Saarbrücken plant ein Tempo-30-Modellprojekt. Die Stadt bittet das Land um Hilfe und bringt sich in die Tempo-30-Städteinitiative ein.

Die saarländische Landeshauptstadt Saarbrücken plant einen Modellversuch, mit dem sie die Auswirkungen einer flächendeckenden Tempobegrenzung auf 30 Stundenkilometer im Stadtverkehr untersuchen möchte. Dafür hat Oberbürgermeister Uwe Conradt die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger in einem Schreiben um Unterstützung gebeten. Die Erkenntnisse, die sich die Stadt von ihrem Projekt erhofft, will sie außerdem in eine Initiative von Städten einbringen, die gegenüber dem Bund eine Änderung der Straßenverkehrsordnung fordern, um den Einfluss der Kommunen auf die lokale Verkehrssituation zu erweitern.

Tempo 30: „flächendeckende verkehrsberuhigte Zone“

Mit ihrem aktuellen Tempo-30-Projekt möchte die Stadt die Möglichkeiten ausloten, die ihr derzeit zur Drosselung des Tempos im Stadtzentrum zur Verfügung stehen. Bereits in der Vergangenheit hat Saarbrücken zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um den Verkehr im Zentrum zu beruhigen. Unter anderem führte sie als eine der ersten deutschen Städte eine Fahrradzone im Zentrum ein. Zudem gilt auf einigen Hauptverkehrsstraßen aus Lärmschutzgründen ohnehin bereits Tempo 30. Mit ihrem neuen Tempo-30-Vorstoß möchte die Stadt bestehende Tempo-30-Gebiete, verkehrsberuhigte Areale und Fußgängerbereiche miteinander vernetzen.

So soll „eine flächendeckende und nachvollziehbare verkehrsberuhigte Zone entstehen“, wie die Stadt gestern mitteilte (Foto oben). Insgesamt bezieht sich die geplante, neue Verkehrsberuhigung auf 14 weitere Hauptverkehrsstraßen in der Innenstadt. „Aufgrund der ohnehin taktgebenden Ampelanlagen sind keine negativen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Verkehrsflusses zu erwarten“, heißt es von der Stadt.

Modellversuch: Effekte auf Lärm, Umwelt und Mobilität

Der Modellversuch zielt darauf ab, die Auswirkungen der Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Verkehrsfluss, die Verkehrssicherheit sowie auf Lärm- und Umweltfaktoren zu evaluieren. Dabei blickt die Stadt insbesondere auch auf die Effekte ihres Modellprojekts auf den Umweltverbund, also auf den öffentlichen Personennahverkehr, den Fußgänger- und den Radverkehr.

Oberbürgermeister Conradt geht laut Pressemeldung davon aus, dass das Modellprojekt zu „mehr Sicherheit und Lebensqualität“ im Zentrum führt. Das Modellprojekt könne zudem dazu beitragen, dass das „Saarland zu einem Vorreiter der Mobilitätswende“ werde. Die daraus gewonnen Erkenntnisse möchte Saarbrücken in die sogenannte „Städteinitiative Tempo 30“ einbringen.

Städte wollen mehr Einfluss auf lokale Verkehrsverhältnisse

Seit vergangenem Sommer besteht die vom Deutschen Städtetag und Agora Verkehrswende organisierte Tempo-30-Initiative. Die darin versammelten Städte wenden sich gemeinsam an den Bund. Einerseits fordern sie für Kommunen im Straßenverkehrsrecht grundsätzlich mehr Einfluss auf lokale Verkehrsverhältnisse. Zweitens beziehen sie diese Forderung konkret auf die Verkehrsgeschwindigkeit und die Ausweisung von Tempo-30-Zonen. Ursprünglich von sieben Städten initiiert, zählt die Initiative mittlerweile mehr als 60 Unterstützer. Darunter ist auch Saarbrücken.

Der Wunsch der Städte, die örtliche Verkehrsgeschwindigkeit stärker zu steuern, ist stark. Er läuft bislang allerdings ins Leere. Etwa regte 2020 Oberbürgermeister Martin Horn aus Freiburg an, Tempo 30 in seiner Stadt modellhaft als Regelgeschwindigkeit zu erproben. Horn ging es dabei wie Conradt um die Verkehrssicherheit, die Lebensqualität in der City sowie die Mobilitätswende im Sinne des Klimaschutzes. Auf sein Schreiben reagierte das Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer auf #stadtvonmorgen-Nachfrage allerdings abwehrend.

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