Als erste Stadt wendet Aschaffenburg den „Berichtsrahmen nachhaltige Kommune“ an. Er bildet die Nachhaltigkeitsarbeit der Stadt ab.

Die Stadt Aschaffenburg hat als erste einen Nachhaltigkeitsbericht nach dem „Berichtsrahmen nachhaltige Kommune“ (BNK) vorgelegt. Der BNK wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, der die Bundesregierung zur Nachhaltigkeitspolitik berät, und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global entwickelt. Er ist eine Vorlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Kommunen. Für seinen Einsatz ist Aschaffenburg eine von rund 20 Pilotkommunen. Der BNK orientiert sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Develpoment Goals, SDG) der Vereinten Nationen und verortet sie in kommunalen Strukturen.

BNK als Abbild der Nachhaltigkeitsarbeit

Der BNK verlangt nicht nach konkreten Maßnahmen, sondern dient vielmehr der Nachhaltigkeitsberichterstattung als strukturelles Gerüst. Der BNK gibt Themen vor, zu denen sich die Kommunen positionieren und ihr diesbezügliches Engagement darlegen. So entsteht ein Abbild ihrer Nachhaltigkeitsarbeit und deren Priorität im kommunalen Kontext. Damit dient der BNK der Lokalpolitik und der Verwaltung als Diskussionsgrundlage und Entscheidungshilfe. Zudem macht er im Zeitverlauf im Falle einer Fortschreibung Entwicklungslinien ablesbar.

Der aktuelle Bericht von Aschaffenburg nach dem BNK mit Stand vom April 2022 bezieht sich auf den Zeitraum 2020 und 2021. Damit verfüge die Stadt Aschaffenburg nun „über ein Instrument, um ihre ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeitsaktivitäten noch stärker in der Öffentlichkeit darzustellen“, heißt es im Fazit des Berichts. „Der BNK bietet die Möglichkeit, Transparenz und Sichtbarkeit für das nachhaltige Gesamtbild der Stadt zu schaffen.“ So wolle er mit der Kommune als Vorbild „die Stadtgesellschaft ermutigen, gemeinsam mit Politik und Verwaltung an einer nachhaltigen und gerechten Welt mitzuwirken“.

Ein umfassendes Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffs

Aschaffenburg begreift laut der eigenen Berichterstattung die nachhaltige Entwicklung als grundlegend für die Stadtstrategie. Entsprechend spiele sie in ihren drei Dimensionen – soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit – als Querschnittsthema in alle kommunalen Handlungsfelder hinein. Dies gilt nicht nur für die Verwaltung. Denn der Bericht richtet seinen Blick ausdrücklich auch auf die kommunalen Unternehmen wie das städtische Wohnungsbauunternehmen, den Energieversorger oder die Kongress- und Tourismusbetriebe. Ebenso bezieht er die Akteure der Zivilgesellschaft ein.

Der BNK legt unter anderem offen, wie die Stadt das Streben nach Nachhaltigkeit strukturell beispielsweise in ihrer Gremienarbeit verankert und institutionalisiert. Zudem positioniert sich die Stadt dazu, wie sie Klimaschutz betreibt, die Energiewende voranbringt, sich der Klimaanpassung widmet oder die urbane Mobilität zukunftsorientiert ausrichtet. Der BNK verfolgt ein umfassendes Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffs. Demnach adressiert er auch Aspekte wie Bildung, soziale Gerechtigkeit oder gesellschaftliche Teilhabe. Genauso hinterfragt er die Nachhaltigkeitsdimension der städtischen Finanzpolitik, beispielsweise hinsichtlich ihrer Maßnahmen gegen Verschuldung.

Nachhaltigkeitsarbeit von Kommunen aufzeigen

Dabei lässt der BNK Raum für lokale Besonderheiten und Anpassungen. Für Aschaffenburg zeigt sich dies etwa am Handlungsfeld Klimaschutz und Energie beim Aspekt Windkraft. Die Windkraft spielt bislang im urbanen Kontext aufgrund des Mangels an windhöffigen Freiflächen bislang und wohl auch perspektivisch keine Rolle. Stattdessen weist die Stadt in ihrem Bericht also allgemein auf die regenerative Energieerzeugung von Strom und Wärme hin. Diese zeigt von 2018 mit knapp 60.000 Megawattstunden auf 2020 mit über 100.000 Megawattstunden eine steigende Tendenz.

Der wesentliche Ansatz des BNK ist es, die Nachhaltigkeitsarbeit von Kommunen zu veranschaulichen und dafür Standards zu setzen. Er möchte im Zusammenhang mit den 17 SDG die Aufgaben, die in der Zuständigkeit einer Kommune liegen, und diesbezügliches Engagement greifbar machen. Als Pilotstadt dafür bietet Aschaffenburg mit einer Größe von rund 70.000 Einwohnern sowohl Anknüpfungspunkte für mittelgroße Städte als auch für Großstädte.

Aschaffenburg: Eigene Indikatoren für die Nachhaltigkeitsarbeit

Dabei kann Aschaffenburg als Modellstadt für die Umsetzung des BNK auf vorhandener Expertise aufbauen. Bereits 2005 hat die Stadt ein eigenes Indikatorenset für ihre Nachhaltigkeitsarbeit entwickelt. 2012 und 2018 wurde dieses fortgeschrieben. Darüber hinaus erhielt Aschaffenburg 2020 für ihr vielfältiges Engagement in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für mittlere Städte.

Bei der lokalen Umsetzung des Berichtsrahmens nachhaltige Kommune wurde die Stadt von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt der Entwicklungshilfeorganisation Engagement Global, der Beraterin Julia Pfinder sowie dem Beratungsunternehmen Corsus begleitet.

Info

Der aktuelle Aschaffenburger Nachhaltigkeitsbericht ist hier zum Download auf der Webseite der Stadt zu finden.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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