Der demographische Wandel dünnt die Personaldecke der Verwaltungen aus. Qualifizierung und Zuwanderung könnten den Fachkräftemangel mildern.

Die Zahl der Erwerbstätigen hat in Deutschland einen Höchststand erreicht. „Im Jahresdurchschnitt 2022 waren rund 45,6 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig“, meldet das Statistische Bundesamt zu Jahresbeginn 2023. Auch im öffentlichen Dienst wurde Mitte 2021 mit 5,1 Millionen Menschen ein Maximum verzeichnet. Gegenüber 2020 hatte sich die Zahl der Beschäftigten um 125.600 erhöht. Besonders stark waren die Zahlen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie bei der Polizei gestiegen.

„Potenziale der Digitalisierung nutzen“

Von diesem Niveau führt der demographische Wandel jedoch absehbar in einen sich verschärfenden Fachkräftemangel. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) spricht von sieben Millionen Arbeitskräften, die Deutschland bis 2035 dadurch verloren gehen werden. Aus dem öffentlichen Dienst der Kommunen scheiden in den nächsten zehn Jahren mehr als 500.000 Beschäftigte aus, warnt der Kommunalverband. Es drohen Personallücken in den Verwaltungen. „Wir müssen dringend gegensteuern und gleichzeitig die Potenziale der Digitalisierung besser nutzen“, sagte DStGB-Präsident Uwe Brandl zu Jahresbeginn auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Einschränkung der Daseinsvorsorge droht

„Der Staat ist am Limit“, heißt es auch aus dem Beamtenbund (dbb). Der dbb rechnet angesichts von Personalmangel und Investitionsstau mit erheblichen Einschränkungen in der Daseinsvorsorge. Anlässlich der Veröffentlichung des „dbb Monitor Öffentlicher Dienst 2023“ warnte dbb-Chef Ulrich Silberbach am 29. Dezember 2022 in Berlin vor einer Fehleinschätzung der Personalausstattung. „Niemand sollte mit Blick auf die Fünf-Millionen-Marke, die der öffentliche Dienst mit seinen Beschäftigten im letzten Jahr erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder erreicht hat, dem Irrglauben verfallen, es sei ausreichend Personal für die Leistungen der Daseinsvorsorge vorhanden“, sagte er.

Vorrang der Privatwirtschaft gefordert

Aus der Wirtschaft kommen unterdessen Appelle zur Verringerung des öffentlichen Dienstes. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), forderte vor Weihnachten „eine Diät“ des Staates. „Der Staat verschläft die Digitalisierung und weitet dafür seinen Personalbestand fortlaufend aus”, sagte Dulger am 23. Dezember der „Bild“. Er sauge Talente aus den produktiven Bereichen und verschärfe das Arbeitskräfteproblem für die Wirtschaft.

Qualifizierung und Zuwanderung hilfreich

Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) sieht als mögliche Lösungen des Fachkräftemangels sowohl die digitale Qualifizierung der Beschäftigten als auch die Fachkräftegewinnung im Ausland. In einer Pressemitteilung zur Auslobung der „Auszeichnung für exzellentes Digitales Lernen im Öffentlichen Verkehr“ erinnerte die VDV-Akademie zu Jahresbeginn an das „Jahr der Kompetenzen“, das die Europäische Kommission für 2023 ausgerufen hat. Damit verbunden sei die Initiative, gezielter Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben und ihre Qualifikationen besser und schneller anzuerkennen.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

Info

Zum Thema Fachkräftemangel hat die Beratungsgesellschaft PwC die Studie „Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor“ veröffentlicht, in der weitere Handlungsempfehlungen zu finden sind.

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