Wie viele andere Städte stemmt sich Bochum gegen die Coronakrise. Mit einem Zehn-Punkte-Programm will OBM Thomas Eiskirch die Innenstadt stützen.

Die Coronakrise bedroht nicht nur die Wirtschaft und sorgt für hohe zusätzliche Finanzbelastungen von Städten. Auch das gesellschaftliche Zusammenleben leidet. Dies betrifft das Flair von Stadtzentren und das Lebensgefühl in Innenstädten. Mit einem Zehn-Punkte-Programm möchte die Stadt Bochum dem etwas entgegensetzen. Das Programm ist ein Beispiel dafür, wie stark sich Kommunen dafür engagieren, die Auswirkungen der Cornakrise vor Ort einzudämmen.

Zehn-Punkte-Programm: „Gemeinsam mit allen Akteuren“

Bereits im Mai wurde das Zehn-Punkte-Programm aufgelegt. „Wir wollen Vielfalt erhalten“, sagt Oberbürgermeister Thomas Eiskirch dazu. Besonders nach der Phase des Lockdowns gelte es, behutsam die urbane Lebenssituation wieder herzustellen. Diese Anstrengung wolle man „gemeinsam mit allen Akteure unternehmen, dass sie auch nach der Coronakrise ihren Platz in der Stadtgesellschaft ausfüllen können“, so der Oberbürgermeister.

Um die Innenstadt zu stützen, setzt er mit dem Zehn-Punkte-Programm insbesondere auf Handel und Gastronomie. Ziel ist es, die Einzelhandels- und Gastronomiestruktur der Stadt für die Zeit nach der Krise zu erhalten. Über zwei Millionen Euro bringt die Stadt auf. Zudem entfaltet das Hilfsprogramm eine Auswirkung auf das Stadtentwicklungskonzept für die Bochumer Innenstadt.

Coronakrise erhöht die Entwicklungserfordernisse für Innenstädte

Hintergrund für das Zehn-Punkte-Programm waren das Ansammlungsverbot und die Beschränkungen des öffentlichen Lebens vor allem während des Lockdowns. Diese hätten die Frage aufgeworfen, wie sich die City in wichtigen Strukturen zukunftsfähig ausrichten lasse, erklärt Eiskirch.

Ohnehin denke man in Bochum wie in vielen anderen Städten darüber nach, wie die Innenstadt nachhaltig zu entwickeln sei. Dabei spielten auch Trends wie der Rückgang des stationären Einzelhandels eine Rolle. Die Coronakrise habe diese Problematik zusätzlich in den Fokus gerückt.

Zehn-Punkte-Programm in Abstimmung mit Innenstadt-Akteuren

Für das Zehn-Punkte-Programm stimmte sich die Stadt mit ihrer Wirtschaftsförderung und der städtischen Marketinggesellschaft sowie den relevanten Akteuren vor Ort ab. Darunter sind der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, der Einzelhandelsverband, die Industrie- und Handelskammer sowie lokale Interessensgemeinschaften aus Handel und Gastronomie.

„Unter anderem zielt das Programm auch darauf ab, wie wir die Bedingungen so gestalten können, dass in der Phase der Lockerungen das Öffnen die Geschäfte nicht noch mehr belastet, als wenn sie geschlossen blieben“, sagt Eiskirch. So habe man beispielsweise einen Handlungsleitfaden zur Gastronomieeröffnung erarbeitet. Für den Handel habe man eine Hygieneberatung angeboten. Für die Gastronomen entfällt die Sondernutzungsgebühr für Freisitze 2020.

Zudem unterstützt die Stadt ihre Betriebe bei deren Digitalisierung. Dies geschieht nicht nur mit Beratungen, sondern auch mit der Weiterentwicklung eines Portals, das als Onlinemarktplatz und eine Präsentationsplattform für lokale Unternehmen funktioniert.

Darüber hinaus hat das Zehn-Punkte-Programm städtebauliche Auswirkungen auf die Bochumer Innenstadtentwicklung. Aus dem Innenstadtentwicklungskonzept greift es einige Anliegen zur Attraktivierung der City auf. Dazu gehört die Einrichtung temporärer Spielplätze und die Umgestaltung eines Platzes.

