Die Energiepreise steigen und entwickeln sich zur sozialen Frage. Kassel will gegensteuern – etwa mit einem Energiezuschuss.

Die Stadt Kassel und die örtlichen Stadtwerke möchten angesichts des angespannten Energiemarktes die Bürger von steigenden Preisen entlasten. Dafür stellen die Stadtwerke ihre Tarifstruktur um und bieten neue Sonderverträge an. Oberbürgermeister Christian Geselle schlägt dem Stadtrat außerdem ein Entlastungspaket vor. Dabei geht es um einen Energiezuschuss. Die Initiativen stehen auch im Kontext des Ukrainekonflikts, der mit seinen geopolitischen Effekten auf die Energiemärkte die Preissteigerungen zusätzlich antreibt.

Geselle schlägt einen Energiezuschuss vor

„Die Kosten für Strom und Heizung sind für viele Menschen schon jetzt zu einer großen finanziellen Last geworden – und zum kommenden Winter hin sind durch die Lage an den internationalen Energiemärkten weiter steigende Preise zu befürchten“, sagt Geselle. Dem wolle man entgegenwirken.

Dafür plant Geselle einen einmaligen Energiezuschuss. Der soll sich an Einwohner mit Erst- und Hauptwohnsitz in Kassel richten. Seine Idee möchte er in die städtischen Gremien einspeisen. Dort will er auch erste Details wie die Zuschusshöhe vorstellen. Der Vorstoß knüpfe gedanklich an die städtische Soforthilfe in der Coronakrise an. Danach wäre ein solcher Energiezuschuss „ein weiteres Unterstützungspaket in einer schwierigen Zeit“, so Geselle.

Städtische Werke passen Tarifstruktur an

Auch die Städtischen Werke reagieren in ihrer Tarifstruktur auf die steigenden Energiepreise. Konkret passen sie ihren Tarif für die Grundversorgung zum 1. Juni an. Gleichzeitig bieten sie ihren Kunden in Sonderverträgen außerhalb der Grundversorgung günstigere Spezialtarife und stabile Preiskonditionen für Strom und Gas an. Diese Verträge setzen eine Bindung bis zum 31. Mai 2023 voraus. „Wir wollen, dass die Kunden planungssicher und preisstabil durch den nächsten Winter kommen“, erklärt Geselle, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke ist. Im Bereich Strom trägt außerdem die Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli zur Entlastung bei.

Hintergrund der Tarifanpassung in der Grundversorgung sind die Verwerfungen des Energiemarktes, die zuletzt einen Ausfall zahlreicher sogenannter Billiganbieter zur Folge hatten. Dies führte – nicht nur bei den Stadtwerken in Kassel – zu einem plötzlichen Zustrom von Neukunden in die Grundversorgung beziehungsweise in die sogenannte Ersatzversorgung meist kommunaler Unternehmen.

Städtische Werke rücken vom „Preissplitting“ ab

Um langjährige Bestandskunden, auf deren Basis die Energieversorger mittelfristig ihre Preise kalkuliert hatten, nicht schlechter zu stellen, splitteten manche daher ihren Tarif. Neukunden, für die kurzfristig neue, deutlich teurere Energiemengen zu beschaffen waren, mussten entsprechend mehr zahlen. Ein solches Splitting gilt auch seit Dezember für Neukunden in Kassel.

Bundesweit ist das „Preissplitting“ in der Grundversorgung allerdings umstritten. Die Preisanpassung nehmen die Städtischen Werke Kassel also zum Anlass, um ihren gesplitteten Tarif wieder zu vereinheitlichen. Bestands- und Neukunden zahlen dasselbe. Für Bestandskunden bedeutet dies in der Grundversorgung eine Preiserhöhung, für Neukunden eine -senkung.

Hoffen auf Entspannung der Energiemärkte

In vielen Städten drohen die steigenden Energiepreise soziale Fragen aufzuwerfen. Angesichts des Ukrainekriegs und des weiterhin hohen Energiepreisniveaus sei eine belastbare Prognose zur weiteren Preisentwicklung derzeit nicht möglich. „Sobald die Energiemärkte nachgeben und die Preise für Strom und Gas sinken, werden wir das unmittelbar an unsere Kunden weitergeben“, hofft Stadtwerke-Chef Michael Maxelon „auf eine baldige Entspannung der Lage“.

Info

Intensiv begleitet #stadtvonmorgen die Reaktionen der deutschen Städte auf den Ukrainekonflikt. Hier geht es zu den neuesten Entwicklungen aus kommunaler Perspektive.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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