Große Tech-Konzerne haben bei der Kundenschnittstelle oft die Nase vorn. Auch Stadtwerke müssen sich dieser Konkurrenz stellen.

Den Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung schärfte am 9. Februar Jens Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck. Auf der VKU-Veranstaltung „Kommunal & Smart“ stand sein Vortrag unter der Fragestellung „Stadtwerke vs. Globale Tech-Konzerne: Ein Wettstreit um Daten, Plattformen und die digitale Kundenschnittstelle?“ Die Welt der Daseinsvorsorge wandele sich in zwei zentrale Richtungen, stellte er fest: Die Kundenbedürfnisse tendierten zu digitalen Angeboten und der Leistungserbringer sei nicht mehr unbedingt auch im Besitz der Kundenschnittstelle.

Plattformen bestimmen den Markt

Als Beispiele nannte er Airbnb als größte Hotelkette, die aber kein einziges Hotelbett besitze, und Uber als größtes Taxiunternehmen, das kein einziges Taxi selber betreibe. Auch in Tätigkeitsfeldern der Stadtwerke hielten digitale Konzerne Einzug, erläuterte Meier am Beispiel der Fähigkeiten von Google Maps bei der Analyse von Bewegungsdaten und fragte mit Blick auf den öffentlichen Personennahverkehr: „Wie weit ist denn der Schritt noch, dass zukünftig Tickets über Google Maps direkt gebucht werden?“

Auch bei den Strom- und Gasanbietern laufe die Kundenansprache zunehmend über Vergleichsportale, die eine große Marktmacht hätten. Damit stelle sich auch für Stadtwerke in der Energie- und Daseinsvorsorge die Frage: „Sind wir in der Lage, die Kundenschnittstelle zu bedienen und zu halten?” Denn wer die Kundenschnittstelle bediene, gebe die Regeln, die Anbieter, die Preise und die Mechanismen vor.

Lösungen in Kooperation entwickeln

Meier empfahl den Stadtwerken, sie müssten die digitale Souveränität zurückerlangen, und nannte drei Handlungsfelder: Kompetenz ausbauen, eigene Services etablieren und digitale Geschäftsfelder erschließen. Als Beispiel für eine mögliche Herangehensweise nannte er die Urban Data Plattform Lübeck. Dort kämen die Daten der Stadt zusammen, um Transparenz und Effizienz zu erhöhen. Eine Herausforderung sei es, die unterschiedlichen Formate zu verarbeiten und die Daten auf unterschiedlichen Wegen verfügbar zu machen.

Schließlich gab er zu bedenken, dass es nicht sinnvoll sei, wenn jede Stadt eine eigene Plattform entwickle. Daher sei es wichtig, sich zu vernetzen. Er nannte als Beispiele das „Netzwerk digitale Daseinsvorsorge“, zu dem sich zehn Stadtwerke zusammengeschlossen hätten, und die Arbeitskreise des VKU. Es lohne sich, in das Thema einzusteigen. Aber nicht alleine, sondern in Kooperation, betonte Meier.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

 

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