Die Stadt Offenbach will Schwammstadt werden. Dafür berät das Lokalparlament heute über eine neue Niederschlagswassersatzung.

Die hessische Stadt Offenbach will eine sogenannte Schwammstadt werden. In diesem Zusammenhang berät die Stadtverordnetenversammlung heute über eine neue Niederschlagswassersatzung. Die soll dazu beitragen, dass Regenwasser dezentral verdunstet oder versickert und nicht die Kanalisation belastet.

Offenbachs Transformation zur Schwammstadt

Die „Satzung über den dezentralen und nachhaltigen Umgang mit Niederschlagswasser“ bezieht sich auf Dächer von Häusern oder Tiefgaragen, deren Fläche größer als 30 Quadratmeter ist. Neubauten oder bauliche Veränderungen müssen zukünftig so gestaltet sein, dass mit dem Niederschlagswasser vor Ort umgegangen wird und es nicht in die Kanalisation fließt. Dies soll die urbane Transformation in Richtung Schwammstadt einleiten und einen Beitrag zur Klimaresilienz Offenbachs leisten.

Die Stadt erwartet sich von der Niederschlagswassersatzung mehrere Effekte. Die Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung verweist auf die „zuwachsbedingte Entwicklung der Stadt“, die „zur Versiegelung weiterer Flächen“ führe. Demgegenüber soll die dezentrale Bewirtschaftung des Niederschlagswassers einer zusätzlichen Belastung der Kanalisation entgegenwirken und damit nicht zuletzt gegebenenfalls anfallende Kosten für den Infrastrukturausbau reduzieren.

Klimaresilienz: Als Schwammstadt gegen Trockenheit und Hitze

Zudem trägt das dezentrale Versickern des Wassers zur Grundwasserneubildung bei. Davon erwartet sich die Stadt unter anderem positive Effekte auf die von zunehmender Trockenheit und Hitze bedrohte urbane Vegetation sowie die stadtklimatische Funktion des Baumbestands. Für die Kommune bedeute dies durchaus eine Unterstützung bei der Bewässerung ihres Grüns.

Ebenso könne die Verdunstung von Regenwasser das Stadtklima begünstigen, was die Kühlung in Trockenperioden und Hitzephasen betrifft, heißt es in der Beschlussvorlage. Darüber hinaus zielt die dezentrale Bewirtschaftung des Niederschlagswassers darauf ab, im Fall von katastrophalen Starkregenereignissen das städtische Entwässerungssystem zu entlasten.

Neues Verständnis für den Umgang mit Wasser in der Stadt

Im Sinne der Katastrophenvorsorge hatte die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen November die „Umsetzung des Schwammstadtkonzepts“ beschlossen. Das Konzept der Schwammstadt ist Zeichen für ein neues Verständnis vom Umgang mit Wasser in der Stadt. Es geht nicht mehr darum, die Stadt zu entwässern und von Niederschlagswasser zu „befreien“. Das Ziel ist vielmehr eine „schwammartige“ Infrastruktur.

Die Schwammstadt nimmt Wasser auf und gibt es ab, versickert und verdunstet es, um so das urbane Kleinklima zu beeinflussen. Auf diese Weise verfügt sie außerdem über dezentrale Kapazitäten, um Wasser zu absorbieren, und mildert so mögliche Überschwemmungen im Fall von Starkregenereignissen ab. Die neue Niederschlagswassersatzung ist ein Instrument für den Umbau Offenbachs in Richtung Schwammstadt.

Offenbach verfolgt Schwammstadtkonzept

Um sich als Schwammstadt schärfer zu profilieren, plant Offenbach darüber hinaus weitere Maßnahmen. Dazu gehört die Entsiegelung von Flächen, um dort die Voraussetzungen für das Versickern von Regenwasser zu verbessern. Etwa fördert die Stadt sogar finanziell private Entsiegelungen mit dem Ziel, an deren Stelle dauerhaft neue Grünflächen zu schaffen.

Ebenso forciert die Stadt dezentrale Rückhaltezonen oder -bauwerke für Niederschlagswasser. Beispiele dafür sind multifunktionale Flächen – etwa Parkanlagen, in denen sich das Regenwasser sammeln und später „gebremst“ abfließen, verdunsten oder versickern kann.

a.erb@stadtvonmorgen.de

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