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Klimaneutralität bestimmt die Stadtentwicklung

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Urbane Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Städte und ihre Tochterunternehmen wie Stadtwerke sind dabei als Gestalter vor Ort besonders gefragt. Doch wie läuft die Zusammenarbeit im Konzern Stadt? Dazu spricht Katja Dörner, Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn. Das Interview läuft im Vorfeld der F.A.Z.-Konferenz „Stadt von morgen“, die am 10. und 11. November in Berlin stattfindet. Dabei tritt Dörner auf dem Podium zum Thema „Transformation in die Umsetzung bringen: Kooperation statt Silos“ auf. (Programminfos und Anmeldungen hier.)

Urbanes Transformationsprojekt Klimaneutralität

#stadtvonmorgen: Frau Dörner, welches sind die herausforderndsten Transformationsthemen, vor denen Ihre Stadt steht?

Katja Dörner: Unser Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, ist eines der wichtigsten und zugleich herausforderndsten Transformationsprojekte für Bonn. Ein großer Hebel ist dabei die CO₂-freie Energie- und Wärmeversorgung. Gleichzeitig braucht die Stadt auch Maßnahmen zur Anpassung an Hitzewellen, Starkregen und andere Folgen des Klimawandels – etwa durch grüne Infrastruktur, Schwammstadtkonzepte und eine nachhaltige Stadtentwicklung. Wir sind hier auf einem guten Weg und machen deutliche Fortschritte in diesen Bereichen, wissen aber auch, dass wir die Dynamik in den kommenden Jahren weiter beschleunigen müssen. Eng verknüpft mit der Klimaneutralität ist die Bonner Verkehrswende. Bonn hat das Ziel, dass bis 2030 mindestens 75 Prozent der Wege mit umweltverträglichen und platzsparenden Mobilitätsformen zurückgelegt werden. Dafür stärken wir den ÖPNV, den Radverkehr und den Fußverkehr; wir teilen den begrenzten öffentlichen Raum neu und gerechter auf. Das ist aber kein reiner Infrastrukturprozess, sondern bedarf auch eines gesellschaftlichen Wandels. Als dritte große Herausforderung sehen wir die digitale Transformation, die durch gesetzliche Vorgaben, den demografischen Wandel und die veränderten Erwartungen der Bürger an eine moderne Verwaltung getrieben wird. Unser Ziel ist es, eine digital souveräne Stadt zu gestalten, die bürgernah, effizient und zukunftsfähig arbeitet – mit offenen Daten, sicheren Infrastrukturen und smarten Lösungen für das Zusammenleben in der Stadt von morgen.

Die Treiber der Energiewende vor Ort

#stadtvonmorgen: Welchen Beitrag leisten kommunale Unternehmen bei der anstehenden Transformation?

Katja Dörner: Kommunen und deren Konzerntöchter spielen eine entscheidende Rolle bei Transformationsprozessen. Sie treiben die Energiewende vor Ort, indem sie Netze, Versorgungssysteme und die Fernwärme infrastrukturell ausbauen. Sie gestalten neue Mobilitätslösungen wie die Beschaffung von E-Bussen, den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur und der Sharing-Angebote wie Fahrradmietsysteme. Sie fördern digitale Innovationen, entwickeln innovative Konzepte für Ressourcenschonung im Rahmen der Abfallbeseitigung, schaffen Wohnraum. Die kommunalen Unternehmen sind nicht nur wichtige Akteure in der Umsetzung von Maßnahmen, sondern auch gestaltende Kräfte, die den Wandel vor Ort aktiv vorantreiben und eine Brückenfunktion zu Bürgern, Wirtschaft und weiteren Akteuren der Stadtgesellschaft einnehmen.

„Wir haben eine gemeinsame Verantwortung“

#stadtvonmorgen: Kooperation oder Silos: Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen der Stadtspitze und den Geschäftsführungen der kommunalen Töchter?

Katja Dörner: Wir haben eine gemeinsame Verantwortung und eine Vorbildrolle. Beides verpflichtet uns zu Kooperation, die in Bonn sehr gut gelingt. Der Konzern Stadt Bonn, zu dem die Stadtwerke Bonn mit ihren Konzerntöchtern – SWB Energie und Wasserversorgung, SWB Verwertung, SWB Bus und Bahn, Bonn-Netz, Stadtwerke Bonn GmbH-Holding, Bonner City Parkraum GmbH –, die Internationalen Beethovenfeste, das Abfallwirtschaftsunternehmen Bonnorange, das Bonn Conference Center, die „Vereinigte Wohnungsbau“, städtische Einrichtungen wie das Theater, Seniorenzentren, das Gebäudemanagement sowie die Fuhrparkmanagements von Feuerwehr und Rettungsdienst gehören, möchte bis 2035 klimaneutral werden. Das kann nur gemeinsam gelingen. Ich bin dankbar, dass wir hier alle an einem Strang ziehen.

#stadtvonmorgen: Gibt es ein konkretes Beispiel, bei dem die Kooperation besonders gut geglückt ist – und was kann man daraus lernen?

Katja Dörner: Ein besonders gelungenes Beispiel ist der erste kommunale Wärmeplan, den die Stadt gemeinsam mit unserem kommunalen Verteilnetzbetreiber BonnNetz, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, erarbeitet hat und der im Juli 2025 im Stadtrat beschlossen wurde. Mit dem Wärmeplan hat die Stadt eine Strategie und ein Maßnahmenpaket für eine CO2-freie, sichere, bezahlbare und wirtschaftliche Wärmeversorgung – und das ein Jahr früher als gesetzlich vorgeschrieben. Auch beim Ausbau der Photovoltaik auf städtischen Dächern und dem Einbau von Wärmepumpen in öffentlichen Gebäuden zeigt sich eine erfolgreiche Kooperation zwischen Stadt und Stadtwerken. Auf Grundlage eines Rahmenvertrags zwischen der Stadt und den Stadtwerken wurden bereits zahlreiche PV-Anlagen umgesetzt und einige Heizungssysteme getauscht – ein klar geregeltes Zusammenspiel, das Umsetzung beschleunigt und Kompetenzen optimal nutzt.

Die Transformation gemeinsam angehen

#stadtvonmorgen: Wenn Sie Wünsche an die Geschäftsführungen der kommunalen Unternehmen formulieren dürften: Welche sind das?

Katja Dörner: Ich wünsche mir, dass Bonn weiter an seinen ambitionierten Zielen arbeitet und nicht nachlässt, Maßnahmen umzusetzen, um diese zu erreichen. Das gelingt nur in Einheit und mit dem Fokus auf gemeinsames Handeln. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Stadt und kommunale Unternehmen Seite an Seite stehen und bereit sind, die Transformation gemeinsam anzugehen. Ich wünsche uns allen weiter Entschlossenheit und das nötige Durchhaltevermögen, um diesen Weg gemeinsam weiterzuverfolgen.

Info

Die F.A.Z.-Konferenz „Stadt von morgen“ findet am 11. und 12. November im Allianz Forum in Berlin statt. Sie widmet sich zentralen Fragen der urbanen Transformation. Weitere Infos zum Programm und Anmeldungen gibt es hier.

Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.