Trinkwasser bereitzustellen und Abwasser zu reinigen zählen zu den elementarsten Aufgaben der Daseinsvorsorge. Beide Bereiche sind Pflichtaufgaben der Kommunen – und sie sind kostenintensiv. Millionenbeträge fließen jedes Jahr in Netze, Pumpwerke, Kläranlagen und weitere technische Infrastruktur. Entsprechend wichtig ist es, die Gebührenhaushalte solide zu kalkulieren und kostendeckend zu führen. Doch wer die Perspektive über die reine Gebührenkalkulation erweitert, erkennt: Hinter nüchternen Zahlen stecken auch große ökologische Wirkungen. Gerade in Wasser- und Abwasserwirtschaft zeigt sich, wie grüne Ideen und schwarzen Zahlen zusammenspielen können.
Wasser: Verluste sind doppelter Schaden
Wasserverluste durch Leckagen sind ein Problem, das auf den ersten Blick unsichtbar bleibt, aber enorme Folgen hat. In ihren Wasserbilanzen haben die drei hessischen Regierungspräsidien für das Jahr 2023 festgestellt, dass insgesamt 25,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser allein durch Rohrnetzverluste verloren gingen (die unechten Verluste, beispielsweise Rohrnetzspülungen, Feuerwehr oder Friedhofzapfstellen in den Kommunen sind darin nicht einmal enthalten). Mit diesem Wasser könnte man ein olympisches Schwimmbecken über zehntausend Mal füllen.
Besonders problematisch ist das in Trockenjahren, die durch den Klimawandel immer häufiger werden. Das kostbare Wasser versickert im Untergrund und kann nicht genutzt werden. Damit entsteht auch ein wirtschaftlicher Schaden für die Kommunen und Versorger, denn bevor Trinkwasser in das Leitungsnetz eingespeist wird, muss es in mehreren Schritten gefiltert und dann in Hochbehältern oder Speichern zwischengelagert werden. Auch der Transport verursacht enorme Kosten, denn jede Pumpbewegung kostet viel Energie. Außerdem wird Trinkwasser streng und lückenlos überprüft und gehört zu den an den besten kontrollierten Lebensmitteln. Geht Trinkwasser auf dem Weg vom Wasserwerk zum Verbraucher verloren, ist also nicht nur die Ressource selbst verschwendet.
Die Beseitigung von Leckagen wirkt deswegen gleich doppelt: Erstens ökologisch, weil Grundwasservorkommen geschont wird und der Energieeinsatz sinkt. Und zweitens ökonomisch, weil der Betrieb effizienter wird und die Gebührenhaushalte stabil bleiben.
Smarte Lösungen doppelt sinnvoll
Kommunen, die in digitale Überwachungssysteme, smarte Netzsteuerungen oder moderne Rohrmaterialien investieren, sichern daher die Ressource Wasser und gleichzeitig die finanzielle Stabilität. Auch der Einbau von digitalen Funkwasserzählern ist als moderne Messtechnik ein wirksames Instrument, um Verbrauchsdaten vollständig und korrekt zu erfassen und auszuwerten. Ein weiterer Vorteil liegt darin, auch unterjährig sowohl Daten auslesen als auch Undichtigkeiten erkennen zu können. Ein praktisches Beispiel, wie Digitalisierung ökologische und ökonomische Ziele gleichzeitig voranbringt.
Abwasseranlagen: Energieverbraucher und -quelle
Noch deutlicher zeigt sich die Doppelwirkung in der Abwasserbeseitigung. Kläranlagen gehören in vielen Städten und Gemeinden zu den größten Stromverbrauchern überhaupt. Je nach Größe der Anlage entfallen bis zu einem Fünftel der kommunalen Stromrechnung auf die Abwasserbehandlung.
Gleichzeitig bieten gerade hier technische Innovationen enorme Potenziale. Zum Beispiel senken moderne Belüftungssysteme den Strombedarf erheblich. Faulgas aus dem Schlammprozess kann zur Eigenstromerzeugung genutzt werden. Verfahren zur Nährstoffrückgewinnung oder zur Reduzierung von Mikroverunreinigungen vermeiden langfristige Schäden an Ökosystemen und reduzieren damit künftige finanzielle Belastungen.
Wenn ohnehin Investitionen in die Klärtechnik erforderlich sind, bietet sich den Kommunen hier die Chance, durch kluge und nachhaltige Entscheidungen gleich doppelt zu profitieren: Sie erfüllen notwendige ökologische Anforderungen und verbessern zugleich ihre Kostenstruktur.
Gerade in Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Umweltauflagen zeigt sich: Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sondern ökonomischer Selbstschutz. Kommunen, die frühzeitig in Effizienzmaßnahmen investieren, vermeiden nicht nur ökologische Schäden, sondern auch zukünftige Gebührensteigerungen. Wer hingegen Sanierungen aufschiebt oder die ökologische Dimension ignoriert, riskiert hohe Nachinvestitionen und steigenden Kostendruck auf die Bürger.
Wasser- und Abwasserwirtschaft sind mehr als technische Pflichtaufgaben. Sie sind Schlüsselfelder, in denen sich kommunale Finanzstabilität und ökologische Nachhaltigkeit gegenseitig bedingen. Jede Kommune, die ihre Leitungsverluste verringert, moderne Funkwasserzähler einsetzt oder ihre Kläranlage energetisch modernisiert, handelt ökologisch verantwortungsvoll und ökonomisch klug zugleich.
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Der Autor
(Quelle: privat)
Dr. Ulrich Keilmann ist Abteilungsleiter der Überörtlichen Prüfung kommunaler Körperschaften und Direktor beim Hessischen Rechnungshof. In der regelmäßigen #stadtvonmorgen-Kolumne „Grüne Ideen, schwarze Zahlen“, die zuerst im #stadtvonmorgen-E-Magazin erscheint und hier zudem online veröffentlicht wird, schreibt er über finanzielle Aspekte der Transformation. Er vertritt hier seine persönliche Auffassung.
Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.

