Der Bund fördert Grüne Infrastruktur in Kommunen. Dafür hat das Bauministerium das Programm „Energetische Stadtsanierung“ neu ausgerichtet.

Mit dem Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung – Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier“ fördert der Bund Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung. Es geht neben der Verbesserung von Energieeffizienz im Quartier um Grüne Infrastruktur und regensensible Gestaltung und damit letztlich um die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden von morgen.

Maßnahmen für den Klimaschutz und zur Klimaanpassung

Der Klimawandel erfordert, dass wir unsere Quartiere neu denken. Lange Trockenperioden und Hitzewellen heizen die Innenstädte auf. Starkregenereignisse „überfluten“ unsere Städte und Gemeinden. Demgegenüber kann Regenwasser aufgrund von Versiegelungen und fehlenden Kapazitäten oft nicht gespeichert und etwa zur Kühlung genutzt werden. Extremwetterereignisse wie im Juli 2021 treten laut Prognosen immer häufiger auf. Dies stellt unsere Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Es gilt, die Klimaresilienz von Quartieren zu stärken und sie für die Auswirkungen der Klimakrise zu wappnen.

In diesem Zusammenhang steht das Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung – Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier“. Die KfW Bankengruppe bietet es im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) an. Dafür sind 70 Millionen Euro jährlich aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) vorgesehen. Zuletzt hat der Bund das Programm neu ausgerichtet: Die Förderung wurde auf die neuen Themenfelder „Grüne Infrastruktur“ und „Klimafreundliche Mobilität“ ausgeweitet.

Integrierte Konzepte und Sanierungsmanagement fürs Quartier

Mit dem Programm „Energetische Stadtsanierung – KfW 432“ werden integrierte Quartierskonzepte und die Begleitung durch ein Sanierungsmanagement gefördert. Integrierte Quartierskonzepte zeigen in diesem Kontext Energieeinsparpotenziale, Optionen zum Einsatz erneuerbarer Energien in der Quartiersversorgung und Möglichkeiten für die Anpassung an den Klimawandel im Quartier auf. Dabei fließen in die Betrachtung städtebauliche, denkmalpflegerische, baukulturelle, wohnungswirtschaftliche, demografische und soziale Aspekte ein.

Die Konzepte können auch Aussagen dazu enthalten, inwieweit smarte Technologien zum Klimaschutz im Quartier beitragen. Ebenso kann die nachhaltige Gestaltung von Grün- und Freiflächen eine Rolle spielen. Denn Grüne Infrastruktur leistet einen Beitrag zum Klimaschutz: Pflanzen und Böden binden das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2). Dach- und Fassadenbegrünung steigert die Energieeffizienz von Gebäuden und vermindert damit indirekt den Ausstoß von Treibhausgasen aus Heizungen und Kraftwerken.

Das Sanierungsmanagement hat die Aufgabe, auf Basis der erstellten Konzepte den Prozess der Umsetzung zu planen und zu begleiten sowie die beteiligten Akteure zu aktivieren und zu vernetzen. Zudem koordiniert und kontrolliert das Sanierungsmanagement die Maßnahmen. Dafür kann eine weitere Förderung für Personal- und Sachkosten in Anspruch genommen werden.

Verbesserte Förderkonditionen erleichtern Zugang

Das Förderangebot besteht neben der Städtebauförderung, mit der im Rahmen von städtebaulichen Gesamtmaßnahmen ebenfalls Projekte zum Klimaschutz und zur Klimafolgenanpassung unterstützt werden. Für die Teilnahme am Programm „Energetische Stadtsanierung“ ist allerdings keine formale Gebietsfestlegung, sondern lediglich eine Quartiersfestlegung erforderlich. Dies erleichtert den Zugang zur Förderung für die rund 10.800 Städte und Gemeinden in Deutschland deutlich. In der zehnjährigen Historie des Programms konnten bis zum 31. Dezember 2021 mit dem Programm über 1.800 Zuschüsse und Kredite in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro zugesagt werden.

