Die Genehmigungen im Wohnungsbau sind gesunken, die Baukosten stark gestiegen. Bayerns Gemeindetag fordert den Abbau von Hemmnissen.

Der Wohnungsbau durchläuft gerade ein Zwischentief. Die Zinsen für Baukredite haben sich spürbar erhöht. Für eine Laufzeit von 10 Jahren werden aktuell zwischen 2,5 und 3,0 Prozent p.a. berechnet. Gleichzeitig steigen die Baukosten, weil Material und Fachkräfte fehlen. Gerade für den Bau von Einfamilienhäusern ist diese Mischung brisant. Bauherren müssen ihre Kalkulation anpassen und die Finanzierung überprüfen.

Das schlägt sich auch in den Baugenehmigungen nieder. Sie lagen laut Statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr 2022 um 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser sank um 17,0 Prozent. Dagegen stiegen die Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser im gleichen Zeitraum um 7,8 Prozent.

Baupreise stark gestiegen

Im Wohnungsbau dämpfen die gestiegenen Herstellkosten die Nachfrage. Die Bauleistungen für Wohngebäude haben sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Mai 2022 um 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verteuert. Allerdings haben gleichzeitig auch die Preise für Einfamilienhäuser um 15,6 Prozent zugelegt. Den höheren Herstellkosten stehen also aktuell auch höhere Wiederverkaufswerte gegenüber. Ob das auch in Zukunft so bleibt, ist allerdings offen.

Die Beratungsgesellschaft PwC hat in einer Studie untersucht, wie sich die Baupreise in den kommenden Jahren entwickeln werden. Bis 2024 dürften sie um weitere 14 Prozent steigen, schreiben die Autoren mit Hinweis auf Prognosen des Forschungsinstituts DIW. Weiterhin besteht ein Aufwärtsdruck auf die Preise für Energie, Material und Löhne, da die Knappheiten in diesen Bereichen anhalten.

Hemmnisse sollen fallen

Doch der Rückgang bei den Baugenehmigungen wird wohl nicht anhalten. Die Nachfrage dürfte sich wieder erhöhen, wenn die derzeit aufgeschobenen Projekte nachgeholt werden, folgert die Studie. Schließlich hält der politische Druck auf die Bauwirtschaft an, neue Wohnungen zu bauen. Die Bundesregierung hat den Neubau von 400.000 Wohnungen als Ziel ausgegeben. Davon sind die aktuellen Zahlen von 161.177 Genehmigungen für Wohnungen in neu zu errichtenden Wohngebäuden im ersten Halbjahr 2022 noch weit entfernt.

Um dem Wohnungsbau in Bayern Auftrieb zu geben, hat der Bayerische Gemeindetag 10 Positionen und Forderungen zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum veröffentlicht. Sie wurden am 18. August im Rahmen einer Pressekonferenz in Oberhaching vorgestellt. Präsident Uwe Brandl sagte dazu: „Die soziale Sprengkraft des Megathemas Wohnen ist groß und der Verfassungsauftrag ist klar: Die Städte und Gemeinden spielen bei der Schaffung von bedarfsgerechtem und bezahlbarem – mithin gutem – Wohnraum eine zentrale Rolle! Wir wollen den Wohnraum schaffen, den die Menschen brauchen, in Stadt und Land. Der Gesetzgeber ist aufgerufen, hierfür die optimalen Bedingungen zu schaffen.“

Zu den Forderungen zählen ein gemeinwohlorientiertes Bodenrecht, eine Bodenbevorratung in den Kommunen, die Erleichterung von Planungsverfahren sowie die Überprüfung von Baunebenkosten und Baustandards. Gemeinden sollten für die Schaffung von Wohnraum belohnt werden. Rechtliche Hemmnisse für die Schaffung und Sicherung bezahlbaren Wohnraums sollen beseitigt werden. Schließlich wird auch eine bessere Verkehrs- und Datenanbindung im ländlichen Raum gefordert.

g.schilling@stadtvonmorgen.de

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