Das Konzept der Gartenstadt hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert. Teile der Idee überdauern: modellhaft zu sehen in Potsdam.

Die Idee des urbanen Wohnens im Grünen und eines planvollen Entwurfs der Stadt mit funktionaler Raumaufteilung anstelle des unkontrollierten Wachstums der industriell getriebenen Metropolen: In diesem Geist steht die sogenannte Gartenstadtbewegung. Die städtebauliche Strömung nahm zum Ende des 19. Jahrhunderts ihren Anfang in England und verbreitete sich rasch auch nach Deutschland. Selbst wenn das ursprüngliche Gartenstadt-Konzept längst verstaubt ist, liegt der Gedanke einer Grünen Großstadt aktuell doch wieder im Trend. Die sogenannte „Gartenstadt Drewitz“ in Potsdam ist dafür ein Beispiel. Sie zeigt, was die Idee einer Gartenstadt heute bedeuten kann.

Moderne Stadtentwicklung: „Gartenstadt Drewitz“

Gerade wurde das Stadtentwicklungsprojekt beim Deutschen Kommunalkongress des Deutschen Städte- und Gemeindebunds als Vorbild mit dem KfW Award Leben ausgezeichnet. In der „Gartenstadt Drewitz“ fließen wesentliche Ansätze der modernen Stadtentwicklung zusammen. Es geht um eine tiefgreifende urbane Transformation, die soziale, wohnraumpolitische, infrastrukturelle und städtebauliche Aspekte integriert berücksichtigt. Dabei spielt das Streben nach einer klimaneutralen Energieversorgung eine prägende Rolle. Die „Gartenstadt Drewitz“ möchte das erste emissionsfreie Stadtteil der brandenburgischen Landeshauptstadt werden.

2009 wurde die Idee der „Gartenstadt Drewitz“ geboren. Auf Basis einer Bürgerbeteiligung entstand dafür ein Masterplan. Aus dem einst kargen Viertel, das geprägt war von fünfgeschossigen Plattenbauten, breiten Straßen und versiegelten Freiflächen, entsteht seit dem ein lebendiges Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität und Identifikationskraft. Für die Stadterneuerung wichtige Akteure sind neben der Stadt der kommunalnahe Energieversorger Energie und Wasser Potsdam (EWP) sowie die städtische Gesellschaft ProPotsdam, die in dem Stadtteil über rund 1.650 Wohnungen verfügt.

Eine gründurchzogene urbane Landschaft

Der Stadtumbau hat aus den früher versiegelten Flächen, Parkplätzen und Straßen heute eine gründurchzogene urbane Landschaft gemacht. Die Wohnblöcke sind neuerdings umgeben von Stadtgrün und Parkanlagen. Eine konsequente Förderung des Umweltverbundes – inklusive fußläufiger Erreichbarkeit der Bus- und Tramhaltestellen in weniger als 400 Metern von den Wohnungen – soll dazu beitragen, den motorisierten Individualverkehr weiter zurückzudrängen.

Überdies sind für die Quartiersentwicklung sozialräumliche Kriterien maßgeblich. Dies zeigt sich etwa an dem Begegnungszentrum, das im Umfeld einer sanierten Grundschule entstanden ist, oder an einem neuen Ärztehaus. Dort, wo die Wendeschleife einer Straßenbahn einmal das Quartier durchschnitten hatte, findet sich heute ein Urban-Gardening-Projekt. Damit zeichnet sich das Viertel durch eine soziale Infrastruktur sowie Räume zur Begegnung, Interaktion und Kommunikation aus.

Klimaschutz und soziale Aspekte miteinander verbinden

Darüber hinaus bestimmt der Fokus auf Klimaanpassung und Klimaschutz die städtebaulichen Pläne. Dazu gehört zuvorderst das Thema Energie. Beispielsweise sinkt der private Energiebedarf im Viertel durch die umfassende Sanierung der Plattenbauwohnungen deutlich. Gleichzeitig tragen viele der sanierten Wohneinheiten sozialen Anforderungen an Barrierefreiheit oder bezahlbares Wohnen Rechnung. So verbindet die Umgestaltung der „Gartenstadt Drewitz“ den Klimaschutz mit sozialen Aspekten.

Genauso orientiert sich die Versorgungsinfrastruktur an den kommunalen Klimaschutzzielen. Perspektivisch wird das Quartier auf dem Weg zur Emissionsfreiheit mit grüner Fernwärme und grünem Strom versorgt. Die rund 1.650 kommunalen Wohnungen sollen bis 2025 klimaneutral sein.

„Gartenstadt Drewitz“ gewinnt KfW Award Leben

Für diese „Transformation vom Plattenbau zur klimaneutralen, grünen Wohnanlage mit hoher Lebensqualität und attraktiver Mobilitätslösung“ erhält die „Gartenstadt Drewitz“ den diesjährigen KfW Award Leben in der Kategorie „Energetische Stadtsanierung“. Mit dem Preis zeichnet die KfW Bankengruppe vorbildliche und innovative Stadtentwicklungsprojekte aus, die im Kontext des gesellschaftlichen Wandels stehen. Der Award wurde beim Deutschen Kommunalkongress zum ersten Mal vergeben.

Neben Potsdam wurden damit in der Kategorie „Energetische Stadtsanierung“ die Stadt Geisa mit der Sanierung ihrer denkmalgeschützten Altstadt und Renaturierungsprojekten sowie ein Pilotprojekt für die Nahwärmeversorgung in Bielefeld prämiert. Darüber hinaus gibt es in den Kategorien „Digitale Bildung“ und „Soziales und bezahlbares Wohnen“ insgesamt sieben weitere Preisträger.

Info

Weitere Informationen zum KfW Award Leben und den ausgezeichneten Projekten gibt es hier auf der Webseite der KfW.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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