Um die Klimaziele zu erreichen und die Kommunen noch besser zu unterstützen, hat der Bund außerdem seit dem 1. April 2021 die Förderkonditionen nochmals deutlich verbessert. Die Zuschussförderung für Konzepte und das Sanierungsmanagement wurde von 65 auf 75 Prozent erhöht. Kommunen müssen seither einen Eigenanteil von nur noch fünf Prozent nachweisen. Diese Erleichterung gilt bis zum 30. Juni 2022.

Auch die Tilgungszuschüsse für die Förderkredite mit dem Ziel der Umsetzung von Maßnahmen sind bei mehreren Förderbausteinen erhöht worden: Für die Fördermodule „Energieeffiziente Wasserver- und Abwasserentsorgung im Quartier“, „Klimafreundliche Mobilität im Quartier“ und „Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel durch Grüne Infrastruktur“ sind Tilgungszuschüsse von bis zu 20 Prozent des Kreditzusagebetrags möglich.

Besonderer Fokus auf investive Maßnahmen

Einen besonderen Fokus richtet die Förderung auf Kommunen, die investive Maßnahmen umfassend planen und mit den Beteiligten vor Ort schon im Vorfeld abstimmen. Kredite für Maßnahmen, die Teil eines integrierten Quartierskonzeptes des Zuschussprogramms 432 sind, erhalten hierfür einen sogenannten Konnexitätsbonus. Dies bedeutet eine Förderung mit Tilgungszuschüssen von bis zu 40 Prozent.

Die Umsetzung von investiven Maßnahmen wird im Kreditprogramm „Energetische Stadtsanierung – KfW 201 und 202“ gefördert. Hier wurden die bestehenden Fördermodule „Wärme- und Kälteversorgung im Quartier“ und „Energieeffiziente Wasserver- und Abwasserentsorgung im Quartier“ nun um zwei weitere Fördermodule ergänzt, nämlich „Klimafreundliche Mobilität im Quartier“ und „Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel durch grüne Infrastruktur“.

Grüne Infrastruktur und klimafreundliche Mobilität

Das neue Modul „Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel durch grüne Infrastruktur“ fasst Investitionen in die Grüne Infrastruktur zusammen. Dies betrifft etwa die nachhaltige Gestaltung und Aufwertung von Grün- und Freiflächen oder ein leistungsfähiges Regenwassermanagement im Quartier. Diese dienen nicht nur dem Klimaschutz und der CO2-Reduktion, sondern sollen auch die Klimaresilienz in Quartieren etwa im Falle von Extremwetterereignissen erhöhen und die Viertel lebenswerter machen.

Das neue Modul „Klimafreundliche Mobilität im Quartier“ zielt darauf ab, Klimaschutzmaßnahmen im Quartier zu fördern und Anreize für die Nutzung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben zu setzen. Fördermaßnahmen zur Sektorenkopplung unter Einbezug des Verkehrsbereiches sollen zudem eine Verbesserung des energetischen Lastenmanagements in Quartieren bewirken.

Engagement fürs Klima fördert Lebensqualität in Kommunen

Mit den Maßnahmen wird nicht nur ein Beitrag zum Erreichen der Klimaziele der Bundesregierung geleistet. Die Nebeneffekte sind insbesondere bei der Grünen Infrastruktur sehr vielfältig. Beispielsweise fördern sie die Gesundheit der Bürger, verbessern das Stadtbild und die Freizeitmöglichkeiten, dienen dem Umweltschutz, stärken die Belastbarkeit von Ökosystemen und die biologische Vielfalt. Dies alles steigert die Lebensqualität und das Wohlbefinden in unseren Städten und Gemeinden erheblich.

Der Autor

Joachim Gerth ist Referatsleiter im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und unter anderem zuständig für das Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“.

Info

Weitere Infos zu den Programmen unter www.kfw.de/201, www.kfw.de/202 (jeweils Kreditförderung) und www.kfw.de/432 (Zuschussförderung).

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