. Stadt und Region Hannover wollen im Spätherbst 2022 einen neuen Verkehrsentwicklungsplan verabschieden. Darin werden vor allem die Vermeidung und Verlagerung von motorisiertem Individualverkehr in den Vordergrund gestellt. Dazu dient beispielsweise das Parkraummanagement. Aber auch das verträgliche und sichere Abwickeln des Verkehrs durch Verkehrslenkung und „digitales, umweltsensitives Verkehrsmanagement“ bilden eine Säule des Konzepts.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Im Vordergrund städtischer Mobilitätskonzepte stehen zumeist bauliche Maßnahmen und Mobilitätsangebote. Ziele sind die Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt sowie die Verringerung von Lärm und Emissionen. Der Einsatz von Verkehrsdaten spielt vor allem bei der Verkehrsüberwachung und -lenkung eine Rolle. Einige Städte gehen dazu über, Verkehrsdaten auch für integrierte Verkehrskonzepte zu nutzen. Dabei kommen neben Smartphone-Apps zur flexiblen Nutzung der verschiedenen Verkehrsträger auch solche zur Nutzung von Ampelphasen und freien Parkplätzen hinzu. Deren Nutzung erzeugt dann gleichzeitig noch genauere Daten zum Mobilitätsverhalten als sie die Auswertung des Statistischen Bundesamts bietet.

Doch die städtische Mobilitätsplanung folgt auch den Zielbildern und Angeboten, die von Stadt und Stadtgesellschaft vorgegeben werden. So entwickelt Frankfurt am Main gerade mit öffentlicher Beteiligung seinen Masterplan Mobilität. Anhand unterschiedlicher Szenarien soll ermittelt werden, ob die Stadt z.B. eher auf die einpendelnden Tagesbesucher oder die dort lebende Bevölkerung ausgerichtet werden soll. Dabei stellt sich die Frage, ob die beobachtbare Mobilität oder eine alternative Zielsetzung Grundlage der Planung sein soll.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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