Bamberg sucht gezielt interkommunale Kooperationen, um Smart-City-Lösungen voranzubringen. Davon erwartet die Stadt mehr Budgeteffizienz.

Um Smart-City-Anwendungen interkommunal zu entwickeln, hat die Stadt Bamberg im Kontext der Förderkulisse „Modellprojekte Smart Citys“ vor wenigen Tagen eine „Kooperationsmesse“ veranstaltet. Damit ergreift die Stadt die Initiative, um neue Smart-City-Lösungen gemeinschaftlich mit anderen Kommunen zu erarbeiten und damit deren Übertragbarkeit bereits in der Entwicklungsphase sicherzustellen. Bei der Kooperationsmesse, an der Vertreter aus rund 40 „Modellprojekte“-Städten teilnahmen, stellte Bamberg Projektideen vor und regte für deren Umsetzung interkommunale Partnerschaften an.

Modellprojekte Smart Cities: Guter Zeitpunkt für Kooperation

Hintergrund des Bamberger Vorstoßes ist zum einen, dass das Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ nicht nur darauf abzielt, neue Anwendungen für die Smart City zu finden, sondern auch, diese für möglichst viele Kommunen nutzbar zu machen. Insbesondere die Städte, die in der zweiten und dritten Förderstaffel teilnehmen, befinden sich im Augenblick in einer Phase des Übergangs von der Strategie- und Ideenfindung zur Umsetzung. Diese Phase sei also ein „guter Zeitpunkt“, um über entsprechende Kooperationen nachzudenken, damit die Arbeit an verwandten Themen im Rahmen der Förderkulisse nicht parallel, sondern konzentriert und strukturiert ablaufen kann, erklärt Sascha Götz. In Bamberg ist Götz als Leiter einer entsprechenden Stabstelle im Wirtschaftsreferat für die Smart-City-Aktivitäten zuständig.

Zum anderen habe man in der Phase der Ideenfindung für entsprechende Projekte in Bamberg Vorschläge zusammengetragen, deren Umsetzung schätzungsweise 29,5 Millionen Euro kosten würde. Im Rahmen der Förderkulisse „Modellprojekte Smart Cities“ stehen der Stadt allerdings nur rund 15 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Um dennoch möglichst viele der Ideen umsetzen zu können, sucht die Stadt also gezielt die Entwicklungskooperation mit anderen Kommunen, die ähnliche Projekte realisieren wollen und mit denen man sich darüber austauschen kann, sagt Götz.

Smart City ruft nach interkommunaler Zusammenarbeit

Smart-City-Kooperationsmesse in Bamberg (Quelle: Stadtarchiv Bamberg/Melina Sophie Knobloch)

Smart-City-Kooperationsmesse in Bamberg (Quelle: Stadtarchiv Bamberg/Melina Sophie Knobloch)

Bei der Kooperationsmesse fand diesbezüglich ein erster Austausch zu verschiedenen Themen statt. Dort, wo sich entsprechende Potentiale abzeichnen, sind in den nächsten Wochen Folgetreffen geplant, um mögliche Kooperationen anzubahnen. Die jeweilige Zusammenarbeit könnte dann als ein eher unverbindlicher Dialog über die Projektentwicklung organisiert sein. Sie könnte aber auch in eine gemeinsame Projektarchitektur münden – beispielsweise, indem einzelne „Arbeitspakete“ modular aufeinander abgestimmt werden oder indem für die Projektumsetzung sogar ein interkommunales Konsortium gegründet wird.

Die Smart City bietet sich für interkommunale Zusammenarbeit an – weil viele Kommunen vor ähnlichen Herausforderungen stehen und eine gemeinsamen Grundlagenarbeit parallele Entwicklungen und Doppelstrukturen vermeidet. Als Themen, für die sich Kollaborationen besonders eignen, weil sich viele Kommunen gleichzeitig damit beschäftigen, nennt Götz exemplarisch die Arbeit an einer Datenplattform, am digitalen Zwilling einer Stadt oder an einer Mobilitätsplattform mit einem Ticketsystem, die verschiedene Mobilitätsformen vom ÖPNV über den Scooter-Verleih bis hin zum Carsharing miteinander vernetzt. Ähnliches gilt für den Aufbau einer Plattform für bürgerschaftliches Engagement, die Bürgerbeteiligung erleichtert und bürgerschaftlichen Initiativen ein Forum bietet.

Modellprojekte Smart Cities: Keine vierte Staffel

Die Förderkulisse „Modellprojekte Smart Cities“ will die Digitalisierung in deutschen Kommunen beflügeln und Impulse für innovative, übertragbare Smart-City-Lösungen geben. Ausgestattet ist das Programm insgesamt mit 820 Millionen Euro. Mit dem Start der Förderkulisse im Jahr 2018 war geplant, etwa 45 Modellprojekte in vier Staffeln zu fördern. Aktuell werden in drei Förderstaffeln – 2019, 2020 und 2021 – schon 73 Modellprojekte vom Bund gefördert. Bamberg nimmt an der zweiten Staffel teil. Eine vierte Staffel soll es nach Informationen von #stadtvonmorgen nicht mehr geben.

Mit dem Regierungswechsel 2021 ging die Zuständigkeit für das Bundesprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ vom Innenministerium ans Bauministerium. Dies gilt auch für die dafür eingerichtete Koordinierungs- und Transferstelle Smart Cities, die aus Sicht des Fördermittelgebers den interkommunalen Austausch und Wissenstransfer voranbringen soll. Die Förderkulisse und die Koordinierungsstelle sind nach Angaben des Bauministeriums bis 2030 finanziert.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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