Bund, Länder, Kommunen und Sportvertreter arbeiten an neuen Maßnahmen zur Sportförderung. Das betrifft auch den Städtebau.

Der sogenannte Bewegungsgipfel unter dem Motto „Bewegung und Sport für Alle“ spricht sich dafür aus, die Rahmenbedingungen für Bewegung und Sport in Deutschland zu verbessern. Dies betrifft auch den Städtebau. An dem Gipfel nahmen am Dienstag Vertreter der Bundesregierung und der Länder, des Städtetags, des Städte- und Gemeindebunds (DStGB), des Deutschen Olympischen Sportbunds sowie der Sportjugend teil. „Der Bewegungsgipfel ist ein Signal des Aufbruchs“, heißt es in der offiziellen Gipfelerklärung. Die kommunalen Spitzenverbände begrüßen die getroffenen Verabredungen, kritisieren allerdings das Fehlen von Finanzzusagen.

Bewegungsgipfel als „Signal des Aufbruchs“

Die Gipfelteilnehmer schreiben dem Sport gesellschaftlich relevante Funktionen zu. Dazu zählen sie etwa die Förderung von Integration und Inklusion, von Gesundheit und sozialem Zusammenhalt, ehrenamtliches Engagement oder non-formale Bildung. Sport und Bewegung stünden für „Lebensqualität, Wohlbefinden und Gesundheit“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Und: „Bewegung und Sport benötigen eine gute Infrastruktur und vielfältige Bewegungsräume.“

Hierfür spielen die Kommunen eine zentrale Rolle. Nach Auskunft des Städtetags und des Städte- und Gemeindebunds bringen die Kommunen rund 80 Prozent der öffentlichen Gesamtausgaben für den Sport auf. Zwei Drittel der deutschen Sportstätten sind in kommunaler Hand. Hinzu kommen Parks und Grünanlagen mit öffentlichen Bewegungsräumen.

„Runder Tisch Bewegung und Gesundheit“

„Mit der heutigen gemeinsamen Erklärung machen wir uns auf den Weg: Sport soll zugänglicher, sichtbarer und attraktiver werden“, sagt Städtetagpräsident Markus Lewe. Dies wirke den negativen, „bewegungshemmenden“ Effekten der Coronakrise, durch die insbesondere Heranwachsende in einen gefährlichen „Bewegungsrückstand“ geraten seien, entgegen. Dafür zögen Kommunen, Bund, Länder und der organisierte Sport nun „an einem Strang“.

„Aus Sicht der Städte ist es entscheidend, dass aus dem Bewegungsgipfel konkrete Initiativen mit messbaren Zielen entstehen“, sagt Lewe. Laut der Gipfelerklärung wollen die Akteure gemeinsam Maßnahmen erarbeiten, „um Bewegung und Sport für alle Menschen in Deutschland möglich und einfach erreichbar zu machen“. Ideen dafür sollen an einem „Runden Tisch Bewegung und Gesundheit“ bis Ende 2023 gefunden werden – zusammen mit Sozialversicherungsträgern, Verbänden und der Wissenschaft. Zudem soll ein „Kernstück des weiteren Prozesses“ die Arbeit an einem „Entwicklungsplan Sport“ sein.

Der öffentliche Raum als sportlich nutzbare Stätte

Viele der diskutierten Themen fallen dabei in den Beritt der Städte und korrespondieren mit den Aspekten einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Unter anderem geht es um aktive Alltagsmobilität. Im Papier heißt es: „Der Bund wird in den nächsten Jahren die Länder und Kommunen bei dem Bau flächendeckender und sicherer Radinfrastrukturen vor Ort und im Fernradwegenetz weiter kontinuierlich unterstützen. Für den Fußverkehr wird eine nationale Fußverkehrsstrategie erarbeitet.“

Neben den Sportstätten fokussiert der Bewegungsgipfel auch „urbane Grün- und Freiräume“. Er zielt darauf ab, das Konzept „multifunktionaler Räume, die die Funktionen von Stadt-, Grün-, und Sport- und Bewegungsflächen kombinieren“, zu etablieren. Diese trügen dem veränderten Sport- und Freizeitverhalten mit einer steigenden Bedeutung des selbstorganisierten Sports und wohnortnaher Bewegungsräume Rechnung. Angestrebt sei die Qualifizierung von öffentlichen Räumen als sportlich nutzbare Stätten sowohl für den organisierten als auch für den „freien“ Sport.

Sportentwicklungsplanung als Querschnittsaufgabe

Die Sportentwicklungsplanung in Kommunen gewinne dafür laut Gipfelerklärung an Relevanz. Sie sei Teil einer integrierten Stadtentwicklung und diesbezüglich eine Querschnittsaufgabe. Diese betreffe zahlreiche kommunale Handlungsfelder – etwa die Bereiche Bildung, Jugend, Soziales, Stadt-, Verkehrs- und Grünflächenplanung oder Gesundheit.

Dabei weist Lewe auf die Sanierungsnotwendigkeit vieler Sportstätten hin. Dafür müssten sich Bund und Länder „stärker engagieren“. Für eine kommunale Sportentwicklungsplanung brauche es „eine finanziell unterlegte Perspektive, damit Sport vor Ort gute Bedingungen erhält und die ganze Gesellschaft davon profitiert“. Im Januar 2022 regte der Städtetag ein Engagement des Bundes für die Sanierung und den Neubau von Sportstätten in der Größenordnung von jährlich einer Milliarde Euro an.

Städtetag und DStGB: Finanzzusagen fehlen

Auch der Präsident des DStGB Ralph Spiegler fordert von Bund und Ländern mehr finanzielle Unterstützung für kommunale Sportstätten. Er kritisiert, dass sich diesbezüglich keine Verpflichtung in der Gipfelerklärung findet. Der Sanierungsbedarf für alle Sportstätten in Deutschland – kommunale und in der Trägerschaft von Vereinen – liege bei rund 31 Milliarden Euro. Spiegler: „Es braucht ein auskömmliches und langfristig angelegtes Sportstätteninvestitionsprogramm, das sowohl Sanierung als auch den Neubau ermöglicht und sich an einer modernen Sportraumkonzeption orientiert.“

a.erb@stadtvonmorgen.de

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