„Fünf für Südwestfalen“ – das ist das Motto von fünf Kommunen der Region Südwestfalen, die im Kontext der Förderkulisse „Modellprojekte Smart Cities“ zusammen an Smart-City-Innovationen arbeiten. Neben den digitalen Lösungen, die sie hervorbringen, ist die interkommunale Kooperation dabei ein Charakteristikum. Die fünf Kommunen zeigen, wie die digitale Transformation gemeinsam vorangebracht werden kann – und zwar auch in mittelgroßen und kleineren Städten.
Auf dem Weg zur „smartesten Region Deutschlands“
Die Ambitionen der Fünf sind hochgesteckt. Nicht weniger als die „smarteste Region Deutschlands“ will Südwestfalen bis 2030 werden, wie es in einem Imagevideo heißt. Als Vorreiter dafür bewarben sich die fünf Städte Menden, Olpe, Soest, Arnsberg und Bad Berleburg um eine Teilnahme an der Förderkulisse „Modellprojekte Smart Cities“. In drei Staffeln fördert der Bund in diesem Zusammenhang über die KfW pilothafte Smart-City-Projekte. Die Fünf aus Südwestfalen erhielten 2019 den Zuschlag. Bis Herbst 2026 stehen ihnen rund 17 Millionen Euro, inklusive Eigenanteile, für Smart-City-Innovationen zur Verfügung.
Die Region Südwestfalen zählt 1,38 Millionen Einwohner. Gleichwohl ist sie mit fünf Kreisen sowie 59 Städten und Gemeinden recht kleinteilig strukturiert. Im Smart-City-Projekt sind Städte aus jeweils einem Kreis vertreten, und zwar Menden mit 52.000 Einwohnern für den Märkischen Kreis, Olpe mit 25.000 Einwohnern für den gleichnamigen Kreis Olpe, Soest mit 47.000 Einwohnern für den Kreis Soest, Arnsberg mit 74.000 Einwohnern für den Hochsauerlandkreis und Bad Berleburg mit 19.000 Einwohnern für den Kreis Siegen-Wittgenstein. Involviert ist außerdem die Südwestfalen Agentur – sie bildet eine Klammer um die Smart-City-Aktivitäten und moderiert den Prozess. Dabei handelt es sich um eine von den Kreisen gegründete Gesellschaft, die sich der Regionalentwicklung widmet und diesbezüglich wichtige Zukunftsprojekte für Südwestfalen voranbringt.
Interkommunale Zusammenarbeit als Basis
Schon vor der Teilnahme an der Förderkulisse „Modellprojekte Smart Cities“ lief die interkommunale Zusammenarbeit. Auf diese Basis habe man die Smart-City-Projekte aufsetzen können, erklärt Katharina Hogrebe. Bei der Südwestfalen Agentur koordiniert sie die Smart-City-Aktivitäten. Für das Thema Smart City sei interkommunale Kooperation besonders relevant, sagt sie. Denn für große Entwicklungs- und Transformationsvorhaben fehlten gerade in kleineren Kommunen oft die Ressourcen. Gemeinsam könne man hingegen arbeitsteilig voranschreiten. Könne etwa eine kleinere Kommune nur eine Personalstelle für smarte Vorhaben einsetzen, ergäben sich aus Zusammenarbeit der Fünf gleich mehrere Projektmanager, die an verschiedenen Projekten arbeiten. „So gelingt es, ein viel größeres Spektrum an Projekten und Themen abzubilden.“
Die Südwestfalen Agentur ist dafür der „Kleber“. Sie moderiert den Austausch. Dafür gibt es regelmäßige Abstimmungsrunden über die Verwaltungsgrenzen hinweg. In einzelnen Themenclustern arbeiten immer mindestens zwei der fünf Städte zusammen, erklärt Hogrebe. So ist ein stetiger Austausch gewährleistet. Die Agentur flankiert nicht nur den Wissenstransfer, sondern zielt auch darauf ab, die Erkenntnisse und neu entwickelten Lösungen in andere Kommunen der Region zu bringen.
Smarte Infrastruktur für Südwestfalen
Was die Smart-City-Projekte angeht, habe man 2019 mit Grundlagenarbeit begonnen – „an vielen Stellen von Null an“, sagt Hogrebe. Dabei ging es etwa um den Aufbau einer smarten Infrastruktur wie die Implementierung von Sensorik zur Datenerhebung oder die Installation eines LoRaWAN-Netzes. Eine Errungenschaft, für die alle fünf Städte Entwicklungsarbeit leisten, ist eine Datenplattform. Hier sollen gemeinsam nutzbare Daten zusammenfließen. In kleinteiligeren Projekten wiederum setzen die Städte eigene Ansätze um, die ebenfalls anderen Kommunen ein Vorbild sein können. So hat Arnsberg ein Klimadashboard entwickelt, das Klimadaten wie Temperatur, Luftqualität oder Wasserstände sowie Energieverbräuche transparent macht.
Insgesamt arbeiten die fünf Städte an 16 Themenclustern oder sogenannten Maßnahmenbündeln. Neben der infrastrukturellen Grundlagenarbeit und dem Aufbau der Datenplattform geht es dabei unter anderem um smarte Lösungen für nachhaltigen Konsum etwa hinsichtlich der Citylogistik oder eines Recyclingkaufhauses, um die Verkehrswende mit vernetzten Lösungen wie Mobilitätsstationen, um digitale Tools für das touristischen Erleben der Stadt oder um die Digitalisierung der urbanen Lebenswelt wie den Einsatz einer intelligenten Straßenbeleuchtung. Das Repertoire ist breit: „Durch die interkommunale Kooperation gelingt es uns, einen viel breiteren Blick einzunehmen, als es einer einzelnen Kommune möglich wäre“, erklärt Hogrebe.
Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.

