Es ist eine wilde Jagd auf Abfall und Müll mit Handy und App im urbanen Dschungel: In Frankfurt am Main sind echte Abfalljäger unterwegs. Dafür gibt es ein Gewinnspiel: Wer achtlos weggeworfene Abfälle im Stadtgebiet aufhebt, in einem Müllbehälter entsorgt und den Vorgang fotografiert, kann per App an einer Verlosung teilnehmen und hat die Chance, unter anderem Einkaufsgutscheine abzuräumen. Nach Angaben der Stadt werden so pro Monat über 1.800 Fotos eingeschickt und entsprechende Abfälle aus dem Stadtbild entfernt. Die Idee für die „Abfalljagd“ stammt vom städtischen Zero Waste Lab, einem lokalen Ideenpool für die Abfall- und Kreislaufwirtschaft.
Eine Denkfabrik zur Abfallreduktion
Das Zero Waste Lab ist eine Art Denkfabrik der Stadtgesellschaft, mit dem die Stadt Frankfurt auf ihrem Weg zur Zero Waste City innovative Ideen aus der Bürgerschaft zur Abfallreduktion sammelt. Im November 2022 wurde es beim kommunalen Entsorgungsbetrieb FES eingerichtet. Zusammen mit dem städtischen Umweltamt betreibt die FES das Zero Waste Lab.
Dort können Bürger Ideen zur Abfallvermeidung und -reduktion einreichen. Ein 17-köpfiges Expertengremium, in dem Vertreter der Stadt, von gemeinnützigen Organisationen und aus der Wissenschaft sitzen, prüft diese Ideen dann auf ihre Umsetzbarkeit. Fällt die Prüfung positiv aus und lassen sich die Vorhaben mit den vorhandenen Ressourcen realisieren, treibt das Zero Waste Lab die Projekte voran. Außerdem motiviert das Zero Waste Lab bei der Umsetzung dieser Projekte zu bürgerschaftlichem Engagement und bietet denjenigen, die sich ehrenamtlich für eine saubere Stadt einsetzen wollen, eine Anlaufstelle.
Ideen aus dem Zero Waste Lab
Seit Gründung 2022 seien 43 Ideen eingegangen, erklärt die Zero-Waste-Lab-Koordinatorin Monika Dorn. Daraus haben sich sieben Projekte ergeben. Eines davon ist die Abfalljäger-App. Ein weiteres die sogenannte Teilerei im Frankfurter Stadtteil Niederrad. Dabei handelt es sich um eine Art Tauschbörse. In dem Laden wird nichts verkauft, sondern nur geteilt: Wer etwas nicht mehr benötigt, kann es dort abgeben. Und umgekehrt können alle Waren mitgenommen werden. Auf diese Weise sollen Abfälle vermieden werden und Gegenstände, die von ihrem Besitzer nicht mehr benötigt werden, einen neuen Nutzer finden.
Ein weiteres, jüngst umgesetztes Projekt ist die Repair-Ausstellung in einem Secondhand-Warenhaus. Sie zeigt Tipps und vermittelt Inspiration rund ums Thema Reparieren. Insgesamt seien aus dem Ideenpool der eingesandten Ideen in der Laufzeit des Labs sieben konkrete Vorhaben umgesetzt worden, meint Dorn. Weitere seien bereits in der Planung. Und die Vorschläge, die es nicht in die Umsetzung schaffen, seien ebenfalls nicht verloren: Sie sind auf der Internetseite des Zero Waste Lab (hier) einsehbar.
Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.

