Die „Stadt nach Acht“-Konferenz in Dortmund fokussiert das urbane Nachtleben. Dabei läuft das erste Bundestreffen der Nachtbürgermeister.

Bei der „Stadt nach Acht“-Konferenz, die mit über 100 angekündigten internationalen Experten als Europas größte Fachveranstaltung zum Nachtleben gilt, kommt es zum ersten offiziellen Treffen der deutschen Nachtbürgermeister und Nachtbeauftragten. Die Konferenz findet vom 1. bis 3. September in Dortmund unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Thomas Westphal statt. Die sogenannten Nachtbürgermeister, die in ihrer jeweiligen Stadt das Nachtleben managen und als diesbezügliche Ansprechpartner der Verwaltung fungieren, kommen am 3. September im Deutschen Fußballmuseum zusammen. Bei „Stadt nach Acht“ handelt es sich um eine Leitveranstaltung der Branche des Bundesverbands der Klubs, Festivals und Musikspielstätten (LiveKomm).

Eine Plattform für die Nachtbürgermeister

Mit dem ersten Bundestreffen wolle man den informellen Austausch zwischen kommunalen Nachtmanagern institutionalisieren, sagt Chris Stemann. Als Nachtbeauftragter der Stadt Dortmund ist er in die lokale Organisation der Konferenz eingebunden.

Immer mehr Kommunen entwickelten eine Sensibilität für Nachtökonomie. Rund 20 Nachtbürgermeister oder Nachtbeauftragte verschiedener Städte tauschten sich bereits in einer informellen Gruppe aus. Auf dieser Basis wolle man die Netzwerkarbeit mit dem ersten Bundestreffen nun institutionalisieren und strukturieren. So soll eine neue Organisation entstehen, die als Austauschplattform und Sprachrohr für gemeinsame Anliegen funktioniert.

Coronakrise: Revitalisierung ein Thema der Nachtszene

Angesiedelt ist der Dortmunder Nachtbeauftragte bei der kommunalen Wirtschaftsförderung. In anderen Städten agieren die Nachtbürgermeister im Kontext des städtischen Kulturressorts oder der Ordnungsbehörde. Dies macht die verschiedenen Perspektiven auf das Thema deutlich, die sich auch im Tagungsprogramm der Konferenz widerspiegeln. Dort geht es etwa um Rechtliches und Ordnungspolitisches, um nächtliche Sicherheit, um Nachtkultur oder um Kreativökonomie und Stadtentwicklung.

Ein prägendes, die Branche derzeit umtreibendes Thema ist die Frage nach der Revitalisierung der Szene angesichts der Coronakrise und damit einhergehenden Herausforderungen wie Personalmangel, verändertem Publikumsverhalten oder drohenden neuen Einschränkungen im Herbst. Die Konferenz will Protagonisten der Klubszene, von Musikspielstätten und der Nachtgastronomie mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung zusammenbringen.

„Dortmund Guides“: den öffentlichen Raum im Fokus

Dabei beziehe sich die Arbeit der Nachtmanager nicht ausschließlich auf Klubs und Lokale, sondern umfasse das gesamte Nachtleben, unterstreicht Stemann. Die Nachtbeauftragten hätten vor Ort eine zwischen den Akteuren moderierende Aufgabe. Das betreffe nicht zuletzt den öffentlichen Raum, dessen Funktion als Begegnungsort gerade während des Coronalockdowns angesichts geschlossener Klubs zugenommen habe. Hier gehe es darum, das Spannungsfeld zwischen dem Nachtleben und der Nachtruhe von Anwohnern zu entschärfen.

Exemplarisch verweist Stemann auf ein lokales Pilotprojekt, die „Dortmund Guides“. Die „Dortmund Guides“ ziehen für die Stadt durchs Nachtleben und begrüßen die Nachtschwärmer als Gäste der Stadt. So leisten sie Beziehungsarbeit, erklärt Stemann, und treffen auf eine hohe Akzeptanz. Auf diese Weise gelinge es, an stark frequentierten Orten auf das Geschehen kommunikativ einzuwirken und Konfliktpotentiale präventiv zu abzumildern.

Nachtmanagement als Beitrag zur Stadtattraktivität

Insgesamt widmen sich Städte zunehmend ihrem Nachtleben. Damit einher geht ein neues Bewusstsein für die Relevanz des nachtkulturellen Angebots. Aus Sicht der Stadtentwicklung hat es mehrere Dimensionen: etwa eine ökonomische und wirtschaftliche, eine kulturelle oder eine touristische. Zudem gilt es als Freizeitfaktor und Magnet insbesondere für junge Menschen.

Ein vitales Nachtleben sei Zeichen für Urbanität und Attraktivität einer Stadt, meint Stemann. Immer mehr Städte merkten nicht nur, wie wichtig Nachtökonomie für ihr Profil sei, sondern auch, dass das nächtliche Geschehen zu managen sei. Als Nachtbeauftragter verstehe er sich als „Klebstoff zwischen Nachtszene, Verwaltung und Politik“, so Stemann.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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