Zum zehnten Mal wird 2021 die „Hauptstadt des Fairen Handels“ prämiert. Neben Städten und Gemeinden können sich erstmals auch Kreise bewerben.

Der Wettbewerb „Hauptstadt des Fairen Handels“ startet in seine zehnte Runde. Dabei geht es um ein Preisgeld von insgesamt 250.000 Euro. Darum bewerben können sich sowohl deutsche Städte und Gemeinden als auch – in diesem Jahr erstmals – Landkreise. Ausgeschrieben wird das Prädikat „Hauptstadt des Fairen Handels“ von Engagement Global mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW). Schirmherr ist Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 2. Juli. Einsendungen sind auf digitalem Weg möglich.

„Hauptstadt des Fairen Handels“: Zeichen für Nachhaltigkeit

Seit 2003 wird der Titel vergeben. Die amtierende „Hauptstadt des Fairen Handels“ ist die bayerische Stadt Neumarkt in der Oberpfalz. Dort finden am 23. September 2021 auch die Preisverleihung und die Bekanntgabe des neuen Siegers statt. Ermittelt wird der Gewinner im August von einer unabhängigen Jury. In der kommen Vertreter der drei kommunalen Spitzenverbände, von Kirchen, der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft zusammen.

„Der Wettbewerb möchte das kommunale Engagement für fairen Handel sichtbar machen, anerkennen und stärken“, sagt Richard Klasen, bei der SKEW für den Wettbewerb zuständig. Der Wettbewerb wolle in der kommunalen Familie sowie in der Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und gleichzeitig zum interkommunalen Austausch darüber beitragen.

Das Beschaffungsvolumen der öffentlichen Hand liegt bei jährlich 350 bis 500 Milliarden Euro. Davon entfällt ein Großteil auf die Kommunen. In Sachen fairer Handel verfügten sie also über einen nicht unbedeutenden „Markthebel in Richtung Nachhaltigkeit“, so Klasen.

Steigende Sensibilität für Nachhaltigkeit und fairen Handel

Dabei verzeichnet er – wohl nicht zuletzt begünstigt durch die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und die damit verbundenen 17 Nachhaltigkeitsziele – eine steigende Sensibilität für das Thema. Nicht nur, dass die Anzahl der Bewerbungen als „Hauptstadt des Fairen Handels“ von 31 im Jahr 2003 auf zuletzt rund 100 kontinuierlich zugenommen hat. Sondern auch qualitativ entwickele sich das Nachhaltigkeitsengagement der teilnehmenden Kommunen und differenziere sich immer weiter aus, meint Klasen.

Zudem spiegelten sich in den Wettbewerbsbeiträgen stets aktuelle Herausforderungen, die sich auf die Kommunen niederschlagen. 2017 habe sich etwa an vielen Stellen die Migrations- und Fluchtdebatte in ihren Bezügen zum fairen Handel gezeigt; 2019 der Klimawandel. Für 2021 sei zu erwarten, dass sich die Auswirkungen der Coronakrise auf Kommunen und Lieferketten verstärkt in einzelnen Wettbewerbsbeiträgen zeigen, schätzt Klasen.

Gefragt sind beim Wettbewerb Projekte zu den Themen fairer Handel und faire Beschaffung mit kommunalem Bezug. Dies kann verschiedene Handlungsfelder betreffen. So werden strukturelle Maßnahmen prämiert, also etwa Ratsbeschlüsse oder Leitbilder, die fairen Handel in besonderer Weise in der Verwaltung verankern. Ausgezeichnet werden aber auch Maßnahmen der Informationsarbeit und des Stadtmarketings sowie der Bildungs- und Vermittlungsarbeit, mit denen Kommunen das Thema voranbringen. Darüber hinaus können sich Kommunen mit konkreten Projekten bewerben, mit denen sie ihre eigenen Beschaffungsprozesse fair gestalten oder in ihrem Umfeld auf die Vermarktung und den Verkauf fair gehandelter Produkte hinwirken.

Neumarkt: Hauptstadt des Fairen Handels 2019

Neumarkt ist seit 2019 amtierende Hauptstadt des Fairen Handels. Weitere Siegerstädte sind Dortmund (2003, 2005), Düsseldorf (2007), Bremen (2011), Rostock (2013), Saarbrücken (2015) und Köln (2017). Ausgezeichnet wurde die Stadt Neumarkt unter anderem für ihre Kontinuität in der Nachhaltigkeitsarbeit und die Vielseitigkeit ihres lokalen Engagements für das globale Thema. Die Beschäftigung mit fairem Handel spiegelt sich durch das Amt für Nachhaltigkeit in der Verwaltungsorganisation wider. Zudem ist sie in der Stadtgesellschaft tief verankert. In der Stadtstrategie verzahnt Neumarkt die Idee des fairen Handels mit anderen Querschnittsthemen wie Klima- und Umweltschutz, Ökologie und Sozialem.

Köln: Hauptstadt des Fairen Handels 2017

Köln, die Gewinnerstadt von 2017, initiiert und fördert ein breites bürgerschaftliches Engagement im Sinne des fairen Handels. Es ist die Summe vieler Projekte, für die die Stadt ausgezeichnet wurde. Die bewegten sich mit diversen Ratsbeschlüssen und der sogenannten Millenniumserklärung der Stadt Köln von 2007 als Grundlage für weitere Initiativen sowohl auf der politischen Ebene und im Bereich der Verwaltungsorganisation. Mit Aktionswochen, der Anregung von Nachhaltigkeitsengagement in Schulen oder Initiativen zur kommunalen Entwicklungszusammenarbeit stimulierten sie aber auch entsprechendes Engagement der Stadtgesellschaft. Das mündete in publikumswirksame Events wie die „Fair Trade Night“. Zudem berücksichtigt die Stadt bei Ausschreibungen den Aspekt der fairen Beschaffung. Ebenso zeigt er sich im Zusammenwirken zwischen der Stadt Köln und ihren Partnerstädten.

Infos zum Wettbewerb

Weitere Infos zum Wettbewerb gibt es unter: www.faire-hauptstadt.de. Bewerbungen gehen über: https://hauptstadtwettbewerb.engagement-global.de/startseite.html.

Das Foto oben zeigt Bundesentwicklungsminister Müller (links) und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil in Hannover, die fair beschaffte Berufsbekleidung betrachten.

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