Urbane Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Städte und ihre Tochterunternehmen wie Stadtwerke sind dabei als Gestalter vor Ort besonders gefragt. Doch wie läuft die Zusammenarbeit im Konzern Stadt? Dazu spricht Eva-Maria Kröger, Oberbürgermeisterin der Stadt Rostock. Das Interview läuft im Vorfeld der F.A.Z.-Konferenz „Stadt von morgen“, die am 10. und 11. November in Berlin stattfindet. Dabei tritt Kröger auf dem Podium zum Thema „Transformation in die Umsetzung bringen: Kooperation statt Silos“ auf. (Programminfos und Anmeldungen hier.)
Energiewende, Mobilitätswende, Digitalisierung
#stadtvonmorgen: Frau Kröger, welches sind die herausforderndsten Transformationsthemen, vor denen Ihre Stadt steht?
Eva-Maria Kröger: Die Klimaneutralität ist auf allen Ebenen beschlossene Sache. Doch die Herausforderungen sind enorm, und die Städte stehen vor einem großen Berg finanzieller, personeller und organisatorischer Probleme bei der Bewältigung der Energiewende, der Wärmewende und der Mobilitätswende. Die Digitalisierung gesellt sich als Querschnittsthema dazu und durchdringt mit ihren Anforderungen alle Bereiche städtischen Handelns.
#stadtvonmorgen: Welchen Beitrag leisten kommunale Unternehmen bei der anstehenden Transformation?
Eva-Maria Kröger: Transformation hin zur Klimaneutralität – in Rostock haben wir 2023 im Rahmen einer Zukunftskonferenz viele Maßnahmen gesammelt, die im Handlungsfeld der Daseinsvorsorge und ihrer Akteure liegen. Wir haben analysiert, welche Projekte zu realisieren wären, um Mobilitätswende, Wärmewende und Energiewende zu vollziehen. Aktuell arbeitet die Stadt intensiv an der Erstellung eines verbindlichen und vor allem leistbaren Transformationspfades, um die Vielzahl der Maßnahmen zu strukturieren. Die kommunalen Unternehmen tragen dabei die Hauptverantwortung.
Angespannte Haushaltslage erschwert Vorankommen
#stadtvonmorgen: Kooperation oder Silos: Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen der Stadtspitze und den Geschäftsführungen der kommunalen Töchter?
Eva-Maria Kröger: In Rostock besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den kommunalen Beteiligungen und der Verwaltungsspitze. Die Beziehungen sind gut und belastbar, werden jedoch durch die extrem angespannte Haushaltslage der Stadt strapaziert. Erfolgreiche Unternehmen müssen zur Finanzierung städtischer Aufgaben beitragen, während andere kommunale Unternehmen zunehmend auf die finanzielle Unterstützung der Stadt angewiesen sind.
#stadtvonmorgen: Gibt es ein konkretes Beispiel, bei dem die Kooperation besonders gut geglückt ist – und was kann man daraus lernen?
Eva-Maria Kröger: Das kommunale Wohnungsunternehmen WIRO ist der größte Vermieter am Markt und seit vielen Jahren erfolgreich tätig. Bis zu 14 Millionen Euro schüttet das Unternehmen jedes Jahr an die Stadt aus, während der Wohnungsbestand saniert und erweitert wird. Zudem engagiert sich die WIRO auch sozial in der Stadtgesellschaft und ist verlässlicher Partner.
„Als Teil der Stadtfamilie verstehen“
#stadtvonmorgen: Wenn Sie Wünsche an die Geschäftsführungen der kommunalen Unternehmen formulieren dürften: Welche sind das?
Eva-Maria Kröger: Wichtig ist, dass sich Geschäftsführungen immer als Teil der Stadtfamilie verstehen und Verantwortung über das eigene unternehmerische Handeln hinaus übernehmen. Außerdem wünsche ich mir das stabile Bewusstsein, dass Unternehmensführung nicht Inbesitznahme bedeutet, sondern die Übergabe der Gestaltungsverantwortung für eine begrenzte Zeit.
Info
Die F.A.Z.-Konferenz „Stadt von morgen“ findet am 11. und 12. November im Allianz Forum in Berlin statt. Sie widmet sich zentralen Fragen der urbanen Transformation. Weitere Infos zum Programm und Anmeldungen gibt es hier.
Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.

