Urbane Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Städte und ihre Tochterunternehmen wie Stadtwerke sind dabei als Gestalter vor Ort besonders gefragt. Doch wie läuft die Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Stadt und Energieunternehmen? Dazu spricht Marc Hansmann, Vorstand Finanzen und Infrastruktur des kommunalnahen Energieversorgers enercity aus Hannover. Das Interview läuft im Vorfeld der F.A.Z.-Konferenz „Stadt von morgen“, die am 10. und 11. November in Berlin stattfindet. Dabei tritt Hansmann auf dem Podium zum Thema „Transformation in die Umsetzung bringen: Kooperation statt Silos“ auf. (Programminfos und Anmeldungen hier.)
Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografie
#stadtvonmorgen: Herr Prof. Hansmann, welches sind die herausforderndsten Transformationsthemen, vor denen Ihr Unternehmen steht?
Marc Hansmann: Das sind die drei großen „D“: Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografie. Bei der Dekarbonisierung sind es vor allem die Wärmewende und die damit verbundene konsequente Umsetzung der Kommunalen Wärmeplanung, die das herausforderndste Transformationsthema darstellen – auch im Hinblick auf die enormen Investitionen, die solide finanziert werden müssen. Die drei Themen sind zudem nur zu meistern, wenn der Kulturwandel des Unternehmens gelingt.
#stadtvonmorgen: Kooperation oder Silos: Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Stadtspitze in Bezug auf diese Transformationsthemen? Wer hat welche Rolle?
Marc Hansmann: Die Wärmewende funktioniert bei uns nur so gut, weil wir eng mit der Stadt zusammenarbeiten. Mit drei Dezernaten stimmen wir uns dabei fast täglich ab: Mit dem Umweltdezernat zur Kommunikation und Umsetzung der bereits beschlossenen Wärmeplanung; mit dem Baudezernat zur Abstimmung insbesondere der vielen Fernwärmebaustellen; und mit dem Finanzdezernat zur Finanzierung der Energie- und Wärmewende. Last but not least, stimmen wir unsere Öffentlichkeitsarbeit sehr eng mit dem Oberbürgermeister ab und machen beispielsweise gemeinsame Veranstaltungen, in denen wir Einwohner und Unternehmen insbesondere über die Wärmewende informieren.
Beispiele für gelungene Kooperation
#stadtvonmorgen: Gibt es ein konkretes Beispiel, bei dem die Kooperation besonders gut geglückt ist – und was kann man daraus lernen?
Marc Hansmann: Nun, unser Oberbürgermeister hatte den Mut, eine Anschluss- und Benutzungspflicht für die Fernwärme vorzuschlagen, die dann auch vom Stadtrat zum 1. Januar 2023 beschlossen wurde. Das gibt den Einwohnern und uns Planungssicherheit. Lassen Sie mich drei weitere Beispiele nennen: Die Umweltdezernentin hat die Kommunale Wärmeplanung mit uns gemeinsam erarbeitet, und der Baudezernent verschiebt Straßensanierungen, wenn die Fernwärmeleitung erst in zwei oder drei Jahren verlegt wird. Das erläutern wir der Politik dann gemeinsam, ohne ein „Schwarzer-Peter-Spiel“ aufzuführen. Und ebenfalls ganz wichtig: Der Kämmerer erlaubt die Thesaurierung unserer überplanmäßigen Gewinne in präzedenzloser Höhe. Das hilft sehr dabei, die Wärmewende vorzufinanzieren und nötigt mir hohen Respekt ab, da ich selbst mal Kämmerer war.
#stadtvonmorgen: Wenn Sie Wünsche an die Stadtspitze formulieren dürften: Welche sind das?
Marc Hansmann: Macht weiter so! Es geht nur gemeinsam.
Info
Die F.A.Z.-Konferenz „Stadt von morgen“ findet am 11. und 12. November im Allianz Forum in Berlin statt. Sie widmet sich zentralen Fragen der urbanen Transformation. Weitere Infos zum Programm und Anmeldungen gibt es hier.
Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.

