Aachen hat den Klimanotstand ausgerufen und ein Klimaschutzkonzept mit Millionen-Investitionen aufgelegt. Wie und warum, sagt OBM Keupen.

Es stehe ein „Jahrzehnt des Umbruchs“ bevor, in dem die Entscheidung darüber falle, ob der Wandel hin zu einer „klimagerechten und nachhaltigen Zukunft“ gelinge. Dabei sei die lokale Ebene besonders gefordert. Gleichwohl sei es eine „Gemeinschaftsaufgabe“, die Folgen der globalen Erderwärmung und des Klimawandels zu begrenzen. Die Stadt Aachen stelle sich diesen Aufgaben. Dies sagte OBM Sibylle Keupen am 29. Mai bei einem Aktionstag der Aachener Volkshochschule.

OBM Keupen: Klimawandel in „allen Bereichen des täglichen Lebens“

Der stand unter dem Motto „Klimanotstand in der Stadt Aachen – was macht die Stadt?“. Am 19. Juni 2019 rief die Stadt den sogenannten Klimanotstand aus, mit dem sie die Brisanz der Klimakrise unterstreicht. 2020 legte sie dann ein Integriertes Klimaschutzkonzept vor. Der Stadtrat beschloss in Anlehnung an die Klimaschutzziele von Paris, Aachen bis 2030 klimaneutral auszurichten. Das Integrierte Klimaschutzkonzept sieht auf dem Weg dahin 70 Maßnahmen vor. Dafür stellt der städtische Haushalt in den kommenden vier Jahren rund 80 Millionen Euro bereit. Hinzu kommt weiteres Engagement, etwa das der städtischen Beteiligungsgesellschaften.

Der Klimawandel sei in der Stadt „spürbar angekommen“, so Keupen. Er erfasse „alle Bereiche des täglichen Lebens“. Exemplarisch erinnert sie an Extremwetterereignisse, die sich auch in Aachen zeigten. Das Wetter sei schwankender geworden und weise mehr Extreme wie Starkregen, Hitzeperioden oder Stürme auf.

Klimaanpassung und Klimaschutz als urbane Notwendigkeiten

Städtebaulich müsse man darauf reagieren und die Klimaanpassung forcieren: „Wir müssen uns in Zukunft besser vor diesen Ereignissen schützen und die Stadt dafür fit machen.“ Dies reiche „vom Asphalt“, also vom bebauten Raum, „bis zum Wald“, also bis zum Schutz etwa vor Waldbränden aufgrund hoher Trockenheit.

Dabei seien allerdings die „Handlungsmöglichkeiten einer Stadt, was den Klimaschutz betrifft, sehr begrenzt“, räumt Keupen ein. Es bedürfe eines ganzheitlichen, gesamtgesellschaftlichen Engagements auf allen Ebenen – von der lokalen bis zur globalen.

Die Stadt verstehe sich als Beispielgeberin. Sie wolle eigene Beiträge leisten sowie Anreize für privates Engagement setzen. Die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte in der Stadtgesellschaft – sichtbar an Demonstrationen der Bewegung „Fridays For Future – beflügele zusätzlich die Anstrengungen zur CO2-Reduktion, so Keupen.

Strom, Wärme, Mobilität: Stellschrauben für Klimaneutralität

Die Klimaneutralität zu erreichen, sei seine „enorme Herausforderung“. Wichtige Handlungsfelder, auf denen Kommunen und ihre Beteiligungsgesellschaften wirken könnten, seien die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität, sagt Keupen. Es gelte, mehr Erneuerbare Energien zu nutzen, die Energieeffizienz steigern, Gebäude energetisch zu optimieren und die Transformation zu einem klimafreundlichen Verkehr zu schaffen. Damit einhergehe die Förderung des Umweltverbunds und der Elektromobilität.

Insbesondere auf dem Feld der Mobilität lägen große transformative Aufgaben, die den Städtebau betreffen. Die Stadt Aachen gehe diese an, indem sie den Radverkehr gemäß eines lokalen Radentscheids fördere und den Busverkehr um 35 Prozent bei Halbierung der Tarife ausbauen wolle. Hinzu kämen mannigfaltige Maßnahmen, um etwa mit einem Jobticket den ÖPNV im betrieblichen Mobilitätsmanagement zu stärken oder um die Elektromobilität zu fördern.

Hinsichtlich des Lieferverkehrs wolle man sogenannte Mobility-Hubs, also Depots an zentralen Stellen, einrichten. Von dort aus sollen die Lieferungen dann etwa mithilfe von Lastenrädern emissionsarm verteilt werden, um im Zentrum Verkehre zu entlasten und Emissionen reduzieren.

Maßnahmen für Klimaneutralität: Beispiele aus Aachen

Im Bereich der Energieversorgung nennt Keupen zwei weitere Beispiele des „Maßnahmenplans 2025“ im Aachener Klimaschutzkonzept. So stattet die Stadt kommunale Gebäude mit Fotovoltaikanlagen aus. Dafür stehen 2021 1,5 Millionen Euro, 2022 2,5 Millionen Euro sowie 2023 und 2024 jeweils 4,67 Millionen Euro im Haushalt zur Verfügung. Um den Ausbau der Solarenergienutzung im Stadtgebiet darüber hinaus zu fördern, legt sie außerdem ein Förderprogramm auf. Das ist 2021 mit einer Millionen Euro, 2022 mit anderthalb Millionen Euro sowie 2023 und 2024 mit jeweils 1,9 Millionen Euro ausgestattet.

Auch im Bereich der Altbausanierung geht die Stadt – neben der energetischen Sanierung kommunaler Gebäude – in die Breite. Für das diesbezügliche „Förderprogramm Altbausanierung“ stehen 2021 eine Million Euro, 2022 zwei Millionen Euro sowie 2023 bis 2025 jährlich jeweils 3,6 Millionen Euro bereit.

Aktuelle Beiträge

Aktuelle News, Debattenbeiträge und urbane Zukunftsthemen. Zweiwöchentlich und kostenlos.
JETZT ANMELDEN »
Der Newsletter für die Transformation der Stadt.
Der Newsletter für die Transformation der Stadt:
News, Debattenbeiträge und urbane Zukunftsthemen. Zweiwöchentlich und kostenlos.
NEWSLETTER ABONNIEREN »