Auf dem Zukunftskongress in Hanau übergab Wirtschaftsminister Al-Wazir Fördermittel für Klimaschutz und Klimaanpassung in Kommunen.

Eine aufwändig begrünte Bühne bot den passenden Rahmen für den ersten hessischen Zukunftskongress, der Mitte Oktober in Hanau stattfand. Auf Einladung des hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen stand die „Stadt der Zukunft“ auf dem Programm. Das Land Hessen fördert erstmals mit dem sogenannten Klimakontingent „vorbildliche Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen“, so Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Er betonte, Städte und Gemeinden könnten mit der „klimagerechten Umgestaltung von Freiflächen sowie der Begrünung und Energieeffizienz viel für ihre Attraktivität und Lebensqualität tun“.

Transformation als gesellschaftliche Aufgabe

In einer Diskussionsrunde mit Al-Wazir standen Teilhabe und Akzeptanz im Fokus. „Sozialer Wandel schlägt Technologie“, konstatierte Christiane Varga vom Zukunftsinstitut Wien zur Bedeutung der gesellschaftlichen Komponente im technologischen Wandel. „Daten und Apps sind Werkzeuge, aber kein Allheilmittel“, ergänzte Zukunftsarchitektin Rebecca Freitag. Für Eltvilles Bürgermeister Patrick Kunkel kommt es bei der Stadt der Zukunft darauf an, Zustimmung für die Transformation zu organisieren. Al-Wazir forderte eine Orientierung am Nutzer, gab aber gleichzeitig zu bedenken: „Wir müssen Menschen mitnehmen, aber nicht jedem gerecht werden.“

Freitag berichtete vom Radentscheid in Berlin, den sie mit organisiert hat. Dort sei Radfahren zu gefährlich, als dass Mobilität darauf ausgerichtet werden könne. In Aachen habe ein Radentscheid einen beachtlichen Radwegebau zur Folge gehabt, berichtete die Aachener Stadtbaurätin Frauke Burgdorff. Al-Wazir bedauerte, dass die in Hessen initiierten Radentscheide rechtlich nicht umsetzbar waren. Er bot aber an, die Forderungen im Dialog aufzugreifen. In Darmstadt habe dies dazu geführt, dass über vier Jahre vier Millionen Euro in den Radwegebau investiert und vier Stellen im Planungsamt geschaffen worden seien.

Flächennutzung verantwortlich gestalten

Varga verwies auf die Anforderung individualisierter Gesellschaften an Wohnen und Arbeiten. Erfahrungen mit der 15-Minuten-Stadt zeigten, dass Mobilität und Infrastruktur neu gedacht werden könnten. Burgdorff berichtete vom Abriss eines Parkhauses, an dessen Stelle eine Wiese angelegt worden sei. „Wir müssen es schaffen, dass 30 bis 40 Prozent der Flächennutzung lokale Gewinne generieren“, forderte sie. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky forderte eine Vorkaufssatzung für die Innenstadt. Die Marktwirtschaft habe eine dienende Funktion.

Klimakontingent für 23 Kommunen

Anschließend übergab Al-Wazir Förderbescheide im Wert von insgesamt 15 Millionen Euro aus dem Klimakontingent. Dafür nutzt Hessen Bund-Länder-Mittel aus den Städtebauförderungsprogrammen „Lebendige Zentren“, „Wachstum und Nachhaltige Erneuerung“ und „Sozialer Zusammenhalt“. Insgesamt 23 hessische Städte und Gemeinden mit 28 Maßnahmen werden damit gefördert. Kaminsky erhielt 372.000 Euro für die „Klimaanpassung im Grünen Bogen“ im Klima-Pioneer-Quartier sowie weitere 640.000 Euro für Maßnahmen im Bürgerpark in der Weststadt. Auch für 2023 stellt das Land Hessen ein Klimakontingent bereit.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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