Seilbahnen sind bislang nicht in den ÖPNV eingebunden. Das Bundesverkehrsministerium will sie mit einem Leitfaden voranbringen.

Städte im Ausland machen es vor: Seilbahnen können in dicht besiedelten Gebieten neue Verbindungen schaffen. Vor allem Städte in Südamerika, wie das bolivianische La Paz, nutzen die „Teleféricos“. In Europa fährt seit dem Sommer die „Téléo“ durch Toulouse. In Deutschland sind bislang nur wenige städtische Seilbahnen im Einsatz. Sie wurden meist anlässlich von Gartenschauen installiert oder dienen der Anbindung höhergelegener Sehenswürdigkeiten.

Nachhaltiges Nischenangebot

Nun hat sich das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) den urbanen Seilbahnen mit einem Leitfaden gewidmet. Mit ihm sollen „Seilbahnen als nachhaltiges Mobilitätsangebot im urbanen Raum vorangebracht werden.“ Doch unumstritten sind die schwebenden Kleinbusse nicht. Im Vergleich zu Bussen und Bahnen sind die Reichweite und die Kapazität gering, stellt auch der Leitfaden des BMDV fest.

Bislang werden Seilbahnen in Berlin, Koblenz und Köln als zusätzliches Angebot genutzt. In Koblenz führt die Seilbahn vom Konrad-Adenauer-Ufer zur Festung Ehrenbreitstein. Auch die Kölner Seilbahn führt über den Rhein. Sie wurde bereits 1957 zur Bundesgartenschau in Betrieb genommen. Anders als in Berlin und Koblenz ist die Betreibergesellschaft inzwischen in städtischer Hand.

Leitfaden könnte Impulse geben

Die Berliner Bahn verbindet seit der Internationalen Gartenschau 2017 den U-Bahnhof Kienberg und die Gärten von Marzahn. Ende November 2022 verlängerte die Senatsverwaltung den Vertrag mit dem privaten Betreiber und will nun die Einbindung in den ÖPNV prüfen. Auch die Eignung weiterer Seilbahnen als Ergänzung des ÖPNV wollte der Senat ermitteln lassen. Er verweist auf den gerade vorgelegten Leitfaden des BMDV und will „in Abhängigkeit von den dortigen Erkenntnissen über das weitere Vorgehen entscheiden.

Als Argumente für urbane Seilbahnen nennt Verkehrsminister Volker Wissing im Vorwort des Leitfadens insbesondere den geringen Platzbedarf auf dem Boden, die Überwindung von Hindernissen und die relativ schnelle Umsetzbarkeit. So könnten „Städte und Kommunen klimafreundliche Mobilität mit dem Einsatz von schwebenden Kabinen einfach fördern.“

Einige Städte prüfen Projekte

Erfahrungen mit der Planung neuer Seilbahnen hat der Leitfaden des BMDV in Bonn, Frankfurt am Main, München, Stuttgart, Leipzig und Kiel aufgegriffen. Die Städte gelten als „Überflieger“ der Seilbahnplanung. Konkret geht der Leitfaden auf das Seilbahnprojekt der Stadt Bonn ein, da dieses am weitesten fortgeschritten sei. Die Autoren stellen aber fest, dass es bei der Umsetzung urbaner Seilbahnprojekte in Deutschland noch Nachhol- und Informationsbedarf bestehe.

Auch in Wuppertal wurde eine Seilbahn diskutiert. Sie scheiterte jedoch an einem Bürgerentscheid. Der zuständige Geschäftsführer der Stadtwerke Wuppertal, Ulrich Jaeger, war an der Erstellung des Leitfadens beteiligt. Nun ist er Vorstand der Stadtwerke Dortmund. Von dort heißt es mit Verweis auf die bereits bestehende Hochbahn: „Ob eine Seilbahn für Dortmund in Frage kommt, sei dahingestellt. Wir haben ja die H-Bahn, die viel Potenzial bietet.“

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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