Setzen weihnachtliche Traditionen dem Klimaschutz Grenzen? #stadtvonmorgen fragt, wie Städte mit dem Weihnachtsbaum umgehen.

Der Klimawandel schafft ein neues Mindset, eine neue Denkweise. Er sorgt für Umbrüche und stellt Hergebrachtes in Frage. Dies betrifft auch Weihnachten. Passt die ressourcenintensive Tradition vom Fällen, Transportieren und Entsorgen des Weihnachtsbaums überhaupt noch in die Zeit? Und wie gehen Städte damit um?

Weihnachtsbaum: Faire Lieferketten und Klimanotstand

Schließlich sind die Ansprüche, die viele Städte an die Bundespolitik richten, hoch: Etwa fordern sie ein schärferes Lieferkettengesetz oder rufen den Klimanotstand aus. Sie drängen auf Nachhaltigkeit, Klimaschutz und neue Standards, die die Welt verbessern sollen. Aber wie halten sie es selbst? Legen sie dieselben Kriterien, die sie in Petitionen und Ratsbeschlüssen auf Papier anderen abverlangen, an sich selbst an? Das will #stadtvonmorgen am Beispiel des Weihnachtsbaums wissen.

Gibt es einen städtischen Weihnachtsbaum im öffentlichen Raum als Adventsschmuck? Und welche Kriterien des Klimaschutzes und nachhaltiger Lieferketten spielen bei der Auswahl des Baums eine Rolle? Diese Gretchenfrage schickte #stadtvonmorgen per Email an die Pressestellen von zwölf Städten. Dabei handelt es sich um die Städte, die sowohl auf der Homepage des Klima-Bündnisses mit ihrer Erklärung zum Klimanotstand aufgeführt sind als auch – Stand Juni 2021 – die Resolution „Kommunen für ein starkes Lieferkettengesetz“ unterzeichnet haben. Nämlich: Heidelberg, Münster, München, Bonn, Köln, Karlsruhe, Nürnberg, Mainz, Trier, Koblenz, Mannheim und Wuppertal. Bis auf Köln kam zu allen ein Kontakt zustande.

Trier und Münster: Bäume aus Privatgärten

Das Fazit: Grundsätzlich zeigen die Antworten aller angefragter Städten ein durchaus ausgeprägtes Nachhaltigkeitsbewusstsein. Unterschiede gibt es allerdings in der Konsequenz. Während die einen beim Bezug ihres Weihnachtsbaums lediglich auf regionale Produktion setzen, ziehen andere dabei Kriterien der nachhaltigen Waldbewirtschaftung ins Kalkül.

Vorreiter sind Trier und Münster: Beide stellen nur von Privatpersonen gespendete Bäume, die ohnehin gefällt worden wären, auf. Und in Mannheim gibt es hinsichtlich der Nachhaltigkeitsfrage im Zusammenhang mit Weihnachtsbäumen überhaupt keine Diskussion. Auf Anfrage teilt die Quadratestadt knapp mit: „Die Stadt Mannheim hat keinen Weihnachtsbaum im öffentlichen Raum aufgestellt.“

Regionale Produktion, Dienstanweisungen und Zertifikate

Demgegenüber platziert Koblenz in der Weihnachtszeit nach eigenen Angaben immerhin mehr als 40 Bäume in der Stadt. Dabei achte man auf kurze Lieferwege und regionale Produktion, heißt es aus Koblenz. Acht der 40 Bäume stammen nach städtischen Angaben aus Privatgärten und wären ohnehin gefällt worden. Nürnberg, Mainz, München und Karlsruhe teilen auf #stadtvonmorgen-Nachfrage ebenfalls mit, dass ihre Bäume aus der Region kommen. Dabei würden „regionale und zuverlässige Firmen mit kurzer Lieferkette angefragt“, heißt es etwa aus Karlsruhe.

Genauso bezieht die Stadt Heidelberg „ihre Weihnachtsbaume ausschließlich von Weihnachtsbaumplantagen aus dem nahen Odenwald“. Nachhaltige Beschaffung sei in der Stadt per Dienstanweisung geregelt. Dabei spielten neben Aspekten des Klima- und Umweltschutzes auch soziale Kriterien wie Arbeitsbedingungen eine Rolle. Aus Bonn heißt es in ähnlichem Tenor, dass man möglichst nach zertifizierten Bäumen suche. Wuppertal bezieht ihre sieben Weihnachtsbäume nach PEFC-Standard (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) von einem Forstbetrieb aus dem Bergischen Kreis. Die PEFC-Zertifizierung steht für eine ökologische, ökonomische und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung.

Bäume, die ohnehin gefällt werden müssen

Trier schreibt sich als Fairtrade-Stadt eine „Vorreiterrolle in Rheinland-Pfalz“ zu. Demnach setzt Trier, was den eigenen Weihnachtsbaum betrifft, auf die Spende von Privatpersonen. Die Stadt stellt nur einen Weihnachtsbaum auf. In diesem Jahr ist es eine Blaufichte.

Auch Münster setzt „in der Regel auf Bäume aus Privatgärten, die ohnehin gefällt werden müssen, weil sie zu groß für ihren Standort geworden sind“. Der diesjährige städtische Baum, eine 18 Meter hohe Tanne, stammt aus einem Vorgarten in Gütersloh. Die Lieferkette sei „ausgesprochen kurz“, betont die Stadt. Die Tanne wurde von einem „Weihnachtsbaumscout“ der städtischen Marketinggesellschaft gefällt. Die Feuerwehr und das Grünflächenamt unterstützen den Aufbau (Foto oben). Jetzt sorgt er in der City vor der Lambertikirche für Adventsstimmung.

Na, dann kann Weihnachten ja kommen. Frohes Fest allerseits!

a.erb@stadtvonmorgen.de

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