Mobilität ein wichtiges Element des Zehn-Punkte-Programms

Ein Willkommenssignal an die Gäste der Bochumer City: OBM Thomas Eiskirch (rechts) bei der Fahrradwäsche. (Quelle: Stadt Bochum/Lutz Leitmann)

Ein Willkommenssignal an die Gäste der Bochumer City: OBM Thomas Eiskirch (rechts) bei der Fahrradwäsche. (Quelle: Stadt Bochum/Lutz Leitmann)

Ein Aspekt sei gewesen, Frequenzanreize für die City zu setzen, ohne gleichzeitig größere Ansammlungen von Menschen heraufzubeschwören, beschreibt Eiskirch die Strategie. Dazu gehört ein Mobilitätspaket: Kurzfristig hat die Stadt ein System entwickelt, um den Kunden der Bochumer Geschäfte die Parkgebühren zu erlassen. Wer außerdem mit dem Fahrrad in die Stadt kommt, erhält an einer zentralen Stelle in der City eine kostenlose Fahrradwäsche bei Vorlage eines Kassenbons für einen Einkauf in Höhe von mindestens zehn Euro.

In einer ersten Phase sei es ein wesentliches Anliegen gewesen, die Menschen überhaupt dazu zu bewegen, in die Innenstadt zu kommen. Angesichts der Abstandsregeln in der Coronakrise habe man den Individualverkehr fokussiert. Grundsätzlich sei es allerdings ein Bestreben der Stadt, den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken. Daher wolle man in einer zweiten Phase für dessen Nutzung Anreize schaffen, sagt Eiskirch. An vier Samstagen von Oktober bis Dezember soll die Nutzung von Bus und Bahn kostenlos sein.

Mit Marketingaktionen für die City werben

Um die Innenstadt zu stärken, setzt das Zehn-Punkte-Programm außerdem auf eine Marketingkampagne, die das Gemeinschaftsgefühl in der Stadt und damit die Solidarität mit lokalen Unternehmern fördern soll. In diesem Zusammenhang baut die Stadt einen Marketingfonds auf, der Marketingmaßnahmen für die Innenstadt finanziert. Der Fonds soll auch in der Zeit nach der Coronakrise noch Wirkung enthalten. Für jeden Euro, den Akteure aus der Innenstadt oder Unternehmer in den Fonds einlegen, gibt die Stadt drei Euro hinzu, maximal 375.000 Euro.

Eine erste, augenfällige Marketingaktion ist die Open-Air-Galerie in der Innenstadt: Bürger konnten im Zeichen von Corona ihre Lieblingskuscheltiere samt Atemschutzmaske fotografieren und einsenden. Davon sind 180 auf Großplanen in der Stadt verteilt zu sehen.

Zehn-Punkte-Programm hilft – Eiskirch fordert Unterstützung von Bund und Land

Vom Zehn-Punkte-Programm erwarte man sich „auch Wirkungen auf den Wirtschaftsstandort als Ganzes“, sagt Eiskirch. „Die Maßnahmen sollen Impulse setzen, um das Vertrauen in den Standort zu stärken und Anreize für eine Wiederbelebung schaffen.“ Das Programm stehe nicht allein, es sei Teil mannigfaltiger Anstrengungen der Stadt zur Bewältigung der Coronakrise. Dazu gehöre auch der sogenannte Bochumer Kulturschirm als Unterstützung der Kultureinrichtungen und Förderungen der freien Szene in Höhe von 120.000 Euro.

Dieses Engagement inklusive des Zehn-Punkte-Programms entfalte eine entlastende Wirkung. „Die Bochumer machen absolut mit“, sagt Eiskirch. Rückmeldungen aus dem Einzelhandel bestätigten ihm, dass die Aktionen zu deutlich mehr Frequenz führten und „für einen Neustart sehr geholfen“ hätten. Auch auf einzelne Projekte wie die Open-Air-Galerie verzeichne man positive Reaktionen. Die Maßnahmen des Zehn-Punkte-Programms fänden Anklang.

Angesichts der aktuell bundesweit wieder ansteigenden Fallzahlen von Coronainfektionen sieht Eiskirch die Erfolge des Zehn-Punkte-Programms nicht gefährdet. Denn neben kurzfristiger Hilfe seien darin auch mittel- bis langfristige Maßnahmen angelegt. Die entlastende Wirkung des Programms habe entsprechend Bestand. Ohnehin dürfe der Mitteleinsatz der Stadt in Höhe von zwei Millionen Euro „kein Strohfeuer“ sein. Er müsse beispielsweise auch dazu mahnen, das Thema Innenstadtentwicklung langfristig nicht aus dem Fokus zu verlieren.

Die Krise könne allerdings nicht von der Stadt alleine bewältigt werden: Gefragt seien auch Land und Bund, unterstreicht Eiskirch.

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