Der Bauhof ist quasi der „Hausmeisterdienst für die ganze Stadt“ und kümmert sich um alles, was draußen anfällt – von der Straßenreinigung über die Pflege von Grünflächen bis hin zur Instandhaltung von öffentlichen Gebäuden. Das Reparatur- und Wartungsteam sorgt dafür, dass alles in Schuss bleibt. Wenn etwas kaputt geht oder gewartet werden muss, ist es zur Stelle. Sie sind auch diejenigen, die im Winter den Schnee räumen und im Sommer die Spielplätze sicher und sauber halten.
Ökonomische und ökologische Aufgabenerfüllung
Für diese Fülle an Aufgaben benötigen die Bauhöfe nicht nur qualifiziertes Personal, sondern auch Maschinen, Gebäude und Freiflächen. Aber wie viele Mitarbeiter, welche Maschinen, welche Flächen und beheizten Gebäude sind tatsächlich nötig, um die Bauhofleistungen zu erbringen? Um das herauszufinden, hat die Überörtliche Prüfung kommunaler Körperschaften in ihrer 197. Vergleichenden Prüfung die Bauhöfe in 18 Kommunen und zwei Zweckverbänden genauer untersucht und Beispiele für eine ökonomische und gleichzeitig ökologische Aufgabenerfüllung gefunden.
Die Gesamtflächen der Bauhöfe variierten in der Prüfung zwischen 1.060 Quadratmetern und 10.237 Quadratmetern. Viele Bauhöfe waren in ihrer Fläche im Verhältnis zur Einwohnerzahl überdimensioniert, denn bezieht man die Aufwendungen auf die Zahl der Einwohner, liegen die beiden Zweckverbände, die zwar absolut die höchsten Aufwendungen haben, im unteren Bereich. Insofern ging erst einmal darum, nicht genutzte Flächen aus ökonomischen Gründen zu hinterfragen.
Bauhof: Positiveffekte durch Flächeneffizienz
Die Reduzierung überdimensionierter Flächen bietet aber nicht nur finanzielle Einsparungen, sondern auch ökologische Vorteile. So kann eine Renaturierung dazu beitragen, die Biodiversität zu erhöhen und natürliche Lebensräume wiederherzustellen. Nahliegende Optionen sind etwa die Umgestaltung als Blühwiese oder Trockenbeet, was nicht nur den Pflegeaufwand reduziert, sondern gleichzeitig zur Klimaanpassung beiträgt und insektenfreundlich ist. Ein Beispiel kommt aus der hessischen Gemeinde Wehretal, die ihre Pflanzbeete schrittweise umgestaltet hat, um den Pflegeaufwand zu verringern.
Auf den Gesamtflächen der Bauhöfe sind regelmäßig auch Gebäude, die meist für Fahrzeuge und Maschinen genutzt werden. Bezogen auf die Fläche je Fahrzeug reichte die Bandbreite von 40 Quadratmetern bis zu 244 Quadratmetern. Besonders teuer sind sie in der Unterhaltung, wenn sie beheizt sind. Das kann zwar für Reparaturen an den Maschinen Sinn machen, ob dann zwingend aber auch der gesamte umbaute Raum zu beheizen ist, darf nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus ökologischer Sicht hinterfragt werden.
Betriebskosten senken, Umwelt schützen
Geht man von notwendigen 25 Quadratmetern je Fahrzeug und einem jährlichen Wärmeenergiebedarf für Nicht-Wohngebäude von rund 100 Kilowattstunden je Quadratmeter aus, identifiziert die Prüfung im Fall der beheizten 244 Quadratmeter ein Einsparpotential von rund 110.000 Kilowattstunden. In Deutschland liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde Strom bei etwa 400 Gramm CO2. Damit verursachen die dort festgestellten 110.000 Kilowattstunden etwa 44 Tonnen CO2 pro Jahr.
Die Reduzierung überdimensionierter Flächen bietet Bauhöfen ein erhebliches Einsparpotenzial, sowohl in ökonomischer als auch in ökologischer Hinsicht. Durch die Optimierung der genutzten Flächen können Kommunen nicht nur ihre Betriebskosten senken, sondern darüber hinaus auch einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Die Renaturierung überdimensionierter Flächen stellt eine weitere Möglichkeit dar, ökologisch wertvolle Lebensräume zu schaffen und die Biodiversität zu fördern.
Alle Bauhöfe sollten diese Möglichkeiten prüfen und nutzen, um Haushalte zu entlasten und gleichzeitig einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. Durch die Kombination von finanziellen Einsparungen und ökologischen Maßnahmen können Bauhöfe einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung ihrer Gemeinden leisten.
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Der Autor
(Quelle: privat)
Dr. Ulrich Keilmann ist Abteilungsleiter der Überörtlichen Prüfung kommunaler Körperschaften und Direktor beim Hessischen Rechnungshof. In der regelmäßigen #stadtvonmorgen-Kolumne „Grüne Ideen, schwarze Zahlen“, die zuerst im #stadtvonmorgen-E-Magazin erscheint und hier zudem online veröffentlicht wird, schreibt er über finanzielle Aspekte der Transformation. Er vertritt hier seine persönliche Auffassung.
Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.

