In deutschen Kommunen wächst das Streben nach „Zero Waste“, also Abfallvermeidung, und Kreislaufwirtschaft. Beispiel: Regensburg.

Das Engagement der Stadt Kiel, Zero Waste City zu werden, also ihr Abfallaufkommen in Richtung Null zu reduzieren, findet in der kommunalen Familie Nachahmer. Etwa kündigte OBM Dieter Reiter aus München an, für seine Stadt eine Strategie der Müllvermeidung entwickeln zu wollen. Nun macht sich auch Regensburg auf den Weg eines Zero-Waste-Prozesses. Vor wenigen Tagen organisierte die Stadt eine Onlineveranstaltung als Auftakt ihrer „Reise zu Zero Waste Regensburg“.

Digitaler Auftakt: Regensburg will Zero Waste City werden

Gemeinsam mit relevanten Akteuren der Stadtgesellschaft möchte Regensburg dem Kieler Vorbild folgen. Die Idee ist politisch getragen: Erstmals hat der Regensburger Stadtrat im Februar 2020 über den Zero-Waste-Gedanken beraten. Die digitale Auftaktveranstaltung gibt nun den Impuls zur Strategiefindung und zur diesbezüglichen Bürgerbeteiligung. Am Ende des Prozesses soll eine Zertifizierung als Zero Waste City durch die Organisation Zero Waste Europe stehen.

Dabei zielt das Zero-Waste-Engagement in Regensburg darauf ab, den Restmüllanteil im Gesamtabfallaufkommen auf 50 Kilogramm pro Einwohner und Jahr zu senken. Derzeit liegt das Gesamtabfallaufkommen eines Regensburgers bei jährlich 580 Kilogramm. Davon werden 280 Kilogramm weiterverwendet. Die übrigen 300 Kilogramm sollen perspektivisch auf 50 Kilogramm reduziert werden.

Mit Bürgerbeteiligung: Regensburg arbeitet an Zero-Waste-Strategie

Dafür möchte die Stadt bestehende Initiativen zur Abfallreduktion – von der Altkleidersammlung über ein Mehrwegpfandsystem bis hin zur Versteigerung gebrauchsfähiger Gegenstände aus dem Sperrmüll – im Zusammenhang mit ihrer Zero-Waste-Strategie zunächst strukturiert erfassen und stärker forcieren. Zudem möchte sie im Dialog mit der Stadtgesellschaft neue Maßnahmen und Projekte für den Wandel zur Kreislaufwirtschaft definieren.

Damit sieht sie sich im Kontext europäischer Nachhaltigkeitsziele hinsichtlich der Circular Economy, also der Kreislaufwirtschaft. Mit ihren eigenen Aktivitäten möchte Regensburg einen Beitrag dazu leisten. Denn die Frage, ob die Transformation zu einem nachhaltigeren Wirtschaften und Leben gelinge, entscheide sich auf der kommunalen Ebene. Das sagte der Volkswirt Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, das auch die Stadt Kiel bei deren Zero-Waste-Anstrengungen begleitet, bei der digitalen Auftaktveranstaltung.

Städte als „Hebel“ für die Transformation zur Kreislaufwirtschaft

Insbesondere die verdichteten Städte seien im Zusammenspiel mit den Kommunalen Unternehmen der Abfallwirtschaft die entscheidenden Akteure, um die nötigen Strukturen für diese Transformation zu schaffen. Hinsichtlich des Abfallaufkommens in Städten spricht Wilts von „urbanen Minen“, die es zu nutzen gelte. Für den Erhalt von Ressourcen und die Transformation zur Kreislaufwirtschaft seien die Städte also der „Hebel“.

Diesen Hebel zu betätigen, sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch relevant. Dabei beziffert Wilts die ökonomischen Kosteneinsparpotentiale für die europäische Wirtschaft, die sich durch ein zirkulär geprägtes Wirtschaften und Konsumieren ergäben, auf bis zu 640 Milliarden Euro. Mit Blick auf die zunehmende Verknappung von Rohstoffen sei die Transformation zur Kreislaufwirtschaft überdies eine Frage der geopolitischen Unabhängigkeit des europäischen Kontinents.

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