Die Wohnraumpolitik einer Stadt spiegelt ihr urbanes Profil: Zum Unistandort gehört der Blick auf Studentenwohnen und steigende Mieten.

In urbanen Zentren nimmt der Preisdruck auf den Wohnungsmarkt zu. Dies bringt vielerorts nicht nur soziale Fragen mit sich, sondern wirkt auch auf die Profilierung von Städten. Denjenigen, die sich etwa als Wissenschafts- oder Universitätsstandorte profilieren und attraktiv für Studierende sein wollen, sollte daran gelegen sein, das örtliche Wohnraumangebot entsprechend zu gestalten. Zwar können Städte die Kontexte des Marktes und der Förderkulissen nur bedingt beeinflussen – dennoch haben sie durchaus Handlungsoptionen. Dies betrifft auch den Städtebau.

Studentenwohnen: Wohnraumverknappung zeigt sich

In der Nische des studentischen Wohnens zeigen sich Effekte der Wohnraumverknappung. Während der Preisdruck auf den Wohnraummarkt allgemein steigt und die Verfügbarkeit von adäquatem Wohnraum sinkt, wächst gleichzeitig die Zahl der Studierenden weiterhin konstant. Dies führt dazu, dass es vor allem in Ballungszentren für Studierende schwieriger wird, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Gleichzeitig weist der Fokus auf das studentische Wohnen auch auf Stellschrauben hin, an denen Kommunen drehen können, um der Überhitzung des Wohnungsmarktes zumindest entgegenzuwirken.

„Das fängt bei der lokalen Stellplatzsatzung an“, sagt Simon Hübner, Geschäftsführer bei GBI Wohnungsbau. Das Unternehmen widmet sich unter anderem dem geförderten und freifinanzierten Studentenwohnen. Insgesamt hat es 18 Gebäudekomplexe mit knapp 3.000 Apartmentplätzen für Studierende im Markt (siehe Info unten). Bisweilen stellten lokale Formalitäten allerdings die Realisierbarkeit solcher Projekte in Frage, erklärt Hübner.

Lokale Formalitäten versus Stadtstrategie

Beispiel: Stellplatzsatzung. Selbst im Bereich des geförderten studentischen Wohnens gibt es definierte Stellplatzschlüssel – oft haben Studierende aber überhaupt kein Fahrzeug. Dass die geforderten Stellplätze pro Wohneinheit dennoch vorhanden sein müssen, verteuert den Bau und die Vermietung der Wohnung. Letztendlich macht dies manche Projekte für Studentenwohnen schlicht unwirtschaftlich. Ohnehin widerspricht eine hohe Anzahl vorgeschriebener Automobilstellplätze teils lokalen Strategien für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die sich weg vom Individualverkehr orientiert, sowie der Idee moderner Quartiere mit hoher Nutzungsdurchmischung und kurzen Wegen.

Die Impulse, die Kommunen für den Wohnungsmarkt setzen können, lassen sich also bisweilen mit überschaubaren Handgriffen realisieren – etwa durch eine Anpassung der Stellplatzsatzung. Als weiteres Beispiel nennt Hübner serielle Baugenehmigungen, also die Erteilung einer einzigen Baugenehmigung für einen Häusertyp. Damit lassen sich Genehmigungsverfahren beschleunigen, was insbesondere größeren Entwicklungsprojekten zugutekommt. Dies kann Investitionen in den Wohnungsmarkt begünstigen.

Wohnraumpolitik: Städte können marktsteuernd wirken

Darüber hinaus könnten Kommunen steuernd eingreifen, indem sie etwa bei Grundstücksverkäufen im Rahmen städtebaulicher Verträge mit den bauenden Projektgesellschaften Zweckbindungen und gegebenenfalls gewünschte Miethöhen vereinbarten. Auf diese Weise könnten sogar zielgruppengerichtet nachhaltige Impulse gesetzt werden, auch im Sinne des studentischen Wohnens.

Gleichsam könne die jeweilige Landespolitik helfen. Hübner verweist auf diverse Förderprogramme, was studentischen Wohnraum betrifft. Darunter sind Tilgungsnachlässe bei Baudarlehen, die an Kriterien wie die studentische Vermietung oder die Miethöhe geknüpft sind. Idealerweise ergänzten sich kommunale Strategien mit der Förderkulisse des jeweiligen Landes.

Allerdings: Die kommunale Vielgestaltigkeit und die landesspezifische Ausgestaltung der Förderprogramme führten zu einer gewissen Unübersichtlichkeit. Daher spricht sich Hübner für eine stärkere Harmonisierung der teils lokal, teils regional und teils landesweit variierenden Reglements im Sinne der Wohnraumförderung aus.

Info: GBI und Smartments student

Wohnraum für Studierende: die Smartments student in Hamburg. (GBI Holding AG/Bernadette Grimmenstein)

Wohnraum für Studierende: die Smartments student in Hamburg. (GBI Holding AG/Bernadette Grimmenstein)

Die GBI Unternehmensgruppe entwickelt Hotel-, Apartment- und Wohnprojekte. Sie ist 100-prozentige Tochter der Moses Mendelssohn Stiftung und besteht operativ aus der GBI AG und der GBI Wohnungsbau GmbH. Unter dem Label „Smartments“ bietet GBI moderne Wohnlösungen für Zielgruppen – Smartments business für geschäftliches Wohnen, Smartments living für urbanes Wohnen und Smartments student für studentisches Wohnen. Dabei bezieht sie den geförderten Wohnungsbau in ihre Tätigkeiten ein.

Für den studentischen Bereich hat GBI 18 Häuser in Deutschland und Österreich mit insgesamt 2.997 komplett eingerichteten Apartments zur Vollinklusivmiete in Betrieb. Die jeweilige Projektentwicklung entspricht dabei dem gemeinnützigen Geist der Stiftung, die die Förderung der europäisch-jüdischen Verständigung zum Zweck hat. Der Tradition der Stiftung folgend, trägt jedes Apartment den Namen einer herausragenden jüdischen Persönlichkeit, die aufgrund ihrer Biografie mit der jeweiligen Stadt verbunden ist.

Das Foto oben zeigt einen Gebäudekomplex mit Smartments student in Berlin.

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