Pflegeheime sind Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Die Insolvenz des Betreibers Curata ruft betroffene Städte und Kreise auf den Plan.

Zu Jahresbeginn stellte die bundesweit tätige Curata für Teile der Unternehmensgruppe Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Unternehmen nennt die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die stark gestiegenen Energiekosten und sonstige allgemeine Preissteigerungen als Grund für die finanzielle Schieflage. „Verschärft wurde die für die gesamte Branche herausfordernde Situation vor allem durch den Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal, der dazu führt, dass wirtschaftlich notwendige Belegungsquoten teilweise nicht erreicht werden können“, heißt es in der Pressemitteilung.

Von der Insolvenz sind auch Pflegeheime der Tochter Curata Care Holding betroffen. Im fränkischen Ochsenfurt und dem hessischen Bad Soden-Salmünster steht die Sorge um Bewohner und Beschäftigte im Fokus der politischen Reaktionen.

Ochsenfurt prüft Übernahme

In Ochsenfurt soll das Kommunalunternehmen KU das Pflegeheim „Fuchsenmühle“ übernehmen. Darum hätten ihn Bürgermeister, Landrat und Abgeordnete dringend gebeten, sagte Vorstand Alexander Schraml dem Branchendienst Altenheim.net. Der kommunale Betreiber habe allerdings immer noch mit der Übernahme eines privaten Pflegeheims in Röttingen vor einem Jahr zu kämpfen.

Main-Kinzig-Kreis will Pflegekräfte halten

In Bad Soden-Salmünster bemüht sich der Main-Kinzig-Kreis unterdessen um die Übernahme der Bewohner und Beschäftigten in kreiseigenen Pflegeeinrichtungen. „Unser übergeordnetes, gemeinsames Interesse ist es, Pflegefachkräfte in der Region zu halten“, erklärt Landrat Thorsten Stolz. Kreis und Stadt haben dazu einen Bewerbertag initiiert. Für Betroffene wurde zudem eine Pflegeplatz-Hotline eingerichtet.

Zahl der Pflegeheime stagniert

Pflegeheime werden zunehmend zum Risiko für private Betreiber. Der Neubau kann die Schließungen nicht kompensieren. Für die ersten zehn Monate 2022 ermittelte die Plattform pflegemarkt.com 102 Neueröffnungen und 117 Schließungen. Insgesamt gebe es mit 11.700 Pflegeheimen in Deutschland nur zwei Prozent mehr als 2018. Aktuell würden rund 230 Pflegeheime gebaut. Die insolvente Curata Care Holding GmbH lag 2022 mit 755 vollstationären Pflegeplätzen auf Rang 16 der größten Betreiber und wies ein Wachstum von 19 Prozent gegenüber des Vorjahrs auf.

Auch kirchliches Pflegeheim schließt

Nicht nur schnell wachsende Privatunternehmen sind in Not geraten. Auch kirchliche Träger stehen vor größeren Schwierigkeiten bei dem Betrieb sozialer Einrichtungen. In Bremen musste zu Jahresbeginn das kirchliche Altenpflegeheim Haus am Kirchweg Insolvenz beantragen. Hier waren wohl das Alter des Gebäudes und die Personalintensität ausschlaggebend für die wirtschaftliche Notlage. Für die Bewohner werden nun neue Plätze gesucht.

Das Alter der Pflegeheime dürfte in Zukunft noch umfangreiche Investitionen erfordern. Die Plattform pflegemarkt.com hat für immerhin 42 Prozent des Bestands ein Alter von mehr als 20 Jahren ermittelt. Das Haus in Bremen stammt aus den 1970er Jahren und repräsentiert damit lediglich noch vier Prozent des Gesamtmarktes.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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