Als eine der ersten Städte führte Hannover eine geschlechterumfassende Sprache ein. Darin sieht sich die Stadt durch ein Gutachten bestätigt.

In ihrem Einsatz für eine geschlechterumfassende Sprache sieht sich die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover nun durch ein Gutachten bestätigt. Die Verwendung des Gendersterns sei nicht nur rechtskonform, sondern verwirkliche zudem den Verfassungsauftrag, teilt die Kommune mit. Das diesbezügliche Gutachten wurde am 16. Dezember veröffentlicht. Hannover war eine der ersten deutschen Städte, die ihre Texte entsprechend gestaltet.

Geschlechtergerechte Sprache als Verfassungsauftrag

„Sprache transportiert nicht nur Regeln, sondern formt und gestaltet gesellschaftliche Wirklichkeit. Wir wollen mit der Anwendung der geschlechterumfassenden Sprache in der Stadtverwaltung sehr deutlich machen, dass wir jeden Menschen in der jeweiligen Geschlechtsidentität respektieren. Das ist für mich in einem demokratischen Rechtsstaat unverzichtbar“, sagt Oberbürgermeister Belit Onay.

Erarbeitet wurde das Gutachten von Ulrike Lembke, Rechtsprofessorin an der Humboldt-Universität Berlin. Die Stadt Hannover hatte es beauftragt. Die juristische Expertise zeige, „dass geschlechtergerechte Sprache eine konsequente Umsetzung verfassungsrechtlicher Anforderungen darstellt“, heißt es in der Pressemeldung der Stadt. Hierzu gehöre „die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ebenso wie die verfassungsrechtliche Anerkennung weiterer Geschlechter jenseits von männlich und weiblich“.

Geschlechtergerechtigkeit im staatlichen Sprachhandeln

Eine geschlechtergerechte Amts- und Rechtsprache sei „eine logische Folge aus der gültigen Rechtslage“, so Lembke. Das Grundgesetz schreibe den persönliche Achtungsanspruch jedes Menschen in der jeweiligen Geschlechtsidentität und das Verbot der Geschlechtsdiskriminierung fest. Diese forderten Geschlechtergerechtigkeit im staatlichen Sprachhandeln. Vor etwa drei Jahren hat die Stadt ihre Regeln für eine geschlechterumfassende Sprache eingeführt.

Der Deutsche Rechtschreibrat hatte sich unter anderem zum Einsatz von Sonderzeichen wie dem Genderstern im Schriftbild allerdings ablehnend geäußert. Die Stadt behauptet nun auf Basis ihrer Rechtsexpertise demgegenüber, die Regeln zu geschlechtergerechter Verwaltungssprache entsprächen den Grundrechten. Aus rechtlicher Sicht sei die geschlechtergerechte Amtssprache inklusive des Gendersterns nicht irregulär, sondern garantiere „verfassungskonformes staatliches Sprachhandeln“ im demokratischen Rechtsstaat.

Info

Genderhinweis der Redaktion: Wir streben an, gut lesbare Texte zu veröffentlichen und dennoch in unseren Texten alle Geschlechter abzubilden. Das kann durch Nennung des generischen Maskulinums, Nennung beider Formen („Unternehmerinnen und Unternehmer“ beziehungsweise „Unternehmer/-innen“) oder die Nutzung von neutralen Formulierungen („Studierende“) geschehen. Bei allen Formen sind selbstverständlich immer alle Geschlechtergruppen gemeint – ohne jede Einschränkung. Von sprachlichen Sonderformen und -zeichen sehen wir ab.

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